Die schwarzen Handschuhe sind eigentlich viel zu eng. Der Atem in der Maske schwer. Am Parkplatz vor dem Supermarkt werden wir fast nervös, meine Frau und ich. Wir sehen immerhin aus, als hätten wir vor, ihn zu überfallen. „Du schnappst die Gurken, ich das Brot. Wie wir es geplant haben. Bevor die merken, dass wir drinnen waren, sind wir schon wieder weg“. Es ist Montag. Vor etwa zwei Stunden hat Bundeskanzler Kurz verkündet, dass ab Mittwoch eine Schutzmaskenpflicht für Supermärkte gilt. In vorauseilendem Gehorsam, befolgen wir diese Anweisung schon heute.

Ein Eintrag ins Tagebuch von René Rabeder

Fledermaus gut durch oder medium?

In Österreich gibt es jetzt ein Expertenpapier der Uni Wien, in der Wissenschafter und Professoren verschiedene Modelle errechnen. Wird die Verbreitung des Coronavirus drastisch und massiv reduziert, hat Österreich noch genügend Intensivbetten. Bleibt die Verbreitung bei rund 14 Prozent, wie derzeit angenommen, kommt es zum Kollaps des Gesundheitssystems. Bis Jahresende könnten rund 90.000 Menschen sterben. Die Bundesregierung, die sich zwar selbst stets bemüht zeigt, Panik in der Bevölkerung zu vermeiden, wirkt in diesen Tagen selbst planlos und chaotisch. Plötzlich stehe ich mit einer Atemschutzmaske vor dem Müsliregal, obwohl der Kanzler doch Anfang des Monats noch gesagt hatte, diese wären irrational. „Weil ein Typ in China seine Fledermaus lieber medium statt ganz durch bestellen musste“, wie ich mir denke.

Ein Kickerl wundert Kickl

Beim Gang durch die Regale mit Alkohol muss ich an die Geschichte von heute Morgen denken. In Ried feierte eine Gruppe Nigerianer eine feuchtfröhliche Party. Die Polizei musste einschreiten und wurde daraufhin mit einem Messer bedroht. Corona-Party. Klar, „schwarze Schafe“ gibt es überall. Aber dass man in französischen Migranten-Vierteln die Einhaltung der dortigen Maßnahmen gleich gar nicht mehr kontrolliert, spricht Bände. Aber ja, bis nach Frankreich braucht man da gar nicht zu schauen:

„Während sich die Österreicher an die Covid-19-Verordnungen halten müssen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, wird im Asylzentrum in Traiskirchen fleißig Fußball gespielt“, wundert sich auch der freiheitliche Klubobmann Herbert Kickl.

Wie wird das zu Ramadan?

Stehen meine Frau und ich jetzt in Schutzkleidung vor den halbleeren Klopapier-Regalen, weil sich eine nicht zu kleine Gruppe unserer Zeitgenossen einfach nicht an die Maßnahmen halten will? Wie etwa die jungen Türkinnen, die trotz des Verbots schon letzte Woche männlichen Besuch in ihre Krankenhaus-Zimmer einladen wollten. „Das wird spätestens am 23. April nochmal ganz spannend. Da beginnt der Ramadan. Da bin ich gespannt, wie es dann mit den Ausgangsbeschränkungen gehandhabt wird, wenn ganze Großfamilien zum abendlichen Fastenbrechen zusammenkommen wollen“, murmle ich in meine Maske während ich den quietschenden Einkaufswagen an einem Tisch voller süßer Osterlämmer vorbeischiebe, die von der ganzen Aufregung wenig beeindruckt scheinen.

Es ist übrigens auch Herbert Kickl, der heute bei uns im exklusiven Interview mit den schönen Zeilen schloss: „Wir haben ein wunderbares Land, das fast alles bieten kann. Vielleicht lernen wir diesen Schatz jetzt wieder mehr wertzuschätzen.“

Das hoffe ich auch.

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