Nach dem jüngsten Schock bei den Arbeitslosenzahlen wundern sich immer mehr Leute, wie es nach der Corona-Krise weitergehen soll. Sebastian Kurz hat zumindest Medien, die ihm wohlgesonnen berichten, schon einen üppigen Startvorteil verpasst. 

Ein Tagebucheintrag von Alfons Kluibenschädl

Tag 18 im Home Office brachte an der Wohnzimmer-Front wenig Neues. Während der ORF sich eine Diskussionsrunde gönnt über die Problematik wachsender Spannungen innerhalb der eigenen vier Wände, stelle ich fest: ich bin der Herzallerliebsten am Tisch noch nicht überdrüssig und brauche daher keine Belehrung über ‚toxische Männlichkeit‘. Die Krone  weiß derweilen mit jener Nachricht zu begeistern, dass dies bei der Ex-Außenministerin am Hof anders ist. Wieso jener Ehestreit einen Riesen-Exklusiv-Artikel wert ist, erschließt sich mir nicht. Aber ich schreibe ja auch nicht für das aller-systemrelevanteste Medium…

Das Lob der fütternden Hand…

So ließen sich die Pläne der Bundesregierung interpretieren, wie sie die Folgen der Corona-Krise in der Medienbranche abfedern will. Neben öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Sendern sollen, wie schon bei der Presseförderung, nur jene profitieren, die sowohl Tageszeitung als auch Printmedium sind. Gebunden ist die Ausschüttung dabei an die Druckauflage des Vorjahres, vier Euro pro Stück gibt’s. Das hilft natürlich vor allem dem auflagenstarken Boulevard, die Krone bekommt etwa drei Millionen…

…und bedankt sich sofort mit dem nächsten Jubel-Artikel. Vergessen ist längst der Zick-Zack-Kurs der Regierung bei der Frage der Mundschutz-Pflicht. Oder wie die Alpen-Prawda titelt: „Zweifler lenken ein – Schutzmasken: Kurz hat rechtzeitig gehandelt“. Aber auch Kronprinz Fellner weiß sich in diesen Tagen zu verdingen, sein Blattl hält die Chancen der Opposition klein. Die Forderung von FPÖ-Chef Hofer nach der schrittweisen Öffnung von Geschäften findet dort unrichtigerweise „entgegen aller Expertenmeinungen statt“.

…und ein ominöser Gegenentwurf

Wenn man solche Artikel liest, könnte man meinen, wir haben’s gut mit dieser glorreichen Regierung. Und die erste Sonntagsfrage dankt es ihr: Die Partei von Sonnenkanzler Kurz stünde derzeit bei 43 Prozent, unaufhaltsam ist der Marsch richtig bereits 2017 erträumter Alleinregierung. Keine Freude mit der Regelung haben derweil diverse „Qualitätsblätter“ wie Standard & Co., die sich im Nachteil sehen, obwohl die von ihnen oft bevorzugte grüne Regierungshälfte auch bei 19 Prozent in Umfragen steht.

Das Empörium der linken Presselandschaft versucht daher bereits eine andere Variante ins Feld zu bringen. Ihre Vertreter wollen nämlich die Mitgliedschaft im Presserat zur Bedingung für die Finanzhilfen machen. Der ist zwar ein Verein, der auf dem Prinzip der Freiwilligkeit basiert und dessen Entscheidungen rein symbolischer Natur sind, aber die Idee scheint auch diesem selbst zu gefallen

Faktische Almosen für Hofberichterstattung?

Es entsteht also quasi ein Wettrennen zwischen Zeitungen, die ohnehin bereits am Tropf der öffentlichen Hand hängen. Es ist die Sorge um den Verdrängungswettbewerb, welche sie bei ihrem Ansinnen leitet, Varianten zu zimmern, die dem eigenen Blatt nützen und dem Konkurrenten schaden.

Ein Einwand hat aber eine eine starke Berechtigung: Die Tageszeitungs-Beschränkung ist wirklich arbiträr. Denn diese übervorteilt die Jubelblätter des Sonnenkanzlers unverhältnismäßig. Einige Fachzeitschriften, die gerade für gute Lektüre in der Generalquarantäne sorgen, bleiben ebenso vor wie Monatsmagazine. Und auch Wochenzeitungen haben nach den bisher bekannten Plänen keinerlei Anspruch.

Heißt im Klartext: weder der Falter noch der Wochenblick bekommen Ausschüttungen. Böse Zungen könnten behaupten, die Regierung wolle sich gegen „lästige“ kritische Stimmen von links und rechts zugleich immunisieren. Unabhängig, wie ich zum Falter und seinen oft einseitigen Skandalisierungen stehe: Welch praktischer Schachzug…

Freie Medien mussten sich selber wappnen

Natürlich trifft uns das Ausbleiben von Almosen aus Steuergeld weniger schwer als Blätter, deren Existenz fast ausschließlich auf dem Wohlgefallen der öffentlichen Hand gründet und deren restliche Verbreitung auf die Liquidität der jetzt umso härter getroffenen linken Schickeria baut. Denn während Mainstream-Blätter teils mit Steuermillionen um sich werfen, wissen freie Medien seit jeher mit einem Bruchteil der Summen zu haushalten.

So erhielten in einem Zwei-Jahres-Zeitraum sämtliche Alternativmedien zusammengezählt ganze 116.000 Euro aus einem 384-Millionen-Euro-Topf. Der Mainstream wusste selbst diesen Umstand noch zu skandalisieren. Und linke Politiker fordern regelmäßig lauthals ein Verbot, im Wochenblick überhaupt zu inserieren. Somit wissen wir bereits vorab, dass wir unsere Existenz nicht auf solch wackeligen Beinen errichten können. Wir wissen, dass Steuergeld nicht auf Bäumen wächst – und in der Krisenlage ist das durchaus ein Vorteil.

Ein Gegenvorschlag mit Augenzwinkern…

Freilich gäbe es auch andere Varianten, wie man die Finanzhilfe für Medien zu gerechter Verteilung bringen könnte. Etwa könnte man einen Algorithmus anwenden, der bewertet, um wie weit die Berichterstattung vom Einheitsbrei etablierter Angebote abweicht. Oder man könnte die Anzahl der Online-Zugriffe in ein Verhältnis zur Anzahl der schreibenden Redakteure setzen. Wäre zumindest nicht arbiträrer als die beiden anderen Vorschläge.

Allerdings müssten freie Medien dann dermaßen überproportional Gelder erhalten, dass der Wochenblick davon sämtlichen Mitarbeitern einen eigenen Vierkanthof schenken könnte. Die absehbaren Nervenzusammenbrüche des Mainstreams wären aber wohl wirklich unverantwortlich, da sie medizinisches Personal binden würden, das jetzt dringend zur Bekämpfung der Krise gebraucht wird. In diesem Sinn: Bleiben’s gesund und wir halten für Sie die Stellung – auch ohne Geldsegen der Kurz-Regierung.