Der vierte Montag des Lockdowns war erstmals von der konkreten Aussicht auf Lockerung der Maßnahmen geprägt. Allerdings nur, wenn die Leute ganz brav sind und sich schön an die Vorgaben ihrer Regierung halten. Andernfalls gibt’s Hausarrest und Fernsehverbot – oder so ähnlich.

Tagebucheintrag von Alfons Kluibenschädl

Eigentlich würde eine derart elterliche Rhetorik ja besser in die Bundesrepublik passen. Dort bezeichnet man nämlich eine kinderlose Karrieristin als „Mutti“, deren beharrliches Kleben am Sessel nach fünfzehn Jahren und mindestens vier stümperhaft überwundenen Krisen in den Schulbüchern unserer Enkel als historische Anomalie landen wird. Aber auch Kurz scheint auf den Geschmack gekommen zu sein. In beachtlicher Ton-Bild-Schere gibt der knabenhafte Kanzler den guten Vater, der mit Zuckerbrot und Peitsche regiert.

Maskenpflicht: Wer brav sein will, muss vorsorgen

Normalerweise beginne ich ja meine Tagebucheinträge mit einer persönlichen Anekdote. Die fand am gestrigen Montag allerdings erst kurz vor der neuen Presse- äh Propaganda-Konferenz des schwarz-grünen Räte-Quartetts statt. Denn nachdem ich am Rückweg vom Bäcker für den Klein-Einkauf im Geschäft einen Dreierpack an Wegwerfmasken erwerben hätte sollen, die entgegen aller Ankündigungen nicht gratis waren, schwante mir Böses.

Also schnell nach Hause geeilt, dem Tipp der Herzallerliebsten noch Folge geleistet und eine heimische Schneiderei angeschrieben, welche uns stilvolle Masken nähen möge. Und das in weiser Voraussicht – denn um kurz nach 11 Uhr verkündete die Regierung, dass das Tuch vorm Mund wohl noch länger das Straßenbild prägen wird. Es soll im Öffi-Verkehr ebenso verpflichtend sein wie in größeren Geschäften, sobald diese im Mai wieder öffnen.

Schlag Fesseln entzwei, huldige dem Einheitsbrei?

Das tun sie allerdings nur, wenn die Österreicher brave Team-Spieler sind. Tunlichst sollen sie keine „ungezogenen Kinder“ sein. Das heißt: Brav Masken tragen, zu Ostern also doch keine fünf Vettern einladen und wohl bald eine Tracking-App freiwillig verpflichtend runter laden. Mit der soll man drinnen sitzen, sich stehend-schweigend ins Gespräch vertiefen, um dann auf der proverbialen Sandbank der Maßnahmen schlittschuhlaufend den Lolli vom guten Onkel Basti abzuholen.

Der hat nämlich gefühlt schon die Hofberichterstatter, pardon die unabhängigen Medien, ins Bild geholt. Jene, welche besonders voller Jubel berichten, bekommen nicht nur Gelder in Millionenhöhe zum Dank, sondern auch gerne Vorabinformationen. Und wenn sie’s doch einmal nicht früher bringen können als der Rest, dann umso kitschiger. Diese Regierung möchte den Österreichern doch tatsächlich die „Fesseln abnehmen“ und wenn sie nur noch ein bisserl durchhalten, dann gibt’s eine „Belohnung“, titelt die Krone blumig.

Neue Medienlosung: „Händ‘ foidn, Gosch’n hoidn“

Angesichts derartig großer Ankündigungen hätte man zumindest annehmen können, dass der Österreicher von Welt demnächst aus Steuergeld ein Bild von des Kanzlers adretter Lebensgefährtin im Krankenschwestern-Outfit auf Seite 7 als Dank für gesellschaftliche Selbstkasteiung zu sehen bekäme. Aber weit gefehlt, denn als Belohnung kommen ganz kleine, übliche Freiheiten äußerst schrittweise retour. Die Fesseln gelöst werden freilich von demjenigen, der sie erst anlegte. Quasi ein Stockholm-Syndrom mit Message-Control.

Überhaupt ist die mediale Kritik an so manchen Fehltritten der Regierung de facto kaum vorhanden. Eine bekannte Journalistin lässt sich etwa ihre Bedenken vor der genannten App durch Floskeln der Klubobfrau einer Regierungspartei zerstreuen. Und dass wir froh sein können, dass Nehammer uns als ‚Lebensgefährder‘ bezeichnet, wenn wir auf einer Parkbank zu knapp an Passanten Vokabeln büffeln, und nicht der böse Kickl, der natürlich gewiss keine Grenzen früher geschlossen hätte, ist eh geschenkt…

Wochenblick als Vorreiter kritischer Berichterstattung

Die ‚Querfront‘ an Medien, welche überhaupt noch ansatzweise kritisch über die Regierung berichten, ist durchaus überschaubar. Da geht’s jetzt nicht um parteipolitisches Kleingeld und auch nicht darum, einen notwendigen Schulterschluss madig zu machen. Keiner wird verleugnen, dass unsere Regierung nicht so zögerlich war wie so manches Nachbarland. Und die meisten von uns sind auch bereit, einschneidende Maßnahmen mitzutragen, wenn das bedeutet, dass wir vielleicht im Sommer doch ein Eis im Freibad essen können.

Aber es geht auch darum, kritisch zu bleiben. Der Wochenblick macht dies seit Anbeginn der Krise. Im Mainstream machen dies wenige, wobei man gestehen muss: Der Standard probiert es zumindest. Allerdings fast immer erst mit Verspätung. Unsere Feststellung, dass die Corona-Warnungen der Freiheitlichen zu lange abgetan wurden, brachte das zartrosa Blatt sechs Tage später. Bei der Verwirrung über die Ehrlichkeit Nehammers über den Asyl-Einreisestopp waren es zumindest nur mehr zwei Tage

Gerade jetzt schreiben, was andere verschweigen

Es zeigt sich also: Wer in Zeiten einer Regierung, deren beiden Hälften jeweils Liebkind unterschiedlicher Mainstream-Medien sind, möglichst schnelle kritische Berichterstattung sucht, wird diese nur bei Akteuren einer Gegenöffentlichkeit finden, wie beim Wochenblick. Der Slogan „Wir schreiben, was andere verschweigen“ trifft gerade in Krisenzeiten zu. Manchmal hat es eben einen Vorteil, nicht am Tropf der Regierenden zu hängen…

+ + +

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, könnte Sie auch folgender „Wochenblick Corona-Tagebucheintrag“ interessieren: Hier klicken, um alle Einträge zu sehen!

+ + +