Es ist ein historisch anderes Ostern für viele Österreicher, nicht einmal in Kriegszeiten war es für viele Menschen dermaßen einsam. Wer sich dennoch auf Suche nach faulen Ostereiern begab, wurde in der virtuellen Welt dank der niemals schlafenden politischen Blase trotzdem fündig. 

Tagebucheintrag von Alfons Kluibenschädl

Für mich war der Ausfall familiärer Osterfeiern bereits vor Wochen alternativlos. Bis vor wenigen Tagen war der Weg in die Heimat versperrt, jener zu den keine Autostunde entfernten bayerischen Schwiegereltern ist es noch. Meine Mutter müsste bei Heimreise aus der Bundesrepublik erstmal in Quarantäne und einer meiner Brüder verrichtet den verlängerten Zivildienst. Meine Oma sitzt derweilen als mehrfache Hochrisiko-Patientin im Altersheim, wenigstens lässt die beginnende Demenz sie die Einsamkeit schnell wieder vergessen. Der einzige Trost ist: vielen anderen Österreichern geht es hübsch ähnlich.

‚Nachbarschaftshilfe‘ der Regierung in Nahost

Und so wurde der Osterschinken ein abendfüllender Film, das Osternest eine Knödelsuppe und das heilige Osterlamm verspricht uns der liebe Sonnenkanzler ja höchstpersönlich, die ominöse ‚Auferstehung nach Ostern‘. Freilich nur dann, wenn die Österreicher brav herumsitzen und sicherstellen, dass ihre Kinder nicht durch öffentliches Ballspiel zu fahrlässigen „Lebensgefährdern“ werden. Da scheint es nur selbstverständlich, zu geben, um das Leid der diesmal einsamen ‚Nachbarn in Not‘ zu lindern.

Ungefähr das wird sich auch Sebastian Kurz gedacht haben, als er eine Spendengabe der Hilfsorganisation mit diesem Namen aus öffentlicher Hand verdoppelte, nicht weniger als vier Millionen Euro wandern in den (nicht besonders) Nahen Osten. Schon vor wenigen Tagen wollte man die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit zwei Millionen beschenken. Gelder, die vor allem nach Afrika, nach Palästina und in den Iran wandern. Ziel ist auch, „spezielle Bedürfnisse von Binnenvertriebenen und Flüchtlingen“ zu bedienen. Na servus.

„Hilfe vor Ort“ als wohlklingender PR-Schmäh

Meine Kritik sei jetzt nicht falsch zu verstehen. Prinzipiell ist die Idee einer ‚Hilfe vor Ort‘ eine lobenswerte und in den Krisenregionen der Welt kann ein Euro zehn mal so vielen Menschen helfen wie in Europa. Zielgerichtete Hilfen können so Perspektiven schaffen, ohne Menschen aus ihrer Heimat zu entwurzeln und sie auf gefährlichem Trek in unser Sozialsystem zu schleusen, während dort für den Aufbau wichtige jungen Männer fehlen.

Nur: In der derzeitigen Lage, in der hunderttausende Österreicher plötzlich keine Arbeit mehr haben und viele Kleinunternehmer noch auf den ersten Cent Soforthilfe warten, ein fatales Zeichen. Und entsprechend verständlich regen sich auch erste Bürger in sozialen Medien über diese verschobenen Prioritäten auf, lassen das Messias-Narrativ des Kanzlers erstmals bröckeln. Es ist auch nicht das erste Eigentor: Denn die zehntausenden Masken, die man als „Hilfe vor Ort“ nach China schickte, fehlten dann lange Zeit hierzulande.

Die Crux mit der Schutzmasken-Pflicht

Stattdessen sprach man sich dann mit großen Handelsketten zusammen, Abermillionen von Papiermasken zu verteilen, die demnächst eh fast überall Pflicht sind. Nachdem man uns also monatelang ein schlechtes Gewissen machte, wenn man noch einen Diesel fuhr, gibt es jetzt Wegwerf-Gesichtsorigami als Opium fürs Volk. Diese Fernost-Importe – die Globalisten wollten ja seit Jahren möglichst billig statt nachhaltig und regional produzieren – sind natürlich derart schleißig, dass sie nach 30 Minuten nasser sind als die Achseln eines übergewichtigen Saunagängers, sofern man sich beim Einkauf unterhalten muss.

Findige Menschen haben sich freilich längst Stoffmasken organisiert, die nachhaltiger, ansehnlicher und weniger lästig sind. Als Brillenträger wünscht man sich dennoch einen Scheibenwischer her, weil jeder Atemzug sie befeuchtet. Dass ich leichte Schwindelgefühle kriege, weil die Zylinder-Korrektur für meinen Astigmatismus aus dem Lot gerät, sei dafür ein Erste-Welt-Problem. Denn ob ich im Sommer beim Pendeln im Zug bei 40 Grad bis zu 3.600 Euro Strafe fürs Wassertrinken oder den Speibkübel zahle, ist ja sowieso einerlei…

Der Bürger als ewige Melkkuh – auch fürs Krisengeld?

Böse Zungen würden ja behaupten, die Regierung finanziere sich die Krise sehenden Auges, indem sie den Souverän anzapft. Dieses Gefühl beschleicht einen aber nicht nur bei überzogenen Strafen wegen Vokabellernens auf Parkbänken, sondern auch bei den Wortmeldungen des grünen Junior-Partners. Denn von seiner „ökologischen Umschichtung des Steuersystems“ will Vizekanzler Kogler natürlich nicht abrücken. Und es blieb nicht der einzige Winkelzug des Grünen-Chefs und seiner eigenen „speziellen Bedürfnisse“.

Denn just in der Karwoche ersann Kogler die Einführung einer Erbschaftssteuer. Diese brachte vor ihrer Abschaffung zwar nur etwa 150 Millionen Euro im Jahr ein und würde die Corona-Ausgaben kaum decken. Wir hätten aber die absurde Situation, dass der Kanzler Steuergelder quer über den Globus vers(p)endet, während sein Vize das Geld wiederholen will, indem er neben wirklich Reichen auch Leute zur steuerlichen Kasse bittet, welche die „Millionen-Erbschaft“ eines Bauernhofs vom coronatoten Großvater übernehmen müssen. Es ist wohl die Solidarität, die sie meinen…

Zeit der Einkehr für Gedankenanstoß nutzen

Allerdings ist ja Ostern bekanntlich auch eine Zeit der Einkehr. Und vielleicht dämmert es manchen Leuten beim Spaziergang zum nahen Marterl, wie durchdringend uns unsere Regierung eigentlich veräppelt. Vielleicht nützen sie die Zeit, welche sie nicht bei ihren Liebsten verbringen können, gar zu selbständiger Lektüre und kommen drauf: es ist nicht alles Gold was glänzt, und dieser Umstand gilt auch für die Heiligenscheine der Regierung. Denn die Krise wird vorbei gehen, die geliebten und schmerzlich vermissten Traditionen werden in anderen Jahren zurückkehren – aber auch die nächste Wahl kommt bestimmt.