Das Bild auf den Straßen hat sich gewandelt. Die Maßnahmen der Regierung sind bei vielen – aber nicht allen Menschen angekommen. Während das Leben für viele in Zeitlupe zu verlaufen scheint und bei meinem Supermarkt eine Sicherheitskraft überwacht, dass nicht zu viele Personen gleichzeitig im Geschäft sind, feiern andere noch Party. Mein gesamter Bekanntenkreis ist verunsichert. Wir wissen kaum etwas über das Virus, obwohl die Mehrheit laut einer Umfrage gut informiert sein will. Auf Basis der spärlichen Daten fällt es manchen schwer, zu einer vernünftigen Risikoeinschätzung für sich, seine Familie oder auch die gesamte Gesellschaft zu kommen.

Ein Tagebucheintrag von Willi Huber

Der Freitag war der fünfte Werktag, den viele Österreicher mit ihren Familien in „freiwilliger“ Heimquarantäne verbrachten. Tatsächlich bemerkt haben die meisten Österreicher vom Corona-Virus und den daran erkrankten noch nichts. Das macht die Einschätzung der tatsächlichen Gefahr so schwierig für den Einzelnen. Wäre es eine Pandemie, wo Menschen sichtbare Symptome aufweisen oder gar auf den Straßen zusammenbrechen, fiele es manchen wohl leichter, sie ernst zu nehmen. Man darf es niemandem verübeln, nur Dinge als wahr einzuschätzen, welche sie selbst sehen oder gar spüren können.

Das Problem der Spielplätze

Von den Medien noch kaum wahrgenommen wurde das tatsächliche Problem der Spielplätze. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um einen großen Spielplatz oder Park der Stadt handelt oder um kleinere Anlagen der Wohnbaugenossenschaften. Überall tummeln sich Mütter und Väter mit ihren Kindern. Verständlich, zu Hause fällt einem die Decke auf den Kopf, Kinder haben Bewegungsdrang, draußen hatte es gestern sonnige, frühlingshafte 20 Grad. Trotzdem ist der Aufenthalt am Spielplatz mehr als bedenklich. Sollte doch jemand infiziert sein, wird es wohl auch jeder andere, der dieselben Geräte benutzt. Desinfiziert wird dort nichts, während Kinder bekanntlich gerne alles angreifen und auch mal in den Mund stecken. Und es ist auch nicht hilfreich, dass dort Kinder verschiedener Familien ausgelassen miteinander herumtollen, während die Eltern in Gruppen zusammenstehend miteinander plaudern.

Warum feiert die künftige Elite sorglos Party?

Aus Linz wurden mehrere Studentenpartys bekannt, die völlig rücksichtslos noch in der Zeit der Maßnahmen stattfanden. Zu Recht stellten viele die Frage, was mit unserer künftigen Bildungselite los ist. Warum sich Menschen, die eigentlich klug und belesen sein sollten völlig sorglos verhalten. Vielleicht liegt es auch daran, dass man in den westlichen Nationen zu oft belogen wurde. Selbst jene, die sich für politisch „links“ halten, wissen genau, dass die wenigsten Informationen in Massenmedien der Wahrheit entsprechen. Alles, vom Sport über Wissenschaft bis hin zur Weltpolitik ist ideologisch nach dem gefärbt. Manche Themen werden nur zu gerne dramatisiert, andere abgeschwächt. Dies hat über Jahrzehnte dazu geführt, dass man Medien zwar konsumiert, ihnen aber nicht mehr glaubt.

Wurden wir zu oft belogen, um noch etwas zu glauben?

Sowohl die Regierungen als auch die Medien haben zu oft verschleiert, verheimlicht oder auch offen gelogen. All dies ist im Hinterkopf der Menschen verankert, egal wo sie sich selbst ideologisch zuordnen. Kann es auch daran liegen, dass man die Corona-Krise nicht ernst nimmt, Aussagen von Medien und Regierungen wenig Glauben schenkt? Es gibt da den alten Sinnspruch „wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“. Und tatsächlich wird auch jetzt, angesichts der Pandemie, immer noch gelogen, dass sich die Balken biegen. Das gesamte Ausmaß der Lügen in Tirol offenbart sich Tag für Tag mehr. Die Regierungskommunikation bestand ab der ersten Wortäußerung aus Teilwahrheiten.

Weshalb werden wir auch jetzt noch weiter belogen?

Zuerst wurde beschwichtigt, das Problem wäre weit weg, betrifft Österreich nicht. Dann war es da und es hieß, es gäbe keine Ausgangssperren. Dann verkaufte man die Bevölkerung für besonders dumm und erklärte ernsthaft, die Maßnahmen wären erst einmal nur für ein bis zwei Wochen notwendig. Jetzt erklärt man, die Wirtschaft werde die Phase schon überleben, während weltweit die Börsen krachen. All dies lässt nur zwei Schlüsse zu. Entweder sind viele handelnden Personen nicht besonders intelligent oder sie verfolgen den Weg, die Bevölkerung absichtlich zu belügen. Bei jenen, die gerne selbst denken und diese Unwahrheiten in dem Moment durchschauen, in dem sie geäußert werden, ist dies nicht geeignet, besonderes Vertrauen zu schaffen.

Nur Herrn Kurz glaubt man alles

Und dennoch ist Super-Basti für viele der Held. Das ist besonders befremdlich, denn bei all den oben beschriebenen Zweifeln der Menschen vor offiziellen Informationen zweifelt kaum jemand an Sebastian Kurz. Einem 33-jährigen ewigen Jüngling ohne nennenswerte Ausbildung, ohne die Ausstrahlung eines selbstbewussten, starken Anführers. Ich gehe auch fix davon aus, dass Sebastian Kurz und die ÖVP bei der nächsten Wahl mit der absoluten Mehrheit ausgestattet werden. Sollten die Grünen auch nur im Mindesten Zweifel oder Kritik äußern, wird er wie zweimal zuvor die Regierung zerbrechen lassen. Die Mehrheit scheint trotz Ischgl, trotz seiner Informationspolitik äußerst zufrieden mit ihm zu sein. Es ist nach heutigem Stand der Dinge völlig unvorstellbar, dass all dies einen anderen Ausgang nimmt als die Alleinherrschaft der ÖVP. Als konservativ eingestellter Mensch wünscht man sich dem gegenüber zumindest eine klare Linie der wichtigsten Oppositionspartei, der FPÖ.

+ + +

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, könnte Sie auch folgender „Wochenblick Corona-Tagebucheintrag“ interessieren: Hier klicken, um alle Einträge zu sehen!

+ + +