Der Bürgerkrieg, der seit 13. Juni im französischen Dijon tobt, ist schlimm genug. Besonders erschütternd muss für Bürger einer europäischen Demokratie aber der Umgang der Medien mit den Sachverhalt erscheinen. Für den öffentlich-rechtlichen ORF gibt es zu der Stadt in Burgund nach wie vor nur alte, launige Berichte über Senf und Wein. Die Krone berichtete zunächst von „etwa 150 Jugendlichen, korrigierte sich später. Und auf NTV würden – verkürzt – Tschetschenen die Bewohner Dijons angreifen. Einmal mehr zeigt sich – wer ungefilterte Information will, muss zu den alternativen Medien kommen.

Auf Anfragen via Twitter, weshalb man nicht berichtet, erfolgte bislang keine Auskunft. Der ORF verweigert das Thema sogar intensiver als deutsche öffentlich-rechtliche Medien (siehe Screenshot). Das ZDF berichtet verhalten von „Ausschreitungen in einem Vorort„, die ARD scheinbar gar nicht. Zum Deutschlandfunk ist inzwischen durchgedrungen, was der Wochenblick schon gestern berichtete: Dass Spezialeinheiten nach Dijon entsandt wurden, um die Ordnung wieder herzustellen. Dort berichtet man so kurz und knapp wie möglich.

Verharmlosung der heftigen Unruhen

Fast niedlich sind Aussagen auf NTV, wo man in Deutschland am ausführlichsten zu berichten scheint: „Die Polizei vermutet, dass auch Drogen eine Rolle spielen“. Immerhin nimmt man dort „Dutzende Vermummte mit Maschinengewehren“ zur Kenntnis. Nicht ohne festzuhalten, dass „Rechtspopulisten ihre Chance wittern würden„.

Sprachregelung verschleiert reale Geschehnisse

Dass es sich um einen bewaffneten Bürgerkrieg zwischen Menschen aus Nordafrikanischen und der Tschetschenischen Ethnie handelt blendet man weitgehend aus. Die Sprachregelung lautet entweder „Bewohner von Dijon“ oder „Bewohner mit nordafrikanischen Wurzeln“. Die Kampfhandlungen, die zum Teil mit Sturmgewehren ausgetragen werden, wollen nicht in das mühsam aufgebaute Bild der angeblich friedlichen „BlackLivesMatter“ Bewegung passen.

Schwarzafrikaner mit Waffen, die wild um sich schießend durch eine französische Stadt laufen, wo sich kein einziger Einhemischer mehr auf die Straße traut, wären ein harter Kontrast zu Weißen, die Schwarzen die Stiefel küssen oder ein Staatsbegräbnis im goldenen Sarg.

Bevölkerung durch Kampfhandlungen traumatisiert

Unsere „Haltungsmedien“ tun sich in Ländern in denen die Landessprache weder Deutsch noch Englisch ist besonders leicht dabei, Nachrichten zu verkürzen oder ganz zu verschweigen. Kaum ein Österreicher macht sich die Mühe, Nachrichten auf Französisch zu konsumieren. Dort würde man erfahren, dass der Innenminister den Ort besucht hat und eine „entschlossene Antwort“ versprach.

Viel interessanter ist aber vermutlich der Zwischentitel, dass die „Bevölkerung durch die Ereignisse traumatisiert ist“. Man wirft der Polizei auch vor, zunächst nichts getan zu haben. In den Vororten befürchtet man ein Übergreifen der Gewalt. Bitten der Polizei um Verstärkung wurden bislang nicht gehört. In Chenôve brannten in der Nacht auf Dienstag bereits achtzehn Fahrzeuge.

Auseinandersetzung zwischen moslemischen Ethnien

Im YouTube-Video der französischen Zeitung „Le Parisien“ kann man in der Tonspur auch diverse „Allahu Akbar“ Rufe hören. Diese beschränken sich aber nicht nur auf eine Konfliktpartei, denn sowohl die Tschetschenen als auch die Nordafrikaner sind weitgehend mohammedanischen Glaubens.

Liest man vielleicht noch „Daily Sabah“, eine französische Zeitung die für mohammedanische Minderheiten berichtet, erfährt man, dass die Tschetschenen Truppen aus Deutschland und Belgien rekrutiert haben, um ihre nordafrikanischen Widersacher anzugreifen.

All das sind Hintergrundinformationen, deren Recherche man den mit Milliardenbudget ausgestatteten ORF wohl nicht zumuten kann. Schon ORF-Watch stellte gestern fest, dass das Thema für den mit Zwangsgebühren finanzierten Sender nicht existiert.

Aktualisierung (17. Juni 2020 15:00 Uhr): Nach tagelangem Druck alternativer Medien entschied sich der ORF dann doch noch, über die Unruhen in Frankreich zu berichten – nach vier Tagen und ganz kurz in einem 80-Sekunden-Beitrag. Wochenblick-Leser waren früher informiert – und zwar ausführlich.