Die Frau, welche Haltungsmedien als „Deutsche aus Bremen“ bezeichnen, erklärte dem Gericht, dass die vom Arbeitsamt geförderte Ausbildung zur LKW-Fahrlehrerin ein positives Zeichen gewesen wäre. Sie hätte sich entschieden, nicht nach Syrien auszureisen um den IS zu unterstützen. Ihr LKW-Fahrlehrer erzählte dazu eine ganz andere Geschichte. Das Gericht wertete die zahllosen Beweise gegen die Terrorbraut als erdrückend. Ob die Strafe von 5 Jahren und 9 Monaten wirklich „besonders hart“ wäre, möge der Leser beantworten. Wochenblick hat die Fakten recherchiert.

Die 41-jährige „Bremerin“ Söngül G. tritt vor Gericht stets in einen Hidschab verhüllt, und mit Kopftuch auf. Ihre Verteidigung versuchte sie auf einer Opferrolle aufzubauen. Sie hätte die schreckliche „Islamhetze“ in Deutschland nicht mehr ausgehalten. Außerdem habe sie viel darüber gelesen, was ihren armen Glaubensbrüdern in Syrien schreckliches widerfahren würde. Ihr Verteidiger ist ebenso kein unbeschriebenes Blatt. Martin Heising ist ein konvertierter Moslem, der häufig Frauen vertritt, denen IS-Unterstützung zur Last gelegt wird. Zudem arbeitet er für die Organisation „Muslime an deutschen Schulen“ und hilft dabei, „den Islam konsequent umzusetzen“. Er forderte den Freispruch für seine Mandantin.

Tatsächlich dürfte die Frau mit dem türkischen Vornamen weniger friedliche Pläne gehabt haben. Im Jahr 2016 erklärte sie sich dazu bereit, einen nach Deutschland einreisenden IS-Attentäter zu heiraten. Zudem registrierte sie unter einer falschen Identität eine Mobilnummer um damit Accounts bei Sozialen Medien anzulegen. Ihre Komplizin Marcia M., der sie die Accounts überschrieb, plante aus Rakka aus einen Terroranschlag auf einen Großevent in Deutschland.

Söngül G. suchte ein „Ventil für ihre Wut“

Agenten des Verfassungsschutzes kamen auf die Spur der beiden IS-Bräute. 2017 wurde eine Hausdurchsuchung angeordnet und schreckte Söngül G. auf. Sie spricht von einer Läuterung, da sie danach eine Ausbildung als LKW-Fahrlehrerin in Hamburg begonnen hätte. Der Lehrgang wird vom Arbeitsamt finanziert, was dem Sachverhalt eine ganz besondere Note gibt.

Die Frau konvertierte erst im Jahr 1999 zum Islam. Sie hat drei Kinder von drei verschiedenen Vätern. Ab 2015 beschäftigte sie sich laut Auskunft der Ermittlungsbehörden intensiv mit Propagandavideos des IS. In einer islamistischen Chatgruppe lernte sie Marcia M. kennen. Mit ihr gemeinsam träumte sie vom Leben im Kalifat. Ungläubigen wünschte man „den Tod“. Es gibt Chatprotokolle, in denen Söngül schreibt, sie würde den „Ungläubigen“ welche sie anstarren „am liebsten an die Gurgel gehen“. Sie bräuchte ein Ventil für ihre Wut.

Wollte Kinder ins Kriegsgebiet mitnehmen

So plante sie ihre Ausreise nach Syrien und überlegte, wie es möglich wäre, das deutsche Kindergeld auch dort in Anspruch zu nehmen. Ihre Kinder im Alter von zwei, acht und sechzehn Jahren wollte sie in das Kriegsgebiet mitnehmen. Dabei wusste sie laut dem Gericht genau über die Zustände in Syrien Bescheid. Sie war im Besitz von Videos, wo Kinder IS-Gefangenen den Kopf abschneiden oder ins Gesicht schießen mussten. Die Ausreisepläne scheiterten wohl nicht an ihrer spontanen Läuterung sondern an der Tatsache, dass die Behörden 2018 eine Ausreisesperre über sie verhängten.

Schlussendlich halfen alle Ausflüchte nichts, die Frau wurde zu 5 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt. Wieviel davon zur Bewährung ausgesetzt ist, wurde nicht veröffentlicht. Der Vorsitzende Richter begründete sein Urteil, das über die Strafforderung der Staatsanwaltschaft hinausging, laut Bild-Zeitung wie folgt: „Eine ernsthafte Abkehr der Angeklagten vom IS hat nicht stattgefunden. (…) Die Angeklagte wollte mithelfen, den Terror nach Deutschland zu bringen. (…) Die Angeklagte war bereit, ihren fanatischen Glauben über das Wohl ihrer Kinder zu stellen.“ Die Frau befand sich bereits nahezu ein Jahr in Untersuchungshaft. Über die Rechtskraft des Urteils ist nichts bekannt.