Die Glaubwürdigkeit der Regierung sinkt immer weiter. Von anfänglichen 80–90 Prozent Zustimmung zu den Corona-Maßnahmen im Frühjahr finden sich jetzt nur noch (je nach Umfrage) zwischen 40–50 Prozent an Österreichern, die der Regierung ein gutes Zeugnis ausstellen.

Ein Kommentar von Redaktionsleiterin Elsa Mittmannsgruber

Unrealistische Propaganda

Das deckt sich auch mit einer jungen Umfrage auf „heute.at“, aus der hervorging, dass sich die Hälfte der Österreicher wenig oder gar nicht an die Corona-Maßnahmen halten. Wie also Sebastian Kurz und seine Berater auf die irrwitzige Idee kommen, dass sich 70 Prozent aller Österreicher freiwillig impfen und im Zuge der Massentests testen lassen wollen, kann man sich schwer erklären.

Wohlgemerkt: Bei Abzug von Kindern und Jugendlichen würde das bedeuten, dass sich beinahe jeder Erwachsene impfen und testen lässt. Mit Impfungen, deren Risiken noch nicht abschätzbar sind. Mit Tests, die völlig unsichere Ergebnisse liefern und die Aussicht auf Quarantäne über Weihnachten. Viel eher könnte man vermuten, dass diese angeblichen 70 Prozent Teil der Propaganda sind im Sinne von „alle machen es, nur du bist so asozial“.

Erst Erpressung, dann Zwang

Immer offensichtlicher wird der moralische Druck aufgebaut. Mit Werbekampagnen, Pressekonferenzen und Fernsehinterviews soll die Bevölkerung mobilisiert werden. Die Botschaft: Nur, wenn du dich testen lässt, wird kein „Dauerlockdown“ bis zum Sommer verhängt. Nur, wenn du dich impfen lässt, können wir irgendwann wieder „zurück zur Normalität“. Und jeder, der verweigert, macht sich schuldig am Tod von Menschen und der Wirtschaft. Und wenn das alles nicht hilft, kommt der Zwang.

Doch die Leier wird bald langweilig. Wir wissen ja, dass ohnehin die „Ultima ratio“ kommt. Davor soll immer wieder der Schein von Freiwilligkeit aufgebaut werden, um dann wieder sagen zu können: ihr wart alle nicht brav, jetzt werdet ihr bestraft. Und so wird weiter der Hass gegeneinander innerhalb der Bevölkerung geschürt, weil sich die Menschen gegenseitig die Schuld geben. Bleibt der Obrigkeit, zu hoffen, dass dieser Hass nicht umschlägt und sie selbst mit voller Wucht trifft.