Freizeitprogramme, für die man keinen 3G-Nachweis benötigt, boomen in Oberösterreich. Dazu gehören Ausflüge in die Natur, aber auch der Besuch von Freiluftausstellungen, wie die noch bis Oktober laufende Skulpturenschau „Märchen, Mythen & Sagen“ im Kurpark von Bad Hall.

Von Kurt Guggenbichler

An den Wochenenden sei man bislang locker auf jeweils etwa 4.000 bis 5.000 Besucher gekommen, schätzt Hans Peter Holnsteiner, der diese spezielle Familienschau für die Stadtgemeinde Bad Hall organisierte.
„Wir haben hier an die 60 Objekte von 40 Metallgestaltern aus dem deutschsprachigen Raum“, sagt er bei einem Rundgang durch die Parkanlage, die zurzeit wie ein Märchenwald wirkt. Zu jedem Objekt erzählt Holnsteiner oder der jeweilige Erklärer auch eine kleine Geschichte, die das Kunstwerk erklärt und die Fantasie der großen und kleinen Besucher beflügelt.

Figuren aus Märchen und Mythologie

Welcher Mythos verbirgt sich beispielsweise hinter der Skulptur des springenden Esels, an dem gerade eine junge Frau steht, die ihre beiden Hände aufhält? „Dabei handelt es sich um den Goldesel aus der Tischlein-deck-dich-Geschichte der Gebrüder Grimm“, informiert Holnsteiner. Geschaffen hat das ins Auge fallende Ausstellungsstück ein Oberösterreicher, nämlich der Kunstschmied Gerald Flößl, ein gebürtiger Steyrer. Das „Totenschiff Naglfar“ hämmerte sich Daniel Grasserbauer aus Bad Zell zurecht, den „Drachen Stanislaus“ schufen Franz Ziehaus und Gernot Postl aus dem Piestingtal und das Liebespaar „Romeo und Julia“ ist ein Werk des Ansfeldner Mettalldesigners Franz Öllinger.
Das Highlight dieser Skulpturenschau ist für Holnsteiner aber der „Fischreiter“ von Günther Fahrner aus Wesenufer. Fische hätten die Gewohnheit, bei Vollmond an Land zu gehen. Doch da ihnen die Trockenheit bekanntlich nicht gut bekomme, käme es immer wieder vor, dass sie bei dem einen oder anderen Bauern ein Pferd entwendeten, um so wieder schneller zum Wasser zu gelangen, erzählt Fahrner die Geschichte zu seiner Märchenskulptur.

Lange Schmiedetradition in Bad Hall

„Wieland der Schmied“ ist ein Werk des deutschen Metallkünstlers Rüdiger Schwenk, der seiner Figur aus der deutschen Heldensage das Konterfei des deutschen Schauspielers Heinz Hoenig verpasste. Hoenig stammt aus Harlingerode bei Goslar, wo der TV-Star einst das Schmiedehandwerk erlernte. Nach Holnsteiners Kenntnis soll der Schauspieler am „Wieland“ sogar mitgearbeitet haben.
Bad Hall ist ein Ort mit langer Schmiedetradition, was die örtliche Geschichtsforschung aber erst sehr spät herausgefunden hat. So hätte es beispielsweise im 16. Jahrhundert im Sulzbachtal eine Schmiedewerkstatt gegeben, in der als Auftragsarbeit 200.000 Hellebarden für die Türken hergestellt worden seien.
Um diese hohe Stückzahl relativ rasch fertigen zu können, hatte der Meister den Herstellungsprozess automatisiert, indem er mehrere Leute mit jeweils genau festgelegten Handgriffen an der Herstellung der Hellebarden arbeiteten ließ, informiert Holnsteiner.
Daher ist der Bad Haller Kurpark auch schon Freiluftausstellungsraum für Produkte von Schmiedearbeiten wie beispielsweise „Türen und Tore“ oder auch für „Wetterhähne“ gewesen.

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