Der heimische Medienmarkt verfügt nicht wirklich über Waffengleichheit – das ist eine Binsenweisheit, die jedes Kind bereits lernt. Die Mainstream-Medien profitieren teilweise mit Millionensummen aus der öffentlichen Hand, werden bevorzugt zu Mauscheleien mit dem Kanzler eingeladen – und das, obwohl oft kein Blatt Löschpapier zwischen ihre Berichterstattung passt. Jetzt ist zwischen ihnen eine Neiddebatte über Inserate ausgebrochen. 

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Man stelle sich die lebensnahe Situation vor, dass ein Spitzenmanager sich über den Reichtum eines Industrie-Millionärs beschwert und gleichzeitig dem Arbeiter weismachen will, dass der kleine Greisler von nebenan sich an seinem Geld bereichert. Ungefähr so verhält sich seit Jahren die Debatte um Medieninserate in Österreich.

Inserate: Gut im Mainstream, böse bei freien Medien?

Diese ist nun um ein skurriles Kapitel reicher, denn einige mit hunderttausenden Euros bedachten Regionalmedien, die sich noch vor nicht allzu langer Zeit botmäßig über Kleinstsummen an Inseraten in patriotischen Medien aufregten, kritisieren nun die Millionensummen, welche der Boulevard erhält.

Es fühlt sich für einen Redakteur eines aufstrebenden Mediums wie gestern an, als man sich echauffierte, dass sämtliche Alternativmedien in anderthalb Jahren einer blauen Regierungsbeteiligung sage und schreibe 116.000 Euro an Inseraten ausfassten. Für die SPÖ war dies ein Grund, Werbeschaltungen bei freien Medien wie Wochenblick verbieten zu wollen.

Ein Jahr zuvor skandalisierten sie bereits, dass patriotische Medien aus einem 40.000-Euro-Topf für Google-Werbung sage und schreibe 31,90 Euro erhielten. Dieser Umstand ist umso kurioser, als in den letzten Jahren mehrere Erhebungen feststellten, dass unser Medium bei der Facebook-Relevanz zeitweise sogar die Boulevard-Medien überflügeln konnte.

Neiddebatte auf hohem Niveau der Begünstigung

In beiden Fällen waren Regionalmedien wie die Salzburger Nachrichten, die OÖN, die Vorarlberger Nachrichten oder die TT nur unter „ferner liefen“ zu finden. Letztere skandalisierten trotzdem die vergleichsweise geringe Summe an Inseraten, die der Wochenblick ausfasste. Nun jammern sie an der Seite ihrer Kollegen über den begünstigten Boulevard. Sie unterstützten für diesen Nachweis sogar eine Studie.

Die OÖN beklagen dabei, dass sie von Anfang 2018 bis Mitte 2019 „nur“ knapp 870.000 erhielten, während „Boulevard- und Gratiszeitungen“ wie Krone, Österreich und Heute richtig absahnten. Diese erhielten zusammen über 20 Millionen Euro und ein Drittel der gesamten Summe, die Krone ist mit 8,2 Millionen einmal mehr der Branchen-Hamster. Im Online-Bereich wäre die Verteilung noch unüberschaubarer – jo, eh.

Unkritischer Mainstream will Geldregen beanspruchen

Freilich haben die Regionalmedien damit recht, dass dies im Hinblick auf Leserzahlen eine disproportionale Verteilung ist. Und ebenso richtig ist die Feststellung eines zitierten Politikwissenschaftlers, dass eine „ausgewogene regionale und soziale Verteilung beim Einsatz von Steuergeld zur Kommunikation“ ein lobenswerterer Ansatz wäre. Nur hört man zwar die Worte, einzig der Glauben fehlt.

Denn man weiß: Medien, die ohne öffentliche Zuwendung kaum überlebensfähig wären, wollen den Geldsegen nur für sich selbst – und nicht für die kritische Gegenöffentlichkeit. Und es stellt sich natürlich die Frage: Wenn Medien in einer Zeit, als dem Mainstream im deutschsprachigen Raum die Abonnenten davonlaufen, vorwiegend auf die Gunst der öffentlichen Hand bauen – wie unabhängig und kritisch können diese überhaupt noch sein? 

Regierung erkauft sich Corona-Hofberichterstattung

Als im Frühjahr nach undurchsichtigen Kriterien eine „Corona-Sonderförderung“ ausgeschüttet wurde, widmete sich der Wochenblick in der Printausgabe 15/20 der Frage nach den begünstigten Medien schwerpunktmäßig. Dabei zeigte sich: Gerade jene Medien, die besonders stark profitierten, betrieben besonders schamlose Propaganda für die türkis-grüne Regierung und ihr Corona-Regime.

Kurz war plötzlich der staatsmännische „Krisenmanager“, Anschober wurde zu „Minister Cool“ und in Kolumnen lobhudelte man ungenierter als im mittelalterlichen Minnesang. Sogar der mit Zwangsgebühren finanzierte ORF zog damals mit der Jubelstimmung mit und forderte in Radio Wien die Schüler auf, zur Hausübung Bilder von Mitgliedern der Koalition zu malen. Ja, in Österreich und nicht in Nordkorea. 

Wochenblick bleibt auch ohne Geldregen kritisch

Diese erste Tranche an Medien-Hilfen wurde damals übrigens so chirurgisch genau abgestimmt, dass diverse kritische Blätter auf der linken und rechten Seite bis auf einen feuchten Händedruck leer ausgingen. Wir beschwerten uns damals nicht, sondern stellten stoisch fest, dass dies wohl auch eine Bestätigung für unseren kompromisslosen Weg ist, immer das zu schreiben, was andere verschweigen. 

Während die Mainstream-Blätter – ob Boulevard-Medien, sogenannte „Qualitätsblätter“ oder Regionalmedien – weiterhin den Einheitsbrei aus den Pressekonferenzen predigen, konnte sich der Wochenblick umso mehr als starke kritische Stimme positionieren und etablieren. Die Leser danken uns dafür, für viele Maßnahmen-Kritiker sind wir die erste Anlaufstelle. Folgerichtig konnten wir unsere Online-Zugriffe auch in diesem Jahr maßgeblich steigern.

Es gibt in dieser Krise fast keinen Widerstand in den Medien – außer beim Wochenblick. Wenn Sie unsere gerade Linie schätzen, freuen wir uns, wenn Sie uns mit einem Abonnement unterstützen. Vom unverbindlichen Schnupper-Abo zum kennenlernen bis zur fördernden Club-Mitgliedschaft mit vielen exklusiven Vorteilen ist für jede Geldbörse das richtige Angebot dabei.