Kontakt zur Polizei steht für eine Zeitung an der Tagesordnung: "Wochenblick"-Redakteur Philipp Fehrerberger mit LPD OÖ-Sprecher und "Twitter-Cop" David Furtner.

Seit über einem Jahr ist die oberösterreichische Polizei verstärkt auf Twitter aktiv, zwitschert Herzerl und Bussis. Aber nicht nur das – aktuelle Geschehnisse lassen sich über den Kurznachrichtendienst deutlich schneller und effizienter an die Öffentlichkeit bringen.

Der „Wochenblick“ hat bei der Landespolizeidirektion Oberösterreich (LPD OÖ) vorbeigeschaut und sich die Medienarbeit der Polizei etwas genauer angesehen.

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Schnellere Informationswege

Eine gute Mischung aus Humor, „Action“ und Ernsthaftigkeit: Neben Meldungen über Demonstrationen oder aktuellen Bedrohungen reihen sich Bilder von jungen Polizeischülern, coolen Hubschraubereinsätzen und Kuh- und Katzenrettungen.
In Österreich sticht die OÖ-Direktion ganz besonders mit ihren „Schmähs“ heraus.

Verantwortlich für das muntere Treiben sind LPD-Sprecher David Furtner und sein Kollege Clemens Lehner. Im Gespräch erklärt Furtner, was der Anlass für den aktiven Twitterbetrieb war: „Grund ist unter anderem, dass international alle maßgeblichen Polizeieinheiten auf sozialen Netzwerken vertreten sind – einfach um etwa bei Großschadensereignissen die Bevölkerung schneller und direkt informieren zu können.“

Twitter & Co

Wir fragen uns: Wie sind denn die Rückmeldungen aus der journalistischen und polizeilichen Kollegenschaft oder aus Bevölkerung? „Fast ausschließlich gut!“, bestätigt Furtner. „Die Vorteile liegen ja auf der Hand: schnelle, transparente und vor allem richtige Information von jener Stelle, der knapp 90 Prozent der Bevölkerung vertrauen.

Auf Twitter folgen uns bereits 4.004 Personen, auf Facebook rund 10.000. Einige wenige aus der Kollegenschaft hatten anfangs Schwierigkeiten mit der verwendeten Sprache – aber selbst die ganz Kritischen sehen das jetzt gelassener und freuen sich, wenn wir erfolgreich mit Twitter und Co kommunizieren.“

Humor im ernsten Alltag

Natürlich geht es auch darum, eine positive Außenwirkung zu erreichen, die Polizei mehr als den Freund und Helfer darzustellen, als der sie sich selbst sieht. Aber auch wenn Tierfotos besonders gut gehen, darf man die Ernsthaftigkeit nicht aus dem Auge verlieren. Doch wo zieht man genau die Grenze zwischen „kumpelhaft“ und ernst? „Diese Grenze ist ganz schwer auszuloten“, so Furtner weiter.

„Grundsätzlich ist es aber so, dass auch die Polizei in Sozialen Medien unterhalten darf! Mit Amtsdeutsch und ausschließlich negativen Nachrichten wird die Bindung von interessierten Lesern nicht gelingen.

In ruhigen Zeiten sei unterhalten erlaubt, damit in der Krise viele Abonennten dem Account der Polizei folgen. Dieses Umschalten von unterhaltsam auf ernst hätte die Pressestelle aber bereits mehrfach erprobt – erfolgreich. „Die Menschen vertrauen der Polizei“, so der Pressesprecher abschließend zum „Gezwitscher“.

Von der Tat bis zur Pressemitteilung

Viele Leser fragen sich beim Lesen von Artikeln: Wie funktioniert das genau in der Praxis, bis ein Fall von der Polizei als Pressemitteilung ausgesandt wird? Wer sucht aus, wer schreibt? Grundsätzlich leiten die Polizei-Inspektionen alle Akte an die Landespolizeidirektion weiter. Dort entscheidet der zuständige Chef vom Dienst (CvD), zu welchem Fall eine Pressemitteilung erscheint. Grundsätzlich besteht die Richtlinie, „brisante Fälle“ auf jeden Fall auszusenden – die Entscheidung fällt letztlich trotzdem der CvD selbst – oder in Absprache mit Kollegen.

Die oberösterreichische Landespolizeidirektion nennt im Gegensatz zu anderen Landespolizeidirektionen in Österreich in ihren Aussendungen auch fast immer die Nationalität von Straftätern. Das hält Furtner auch für wichtig: „Die Menschen sollen nicht das Gefühl haben, dass ihnen etwas verschwiegen wird. Wir versuchen, so viele Informationen wie möglich nach außen zu tragen.“