Die Zinslandschaft bleibt auch 2018 ein hartes Brot für konservative Sparer. In dem einen oder anderen Medium liest man von Dividenden als den neuen „Zinsen“. Die Spitze der EZB steht vor einem Umbruch und die Zeichen für eine zumindest sanfte Zinswende verdichten sich.

Finanz-Check von Dr. Herbert Samhaber

Rund um das Thema Zinsen und Dividenden wurde ich in letzter Zeit mit einigen Fragen konfrontiert. Diese möchte ich zu folgenden Kernfragen zusammenfassen und wie gewohnt meine persönliche Sicht der Dinge darlegen.

Wie lange noch niedrige Zinsen?

In den USA hat die Zinswende bereits vor einiger Zeit begonnen, in Europa bislang noch nicht. Europa orientierte sich normalerweise in der Vergangenheit mit etwas zeitlichem Abstand an Maßnahmen der USA. Ob und vor allem wann das in diesem Fall zutrifft, ist schwer abzuschätzen. Falls die Inflation nicht deutlich anzieht, gehe ich von einer moderaten Zinsensteigerung im Euroraum bereits heuer aus.

Den tatsächlichen Zeitpunkt kann Ihnen wahrscheinlich auch der scheidende EZB Präsident Mario Draghi nicht sagen. Nach seiner Regentschaft wird das Szenario Zinsanhebung eher wahrscheinlich, da die Dissonanzen in der EZB bereits deutlich zunehmen. Das bedeutet gemäß der Logik der Wahrscheinlichkeiten jedoch meiner Ansicht nach für mehrere Jahre niedrige Leitzinsen und niedrige Sparzinsen.

Entwertung geht weiter

Davon geht auch die Bankenlandschaft aus, wenn man sich ansieht welche niedrigen Fixzinssätze für Kredite für 20 Jahren und mehr vergeben werden. Die Staatshaushalte der Länder in der Eurozone werden kaum von heute auf morgen so saniert werden, dass sich die Staaten hohe Zinszahlungen für geliehenes Geld leisten können.

Dementsprechend ist die EZB gut beraten bei Zinsanhebungen Vorsicht walten zu lassen. Für Sparer bedeutet das: Die Entwertung von Sparguthaben geht weiter. Abzüglich Inflation und Steuern wird längerfristig ein Minus bleiben.

Sind Dividenden ein möglicher Zinsenersatz?

Bei Sparbüchern und Anleihen bekommt man in der Regel Zinsen. Aktuell sind diese Zinsen bekanntlich sehr niedrig. Als Aktienbesitzer hat man die Chance auf Dividendenausschüttung die deutlich höher als die aktuellen Sparzinsen ausfallen. Aktuell liegt die Dividendenrendite beispielsweise im DAX bei rund 3%. Die Investition in Aktien hat Sinn, wenn es die persönliche Finanzsituation und Risikoneigung zulassen. Man spricht bereits davon, dass Dividenden als „Zinsenersatz“ dienen.

Dabei darf man nicht vernachlässigen, dass Aktien starke Kursschwankungen haben können und eine andere Risikokategorie sind als z. B. Sparbücher. Von einem Zinsenersatz kann man also nur im übertragenen Sinn sprechen. Aber der Mangel an zinsträchtigen Investitionen lädt zu einem Blick über den Tellerrand ein.

Disziplin und Streuung

Wesentliche Punkte sind für mich Streuung auf mehrere Titel oder mittels Investmentfonds, Disziplin, langer Zeithorizont und selektive Anpassung. Breit gestreute Investments im Aktienbereich bergen Risiken, doch bieten sie historisch betrachtet langfristig gute Chancen zumindest die Kaufkraft zu erhalten.

Entscheidend sind für mich Disziplin und Streuung. Man kann auch einen Vermögensverwalter wie mich beauftragen, der die Investition betreut und anpasst.