Um – in kulinarischer Hinsicht – auch in Oberösterreich ein Leben wie Gott in Frankreich führen zu können, muss man das Land zwischen Inn und Enns nicht verlassen. Denn dieses Gebiet ist nicht nur erklärtermaßen schon seit 15 Jahren eine Genussregion, sondern sehr viel länger noch aus alter Tradition, wie auch die zum Besuch verlockenden Schlemmerangebote der nächsten Zeit erneut zeigen werden.

Eine Reportage von Kurt Guggenbichler

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Dass man zwischen dem böhmischen Massiv und dem Dachstein genussvoll zu leben versteht, ist keine Erkenntnis aus jüngster Zeit. Denn schon unsere Vorfahren haben gut gegessen, auch wenn es vielfach kaum sehr opulent war, was auf die Tische kam.

Denn während es in den heimischen Bauerngehöfen in punkto Ernährung meist karg und sparsam zuging und es auch noch große Unterschiede zwischen der einfachen Alltags- und der besseren Sonntags- oder Feiertagskost gab, tafelte man in den Häusern des Adels und der wohlhabenden Bürger bereits das Allerbeste: edles Wild, feine Fische, saftiges Fleisch.

Die unteren Stände ernährten sich vor allem von Erdäpfeln und Gemüse, die oft auch zu Suppen oder Breis verarbeitet wurden. Viel Brot und Schmalz haben die schwer arbeitenden Altvorderen ebenfalls konsumiert wie auch alle Varianten von Knödeln.

Der Schweinsbraten gilt mittlerweile als oö. Nationalgericht, zumindest seit sich auch die weniger betuchten Oberösterreicher Fleisch (wie auch Geflügel) zu leisten vermögen.

„Der Oberösterreicher liebste Kost sind Bratl, Knödel, Bier und Most“, heißt es daher nicht erst seit heute und diese alte Weisheit deckt sich auch mit der jüngsten empirischen Umfrage des Linzer IMAS-Instituts über die Ernährungsgewohnheiten unserer Landsleute, die überwiegend Fleischtiger sind, vor allem aber Genießer.

Schlemmen in Schärding

In der von Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger veranlassten und von Paul Eiselsberg durchgeführten Befragung geben fast zwei Drittel der interviewten Personen an, ein starkes Interesse an gutem Essen und guten Getränken zu haben.

Doch schon in früheren Zeiten galt für die meisten Leute, was der Mundartdichter Franz Höng einst über die Essgewohnheiten seiner Landsleute zu Papier gebracht hat: „‘s is a himmlische Kost, a Trumm Speck und a Most!“

Allein mit Speck und Most werden sich die Gäste, die in Schärding das Schlemmerfest besuchen, nicht begnügen müssen, avisiert Tourismusgeschäftsführerin Bettina Berndorfer: Denn auf dem Stadtplatz, in der Altstadt und im Schlosspark werden vom 5. bis 7. Juli kulinarische „Spezialitäten aus aller Welt“ offeriert.

Täglich ab 17 Uhr können sich die Besucher dort an mehr als 70 Ständen durch die Küchen dieser Welt schlemmen. Dazu werden nicht nur exotische Cocktails, sondern auch landestypische Getränke serviert – und vielleicht auch einige Schmankerl aus Oberösterreich?

Bauernschmäuse in Wels

Viele potentielle Schlemmerfestgäste würden sich dies laut Blitzbefragung zu Folge nämlich wünschen und im internationalen Kostangebot auch ein paar nationale Schmankerl finden wie arme Ritter, gebackene Mäuse, Schlickkrapferl, Schlosserbuben oder Katzeng’schroa.

Natürlich wird auch Exotisches gern gespeist, weil die Oberösterreicher keine Kostverächter sind und sogar ziemlich poetisch werden können, wenn es ums Essen gehe, wenn auch vorwiegend um heimisches, wie der ehemalige Landesbedienstete und Schriftsteller Fritz Lichtenauer schon beizeiten konstatierte.

Dabei verweist er auf weitere landestypische Schmankerl mit so ausgefallenen Namen wie Eierpflanzerl, Sitzbunkel, Semmelböller und vieles andere mehr… „Voi guad“ meint dazu eine junge Bäuerin aus der Nähe von Wels, die „bachene Mäus“ für ihr Leben gern isst, wie sie eingestand.

Kulinarik auf den Almen

Aber auch für guten Speck, Most und Kartoffelkäse könne sie sich begeistern. In dieser Hinsicht dürfte die junge Frau im Herbst beim Welser Genussfestival „Voi guad“ voll auf ihre Kosten kommen.

Denn am 20. und am 21. September werde sich die City in eine Genussstadt verwandeln, frohlockt Stadtmarketingchef Peter Jungreithmair: Bäuerliche Betriebe werden dort ihre Erzeugnisse zum Gustieren anbieten und Gastwirte werden an kleinen Kochplatzln „die Vielfalt der Küche unseres Landes“ demonstrieren.

Das wäre möglicherweise eine Kulisse nach dem Geschmack des Schauspielers Wolfgang Böck, eines Linzers, der auch dem Genuss zugeneigt ist, wie man weiß, weshalb er im Frühjahr auch zum oö. Genussbotschafter der Genusslandregion Oberösterreich ernannt wurde.

Genussmeile in Linz

Da der heutige TV-Star in seiner Jugend auch gern auf den Dachstein gewandert sei, wie er berichtete, würden ihm die in diesem Sommer veranstalteten Almkulinarik-Wochen in der Schladming-Dachsteinregion sicherlich gut gefallen.

Bei dieser vor der Haustür veranstalteten Genussdarbietung auf Hauben-Niveau kocht der TV-Herdkünstler Richard Rauch die Almwanderer ein. Zusammen mit neun Hüttenwirten aus dem steirischen Ennstal entwickelt er ein besonderes Almgericht, das dort den ganzen Sommer hindurch angeboten wird.

Dabei werden die Hüttenwirte authentische Gerichte nach traditionellen Rezepten verfeinert zubereiten, macht Tourismus-chef Mathias Schattleitner schon jetzt Appetit auf die Auftaktveranstaltung am 10. Juli auf der Brandlalm. Doch man muss nicht in luftige Höhen streben, um sich dem Genuss hinzugeben.

In der Woche vor dem Welser „Voi Guad“-Spektakel zieht man auch in den Niederungen von Linz kulinarisch blank und lädt am 13. und 14. September alle Genuss-Spechte dieses Landes zum Besuch der angeblich längsten Genussmeile Österreichs auf der Landstraße (vom Taubenmarkt bis zum Schillerpark) ein. Guten Appetit!