In Oberhausen im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen kam es in zeitlichem Zusammenhang zu einer Auffrischungs-Impf-Aktion in einem Seniorenheim zu üblen Komplikationen. Neben zwei Wiederbelebungen bestätigt die Ärztekammer Nordrhein nun auch den medial teilweise vertuschten Todesfall. Zudem sei jeder zehnte Impfling kurz nach seinem Drittstich „heftig erkrankt“. In einem aktuellen Schreiben, das dem Wochenblick vorliegt, will sie die Entscheidung über sogenannte „Booster-Impfungen“ mangels offizieller Empfehlungen nun den Ärzten selbst überlassen, rät diesen aber zu Geduld. 

  • Ärztekammer-Brief bestätigt Todesfall in Seniorenheim in Oberhausen
  • Keine Empfehlung für die niedergelassenen Ärzte zumindest in Mönchengladbach, solange STIKO & EMA kein grünes Licht geben
  • Ungeachtet des Vorfalls berät die STIKO weiterhin über eine Empfehlung des „Drittstichs“ in Deutschland
  • In Österreich wurde dieser hingegen bereits vom „Nationalen Impfgremium“ sowie von der türkis-grünen Regierung empfohlen – trotz fehlender EMA-Zulassung

Keine Empfehlung nach Vorfällen in Oberhausen

Wie Wochenblick berichtete, waren alle 90 Impflinge zuvor bereits doppelt geimpft. Die Mehrheit jener neun Personen, die nach dem Drittstich ärztliche Hilfe benötigten, leiden an teils schweren Vorerkrankungen. Laut dem Ärztekammer-Schreiben seien „kardio-pulmonare Probleme“ entstanden. Sprich: Beschwerden im Bereich von Herz und Lunge. Es seien bereits Meldungen an das Paul-Ehrlich-Institut, das Gesundheitsamt und die Kassenärztliche Vereinigung ergangen. Die notwendigen Untersuchungen würden laufen. Brisant ist auch die Bestätigung des Todesfalles, den etwa der WDR nach ursprünglicher Berichterstattung bald unter den Teppich zu kehren schien… 

Angesichts der Vorkommnisse sieht sich die Ärztekammer-Zweigstelle Mönchengladbach nun gezwungen, den dortigen niedergelassenen Ärzten von allzu großer Eile bei der Auffrischung abzuraten. Dabei verweist man explizit darauf, dass es derzeit „weder eine arzneimittelrechtliche Zulassung durch die EMA noch eine STIKO-Empfehlung“ gebe. Die Mediziner mögen daher „selber ärztlich entscheiden“, ob sie „nicht lieber auf die Zulassung oder Empfehlung warten wollen“ oder diese für so dringlich halten, diese auch ohne eine Empfehlung oder ordnungsgemäße Zulassung durchzuführen. Eine „Off-Label“-Impfung ist also gestattet, aber nicht empfohlen.

Nach Kindern & Schwangeren: Wann kippt STIKO diesmal um?

In Deutschland war die Ständige Impfkommission (STIKO) bislang bei der Empfehlung von Drittimpfungen noch zurückhaltend – im Gegensatz zu Politikern und Medien, die dafür kräftig die Werbetrommel rühren. Bereits bei der Empfehlung für 12- bis 15-jährige stieg die Impfkommission wochenlang auf die Bremse, ehe sie diese auf öffentlichen Druck trotz aller Bedenken freigab.

Vor dem Hintergrund, dass die STIKO allerdings am heutigen Freitag auch bei Schwangeren und stillenden Müttern weich wurde, ist ein Umfaller auch bei der Drittimpfung wohl nur eine Frage der Zeit. Denn die Beratungen zur Empfehlung, die laut Fachmedien bereits in der Vorwoche knapp bevorstand, laufen trotz den Vorfällen in Oberhausen offenbar ungehindert weiter. Diverse Kassenarzt-Vereinigungen drängten schon zu Monatsbeginn auf eine Empfehlung.

Österreich: Drittimpfung ohne Zulassung empfohlen

Ganz anders in Österreich: Dort empfahl das Nationale Impfgremium bereits im August die Auffrischungsimpfungen. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein bezeichnete die dritte Impfung sogar als „einen weiteren Schritt in unserem Plan für einen sicheren Herbst“. Diese Empfehlung gilt pikanterweise ausgerechnet für ältere Personen und Menschen mit Vorerkrankungen. Bundeskanzler Sebastian Kurz legte am Mittwoch nach, indem er den Drittstich als „absolut notwendig“ im Zuge seiner Corona-Strategie bezeichnete. 

FPÖ-Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak wies in der Folge darauf hin, dass es dafür gar keine Zulassung gibt. Dennoch würden ÖVP und Grüne „mit aller Kraft in die dritte Impfung“ drängen – und dies, ohne im Besitz von Daten zu Wirkung und Nebenwirkung zu sein. Er bezeichnete dieses Vorgehen als „grob fahrlässiges und unethisches Verhalten“. Die Bevölkerung habe „ein Recht auf ehrliche Information und auf eine aufgeklärte, freie Entscheidung“. 

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