Wovor Wochenblick bereits warnte, dürfte nun keine Hirngespinst ambitionierter Politiker mehr sein, sondern bittere Gewissheit werden. Der Lockdown in Deutschland wird wohl zumindest um drei Wochen verlängert. Andere denken bereits über ein Zusperren des öffentlichen Lebens bis zum Sommer nach. Und besonders arg: In sogenannten „Hotspots“ soll man sich künftig nur mehr 15 Kilometer von zuhause bewegen dürfen. 

Dabei gelten aber nicht einmal mehr Tagesausflüge oder ein Einkauf als Grund, sich weiter als 15 Kilometer von zuhause entfernen. Was sich nicht einmal auf dem geduldigsten Papier „großzügig“ anhört, heißt für viele Deutsche, dass sie wichtige Güter des täglichen Lebens nicht mehr erwerben können. Denn gerade in den neuen Bundesländern sind es oft viele Kilometer bis zum nächsten größeren Ort mit einer Auswahl an Geschäften.

In der Stadt und auf dem Land eingesperrt

Und genau dort befinden sich auch die meisten Landkreise mit den meisten Testpositiven. 30 Jahre nach der Wende werden also Millionen Ostdeutsche brutaler in ihrer Region eingesperrt als in der DDR und können vielleicht nicht einmal mehr in die nächste Stadt fahren. Aber auch für Großstädter ist dies ein Wermutstropfen – das nächste echte Naherholungsgebiet ist gerade in den Industriestädten in Nordrhein-Westfalen mehr als 15 Kilometer entfernt.

Millionen Deutsche könnten betroffen sein

Maßgeblich für die Erklärung zum Hotspot sind 200 positive Tests je 100.000 Leuten innerhalb von sieben Tagen. Damit drohen derzeit 85 Landkreisen und kreisfreien Städten, sprich mehr als jeder fünften bezirklichen Verwaltungseinheit, eine solche Maßnahme. Und in der Realität sind das dann noch weniger Fälle, als die statistische Grenze vermuten lässt.

Denn tatsächlich haben knapp 50 der 294 deutschen Landkreise und fast 40 der 107 kreisfreien Städte haben weniger als 100.000 Einwohner. Würde man die von der Schweiz umgebene Exklave Büsingen am Hochrhein einem Kreis gleichstellen, würden dort dafür bereits vier Fälle reichen. Ob es dabei bleibt, steht übrigens in den Sternen: Denn CDU-Kanzlerin Merkel wollte den Bewegungsradius schon ab 100 Testpositiven einschränken.

Neu ist das mit den magischen „15 Kilometern“ übrigens nicht: In Sachsen galt diese Grenze bereits seit Ende November für Sport und Freizeitaktivitäten. Nun kommt offenbar bundesweit sogar der tägliche Einkauf dazu. Wer besonders ländlich wohnt, ist also im Ernstfall – mitten im Winter – auf den Eigenanbau angewiesen.

Bis April, Juni, für immer – wie lange dauert Lockdown?

Aber auch für die restlichen Bundesbürger heißt es nicht wirklich Aufatmen. Denn, ob der Lockdown auch am 31. Jänner endet, ist unklar. Es mehren sich die Indizien, dass etwa das Finanzministerium schon Szenarien durchspielt, bei denen der Lockdown bis Juni dauert. Andere Quellen zitieren etwa einen Berliner Amtsarzt, der mit einem Ende nicht vor April rechnet.

Manchen freilich reicht nicht einmal das aus. So etwa der SPD-Gesundheitspolitikern Karl Lauterbach. Der empfiehlt nämlich einen „unbefristeten“ Lockdown – und zielt auf eine 7-Tage-Inzidenz von 25 ab. In bevölkerungsarmen Landkreisen wie Lüchow-Dannenberg, Wittmund oder Sonneberg und kreisefreien Städten wie Zweibrücken, Suhl oder Pirmasens wäre eine solche Schwelle bereits neun bis vierzehn positiven Tests erreicht…