Zuerst hieß es, Masken schützen nicht, dann wurde der Mund-Nasen-Schutz zum Allheilmittel und alle wurden dazu verdonnert ihn zu tragen. In ihrer Corona-Politik machte die Regierung eine Kehrtwende nach der anderen. Wir haben das Beste aus einem Jahr Corona gesammelt.

Der Lockdown

Im Frühjahr legte sich Österreichs Regierung auf die „Hammer und Tanz“-Strategie fest. Sie sieht vor, dass ab einem gewissen Anstieg der Fallzahlen ein Lockdown ausgerufen werden soll, der weitere Übertragungen bremsen soll. Dennoch dementierte Vizekanzler Werner Kogler noch am 3. Oktober vehement: „Wer behauptet, dass die Regierung noch im Oktober einen zweiten Lockdown plant, ist ein Fall für den Sektenbeauftragten.“ Am 11. Oktober zog Gesundheitsminister Anschober nach und erklärte, dass ein zweiter Lockdown „überhaupt nicht vorstellbar“ wäre. Am 31. Oktober kündigte Kurz den zweiten Lockdown für den 3. November an.

Die Masken

Im Februar erklärte der Bundeskanzler: „Es bringt nichts, mit Masken herumzulaufen, die einen ohnehin nicht schützen.“ Am 19. August erklärte Regierungsberater Dr. Franz Allerberger von der AGES im ORF: „Wir haben in Österreich bislang nicht nachweisen können, dass die Einführung der Maskenpflicht, die wir jetzt zweimal gehabt haben, irgendeinen Effekt hatte auf den Verlauf der Inzidenzen hatte (…).“ Am 14. Dezember erklärte Anschober im ORF, dass es nicht notwendig sei, „unter dem Christbaum“ eine Maske zu tragen. Absurd: Beim Einkaufen (mit Fremden, auf Distanz) muss dringend eine Maske getragen werden und beim engen Feiern mit zehn Personen aus verschiedenen Haushalten ist diese nicht notwendig?

Die Toten

Am 30. März versetzte Kurz die Österreicher in Angst und Schrecken, als er im ORF erklärte: „Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist.“ Dazu müsste es alleine in Österreich hunderttausende Tote geben. Bisher gelten rund 5.000 Todesfälle als Corona-indiziert. Das Gesundheitsministerium dazu in einer Fragebeantwortung: „Jede verstorbene Person, die zuvor positiv getestet wurde, wird in der Statistik als ‚Covid-Toter‘ geführt, unabhängig davon, ob sie direkt an den Folgen der Viruserkrankung selbst oder ‚mit dem Virus‘ (an einer potentiell anderen Todesursache) verstorben ist.“

Die zweite Welle

Am 6. Juni erklärte Anschober: „Ich bin sehr optimistisch, dass es in Österreich zu keiner zweiten Welle kommen wird.“ Am 1. September war Anschober dann „überzeugt davon, dass wir diese zweite Welle vermeiden können.“ Nachdem ab Herbst massenhaft in Österreichs Schulen getestet wurde, gingen die Fallzahlen stark nach oben. Am 13. September erklärte Bundeskanzler Kurz dann, dass Österreich „definitiv am Beginn einer zweiten Welle“ stehe.

Die Schulen

Bildungsminister Dr. Heinz Faßmann erklärte am 24. Oktober: „Es gibt keinerlei Absichten, nach den Herbstferien hier zu einem schulischen Schließen zu kommen.“ Am 17. November wurden die Schulen dann dennoch geschlossen. Im August erklärte Faßmann: „Eine Maske im Unterricht ist absurd und Kindern nicht zumutbar.“ Mittlerweile gilt die Maskenpflicht im Unterricht. Faßmanns Rechtfertigung: „Heute würde ich sagen: Es (Anm.: das Maskentragen) ist ein gelinderes Mittel als Schulschließungen.“

Die österreichische Wirtschaft

Sebastian Kurz läutete mit folgenden Worten am 13. Juni die Sommer-Urlaubssaison ein: „Nachdem wir die gesundheitlichen Folgen der Krise überstanden haben, müssen wir jetzt angesichts der Weltwirtschaftskrise die Konjunktur in Österreich wieder ankurbeln.“ Bis zur Wintersaison scheint Kurz jedoch kapituliert zu haben: Der für Österreich so wichtige Skitourismus soll dieses Jahr ausfallen.

Der Schutz der Risikogruppen

Am 22. Juli verteidigt Anschober die Wiedereinführung der Maskenpflicht: „Es geht um den Schutz der Risikogruppen“. Doch bis heute wurde keine Strategie zum Schutz der Pflegeheime vorgelegt. Infizierte Pfleger, die eigentlich in Quarantäne sollten, arbeiten zum Teil weiterhin in den Heimen aufgrund des Pflegekräftemangels. Die meisten Corona-Todesfälle stammen aus diesen Heimen.

Die Reisefreiheit

Am 24. Februar waren Grenzschließungen für den grünen Rudolf Anschober noch undenkbar: „Man kann keinen Glassturz über Österreich errichten.“ Mittlerweile ist eine (Wieder-)Einreise nach Österreich nur möglich, wenn eine 10-tägige Quarantäne vollzogen wird. So sind auch kurze Reisen ins angrenzende Nachbarland nicht rentabel. Der Flugverkehr wurde auf Geschäftsreisende und Warentransporte reduziert. Die Österreicher können sich weder im eigenen Land noch über dessen Grenzen hinaus frei bewegen: Österreich ist mittlerweile unter einem Glassturz.

Die Intensivbetten

Derzeit sind laut den Zahlen der AGES rund 51,9 % (Stand 18.12.: 548 Patienten) der extra für das Corona-Virus vorgesehenen Intensivbetten belegt. Es gibt in Österreich insgesamt über 2.500 Intensivbetten, weniger als die Hälfte davon ist für Corona-Patienten vorgesehen. Die reale Gesamtauslastung der Intensivbetten durch Corona-Fälle liegt demnach bei etwas über 20 %. Von einer Sprengung der Intensiv-Kapazitäten sind wir damit auch noch mitten im Dezember weit entfernt. In der Vergangenheit sah es oft schlechter aus: So drohte die Grippewelle 2012 die Kapazitäten von Österreichs Spitälern zu sprengen. Viele Patienten mussten damals in Gang-Betten verlegt werden.

Die „freiwillige“ Impfung

Erstmals am 31. Mai erklärte Sebastian Kurz: „Es wird keine Impfpflicht geben.“ Am 30. November erklärte Kurz auf die Frage hin, ob Anreize geschaffen werden, um Menschen zur Impfung zu bewegen: „Alles ist denkbar“. Denn „diesen Trend wird es international geben“ und er gehe davon aus, dass bei einigen Fluglinien künftig nur Geimpfte Tickets buchen können und andere Länder die Einreise an die Impfung knüpften. Die Impfpflicht soll so durch die Hintertür kommen.