Die EU setzt gerade Pläne für eine digitale Geldbörsen-App um, mit der Nutzer in der ganzen Union mit nur einer anerkannten Identität (ID) auf öffentliche und private Dienste zugreifen und ihre Dokumente hochladen können. EU-Digital-Kommissar Thierry Breton, definierte das sehr treffend: Die neue digitale ID wird allen Europäern den Schlüssel zu ihrem digitalen Zwilling geben. Details dazu werden in Kürze bekannt gegeben.

Von Kornelia Kirchweger

Boarding-Card ins Leben

De facto könnte diese App bald den Reisepass und sämtliche persönlichen Dokumente beinhalten. Sie speichert Zahlungsdetails und Passwörter, Bürger sollen sich damit auf Webseiten der Regierungen anmelden, Stromrechnungen bezahlen, ihren Führerschein und sonstige Dokumente – sicherlich auch den Corona-Impfpass – hochladen. Zugriff auf die App hat man unter anderem mit Fingerabdruck oder Augen-Scan. Brüssel brachte das Projekt auf Wunsch der EU-Mitgliedstaaten in die Gänge. Es soll in etwa einem Jahr voll funktionsfähig sein. Aktuell werden technische und betriebliche Standards mit den Mitgliedstaaten abgeglichen. User können angeblich selbst entscheiden, wie viel und welche Information in der „Geldbörse“ gespeichert werden. Die geplante App ist Teil einer EU-weiten Prüfung von bestehenden digitalen Identifikationsverfahren. Das aktuelle System wird von 19 der 27 EU-Staaten verwendet und ist nicht wirklich kompatibel.

Löst nahtlos den Impfpass ab

Die App löst damit nahtlos – und gigantisch erweitert – das für Juli geplante EU-Impfzertifikat ab. Das soll ja nur für die Zeit der Pandemie gelten. Weil sich die Menschen dann ohnehin an ihre digitalen Ausweise gewöhnt haben, hofft Brüssel, dass sie auch die „digitale Geldbörse“ mit Begeisterung annehmen. Aufgeweckten Menschen war natürlich von Anfang an klar, dass der Impfpass nicht das Ende ist. Die neue App ist der nächste Schritt zur Totalüberwachung des Einzelnen. Anfangs freiwillig, wird sie Schritt für Schritt „unentbehrlicher“ sein.

Vorbild China: soziale Bonuspunkte

Wie in China, lassen sich mit der App für „besonders brave Bürger“ auch soziale Bonuspunkte verknüpfen. Wer etwa (an vorgegebene Organisationen) spendet, ist ein guter Mensch und wird belohnt. Wer weniger Kurzstrecken fliegt, bekommt Bonuspunkte für den einen Langstreckenflug, den „Grün“ uns künftig erlauben will. Wer ein E-Auto fährt oder eine Photovoltaik-Anlage hat, bekommt vom Stromversorger ein paar gratis Einheiten, auch wenn es der Atomstrom vom Nachbarland ist. Wer keine Strafmandate hat, zahlt weniger für das Maut-Pickerl. Wer bei Anti-Regierungs-Demos aufgespürt wurde, könnte Sozialpunkte verlieren. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

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