Bei schweren Messerstechereien zwischen rivalisierenden Migranten-Gruppen aus Afghanistan und Pakistan in einem Camp in der bosnischen Stadt Bihac gab es zwei Tote und 18 schwer Verletzte. In Bosnien leben aktuell etwa 7.500 illegale Migranten, die registriert sind. Zusätzlich wird von rund 3.000 Personen ohne Registrierung ausgegangen. 

von Kornelia Kirchweger

80 Leute verwundet

Die Polizei fand bei ihrer Ankunft 70 bis 80 verwundete Migranten vor. Die Toten und Verletzten kommen alle aus Afghanistan bzw. Pakistan. Ihre Identität ist ungeklärt. Es wird auch wegen Mord ermittelt, hieß es aus dem Innenministerium des zuständigen Kantons Una-Sana. 10 bis 18 Pakistaner seien ernsthaft verletzt. Sie gingen mit Messern und Stöcken aufeinander los.

Wollten nach Kroatien

Einige Pakistaner erklärten der Polizei, sie haben sich für das „Spiel“ vorbereitet – ein Code-Wort für den Versuch, illegal nach Kroatien zu gelangen. Sie seien dann von Afghanen attackiert worden. Viele Migranten rannten bei der Ankunft der Exekutive davon und versteckten sich im nahen Wald. Die Kämpfe brachen in einem, von Migranten illegal errichteten Transit-Camp aus, von wo ein Fußweg Richtung kroatischer Grenze – und damit in die EU –  führt.

Überfüllte Lager

Am Mittwoch hat die Behörde, das völlig überfüllte und umstrittene Camp Bira in Bihac geschlossen. Über 1.000 Migranten lebten dort zwei Jahre lang. Einige Hunderte hausten im nahen Wald unter schrecklichen Bedingungen. 350 Migranten wurden in das Lipa-Camp, 20 km westlich von Bihac, gebracht. Auch dieses Lager ist überfüllt, es hat eine Kapazität für 1.000 Menschen. Andere wurden nach Sarajewo umgesiedelt. 81 minderjährige Migranten wurden in das Camp Borici in Bihac verlegt, wo Familien mit Kindern leben. Eine kleinere Gruppe machte sich in Richtung kroatische Grenze auf.

Bürgerwehren zeigten Wirkung

Als nächsten Schritt will Bosnien das Camp Miral, im nahen Velika Kladusa, schließen. Dort haben sich Bürgerwehren gebildet, die in Bussen ankommende Migranten wieder zurückschicken (Wochenblick berichtete). Tausende dieser Menschen hausen in der Stadt zum Teil auf der Straße. Es kommt zu andauernden Konflikten mit der Bevölkerung, die sich zur Wehr setzt. Der Druck auf die Politiker steigt. Die EU verurteilt die Zwangs-Umsiedlung der Migranten in ohnehin schon überfüllte Lager. Es bestehe die Gefahr der Ansteckung und Verbreitung von Covid-19.