Belgiens neue Vize-Premierministerin ist eine Transgender-Frau! Sie heißt Petra De Sutter und wurde von den Flämischen Grünen in die aus sieben Parteien bestehende Koalitions-Regierung entsandt. Die bei der Wahl im Vorjahr zu stärksten Kraft gewählten rechten Parteien wurden mit dieser Konstellation kalt gestellt (Wochenblick berichtete). 

von Kornelia Kirchweger

Ranghöchste Transgender-Politikerin Europas

De Sutter ist damit Europas ranghöchste Transgender-Politikerin. In Frankreich wurde Anfang des Jahres, Marie Cau, als erste Transgender-Politikerin, Bürgermeisterin von Tilloy-lez-Marchiennes. In Italien wurde im Vorjahr der Transgender, Gianmarco Negri, Bürgermeister von Tromelli.  De Sutter ist Professor für Gynäkologie, mit Schwerpunkt Fruchtbarkeit, an der Universität Gent. Sie setzt sich für Trans- und Reproduktionsrechte ein und hat offen über ihre eigenen Erfahrungen als Trans-Frau gesprochen.

Jeder soll sein dürfen, wer er will

„Ich war vierzig, als ich mich entschied, die Frau zu werden, die ich immer war, und aufgrund dieser Entscheidung verlor ich Kollegen, Menschen, die ich kannte, und sogar Freunde“, sagte sie in einem auf ihrer Website veröffentlichten Interview. Deshalb müsse sie etwas für jene tun, die dieses Glück nicht hatten. Sie habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und finde es ungerecht, dass Menschen darunter leiden müssen, wer sie sein wollen. Sie wolle jetzt das Land wiederbeleben und für eine neue Zukunft für alle Belgier arbeiten, twitterte sie und bedankte sich bei ihren Grünen für die Ernennung.

Linke Phalanx gegen rechte Mehrheit

Nach fast zwei Jahren ohne Regierung hat sich Belgien jetzt eine, „sozialliberale“ Zukunft gesetzt. Der Wählerwille wurde dabei völlig ignoriert. Denn bei der Wahl im Vorjahr wurden die rechten Parteien zur stärksten Kraft im Land gewählt. Die flämischen Nationalisten der N-VA, kamen damals auf 16 Prozent, der rechtsextreme Vlaams Belang auf 12 Prozent. Neuer Ministerpräsident soll der flämische Liberale, Alexander De Croo, werden. An der auch als „Vivaldi-Koalition“ bezeichneten Regierung sind die Grünen, Liberalen, Sozialdemokraten aus beiden Landesteilen und die flämischen Christdemokraten beteiligt. De Sutter vertrat die Grünen seit Juli 2019 als Abgeordnete im EU-Parlament. Sie löst nun Sophie Wilmes ab, die als Übergangs-Premier zwei Jahre lang das Land verwaltete. Wilmes wird jetzt Außenministerin