Ein Iraker, der als IS-Mitglied mutmaßlich an Massenmorden bei der Eroberung der Stadt Tikrit beteiligt war, wanderte 2016 im Asyl-Tross quer über Europa nach Frankreich ein, erhielt Asyl und lebte dort unbehelligt. Erst als der Irak die französischen Behörden darüber informierte, kam der Fall jetzt vor den Richter und der Mann ins Gefängnis.

Der Asylstatus wurde ihm aberkannt, eine Abschiebung in den Irak gibt es nicht, weil ihm dort droht die Todesstrafe droht.

Im Flüchtlingstross nach Frankreich

Der Fall des 33-jährigen Ahmed H. bestätigt, was vielfach befürchtet wurde: Nämlich, dass sich IS-Terroristen unter die hunderttausenden Migranten mischten, die 2015 quer durch Europa marschierten. Er selbst kam auf seiner Flucht 2015 und 2016 über die Türkei, Slowenien, Ungarn, Österreich, Deutschland im Sommer 2016 nach Frankreich.

Nach eigenen Angaben reiste er über Calais, wo er um Asyl ansuchte. 2017 erhielt er vom Französischen Büro zum Schutz von Flüchtlingen und Staatenlosen (OFPRA) Asylstatus samt Aufenthaltsgenehmigung für zehn Jahre.

IS-Terroranschlag in Paris

Hass gegen Schiiten: Massenmord bei Tikrit

Ein Jahr später, im Sommer 2017, informierten irakische Behörden den französischen Geheimdienst, dass Ahmed H. nicht – wie Gerüchte besagten – tot sei. Vielmehr lebe er in Frankreich. Ab September 2017 ermittelten die Behörden, im März 2018 kam Ahmed ins Gefängnis. Jetzt wird in Frankreich Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erhoben.

Laut irakischen Behörden war Ahmed früher Al-Kaida-Mitglied (Sunniten), wechselte 2014 zur noch radikaleren Splittergruppe Islamischer Staat (IS) und wurde IS-Verwalter der Samarra-Region. Als der IS im Juni 2014 die Stadt Tikrit eroberte, sei Ahmed H. an der Verschleppung und Ermordung junger schiitischer Rekruten im Militärcamp „Speicher“ beteiligt gewesen. Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass dabei 600 – 1150 Menschen ermordet wurden.

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Irakische Behörden: Ahmed H. war IS-Gouverneur

Die Anklage ist umfassend: Mord in Verbindung mit einer kriminellen Vereinigung, kriminelle Verschwörung in Verbindung mit einer terroristischen Vereinigung, lebensbedrohliche Kriegsverbrechen, Kriegsverbrechen durch unmenschliche und erniedrigende Behandlung von Menschen, Kriegsverbrechen durch die Anwendung unerlaubter Methoden im Kampf und schließlich Teilnahme an einer Gruppe, die Kriegsverbrechen begeht.

Anwalt: Keine schlüssigen Beweise

Ahmed H. bestritt in seinen sieben Anhörungen alle Vorwürfe. Sein Anwalt, Mohamed El Monsaf Hamdi, sagte: Für die Inhaftierung seines Mandanten gebe es keine schwerwiegenden Beweise. Die Gerichte stützen sich lediglich auf Angaben aus dem Irak, die nicht zu verifizieren seien.