Damit dürften die Befürworter einer flächendeckenden Corona-Impfung nicht gerechnet haben, als sie die Rechnung ohne den Wirt machten. Denn so wirkliche Begeisterung für eine Immunisierung kehrt in Österreich nicht ein – und das gilt doppelt für mögliche Verpflichtungen, sich impfen zu lassen.

Seit Monaten wird das Mantra gebetsmühlenartig befördert: Eine Normalität könne erst eintreten, wenn die Infektionsgefahr gebannt ist – und das sei erst der Fall, wenn es eine weltweite Impfung gegen das Coronavirus gäbe. Eine aktuelle Umfrage von P8 Marketing unter 1.200 Österreichern stellt fest, dass die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung einer vermeintlichen „Erlösung“ durch die Nadel kritisch gegenüber steht. 

Wenige wollen die Impfung, fast niemand die Impfpflicht

Denn mehr als zwei Drittel (68,23 Prozent) würden sich nach derzeitigem Stand nicht impfen lassen wollen. Demgegenüber ist sich nur jeder Sechste sicher, diese Option in Anspruch nehmen zu wollen (15,78 Prozent). Noch unentschlossen sind ähnlich viele Personen (15,99 Prozent). Besonders deutlich ist der Krone zufolge die Ablehnung einer Impfpflicht: Neun von zehn Österreichern sind vehement gegen einen solchen Impfzwang.

Österreicher durch Krise immer pessimistischer

Diese Zahlen sind umso bemerkenswerter, als mehr als die Hälfte der Befragten davon ausgeht, dass aus die Krise noch mehr als zwölf Monate lang beschäftigen wird. Auch die Aussicht ist pessimistisch: Nur ein Drittel glaubt überhaupt, dass Österreich es aus der nicht zuletzt durch den Lockdown der türkis-grünen Regierung verschärften Krise schafft. Auch die Konsumfreude ist gefallen: 40 Prozent kaufen „nur mehr das Notwendigste“ ein. 53 Prozent fürchten größere künftige Belastungen auf der Arbeit.

Antworten als deftige „Watsch’n“ für Anschober & Co.

Obwohl der grüne Gesundheitsminister dementiert, dass eine Impfpflicht überhaupt geplant sei, ist das Resultat der Erhebung auch eine saftige „Watsch’n“ für seine Corona-Politik. Denn noch im Mai hoffte Anschober bei einer Pressekonferenz, dass es den Menschen und dem Land schlecht genug geht, dass die Leute von sich aus impfen gehen. Wörtlich sagte er damals: „Meine Erwartung und Hoffnung ist, dass die Krise so manifest da ist, dass das auf freiwilliger Ebene auch erreichbar ist“.

Umso deutlicher werden die schlechten Werte auch im Hinblick auf die Corona-Ampel. Das System gilt als Prestigeprojekt der Regierung, obgleich viele Beobachter der Ansicht sind, dass die folgende bundesweite Verschärfung der Maßnahmen diese ad absurdum führte. Fast zwei Drittel (61 Prozent) sind mit der Ampel „sehr unzufrieden“, weitere 16 Prozent immer noch unzufrieden. Damit haben beinahe vier von fünf Studienteilnehmer keine Freude mit dieser Maßnahme: Ein gutes Polit-Zeugnis sieht anders aus…