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Viele Österreicher betrachten den ORF mittlerweile als rote "Propaganda-Orgel".

Der Wirbel um den ORF hört nicht auf: Nachdem zahlreiche Fälle immer wieder Zweifel an dessen Neutralität laut werden ließen, scheint der Zwangsgebühren-Sender wenig Verständnis für seine Kritiker zu zeigen. Einer der jüngsten „Einzelfälle“: Eine von Kritikern als äußerst tendenziös bewertete Berichterstattung zur Parlamentswahl in Ungarn. Trotz dieser deutlichen Kritik kündigte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz jetzt an, der ORF werde „bis
2020 sein Korrespondentennetz noch um zwei weitere Standorte ausbauen.“

Eine Entscheidung, für die Medien-Experten angesichts der tendenziell eher problematischen Finanzlage des ORF wenig Verständnis zeigen! Ebenso pikant: Insbesondere die Äußerungen des Osteuropa-Korrespondenten Ernst Gelegs im Vorfeld der Ungarn-Wahl und während des Wahltags am 8. April stößt vielen ORF-Sehern übel auf.

ORF nennt Ungarn „Diktatur“

Im Vorfeld der Wahl bezeichnete das ORF-Weltjournal etwa das von Viktor Orbán regierte Ungarn als „demokratische Diktatur“.

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Wird von vielen Zuschauern mittlerweile als untragbar empfunden: ORF-Korrespondent Ernst Gelegs.

„Viktor Orbán und seine Regierung kontrollieren die Justiz und die Medien, Kritiker werden mundtot gemacht. An allen Schalthebeln der Macht sitzen Orbán treu ergebene Personen, die darauf achten, dass der Regierungschef politisch schalten und walten kann, wie er will“, heißt es etwa im Text zur von Gelegs federführend gestalteten Polit-Sendung.

An anderer Stelle zeigte sich der Zwangsgebühren-Sender aus Sicht seiner Kritiker noch parteiischer. „Orbán und seine Partei kontrollieren alle ursprünglich demokratischen Instanzen, die Medien sind weitgehend gleichgeschaltet. Selbst Kunst- und Kulturschaffende müssen der Regierungslinie treu sein“, hieß es etwa in einer Anmoderation zu einem Beitrag von Gelegs im „Ö1-Morgenjournal vom 26. März.

ORF-Sendung: Ungarns Medien „gleichgeschaltet“

Denkwürdig: Gelegs widerlegt die Anmoderation kurze Zeit später durch eine dazu konträre Einschätzung. „Dennoch sind die kleinen, freien und auch gesellschaftskritischen Bühnen vor allem in Budapest sehr aktiv und lebendig, auch ohne staatliche Förderungen“, heißt es im gleichen Beitrag. Pikant: Auf der Seite des „Ö1-Morgenjournals“ konnte der stark umstrittene Beitrag vom „Wochenblick“-Rechercheteam nicht mehr gefunden werden. Jedoch konnte ein Screenshot aus dem Google-Cache gesichert werden:

Scharfe Kritik von ORF-Stiftungsrat

Harsche Kritik an der zum Teil offen praktizierten Parteinahme vieler ORF-Journalisten übte jetzt der ORF-Stiftungsrat Norbert Steger (FPÖ) im Interview mit den „Salzburger Nachrichten“.

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Die Berichterstattung zur Ungarn-Wahl sei äußerst einseitig gewesen. Steger forderte, es müsse endlich Konsequenzen für die wiederholte Missachtung der Objektivitätskriterien beim ORF geben: „Von den Auslandskorrespondenten werden wir ein Drittel streichen, wenn diese sich nicht korrekt verhalten.“

Armin Wolf ist mit den Umbauplänen des ORF unzufrieden.

ORF-Wolf schäumt

Diese Stellungnahme brachte vor allem den umstrittenen ORF-Anchor Armin Wolf auf Twitter förmlich zum Platzen. Der auch an anderer Stelle in dem sozialen Medium klar politisch Stellung beziehende Wolf polterte: „Der ORF-Stiftungsrat ist übrigens weder für die Streichung von Korrespondenten noch für die Verwarnung oder Entlassung von ORF-Journalisten zuständig.“

ORF-Wolf teilt extrem linke Beiträge

„Könnte aus Ungarn stammen“, schrieb Wolf außerdem dazu – eine wohl unbeabsichtigte Bestätigung der öffentlichen Kritik an der Ungarn-Berichterstattung des ORF. Wolf steht insbesondere aufgrund seiner linkslastigen Polit-Agititation bereits seit einiger Zeit in der Kritik. Auf Twitter teilt er einen Beitrag einer extrem linken Seite namens „FPÖ Fails“, die gegen geltendes Recht verstößt, indem sie auf die Nennung des Impressums verzichtet.

Auch an anderer Stelle macht Wolf, der vor allem durch Zwangsgebühren der Österreicher finanziert wird, aus seiner Gesinnung keinen Hehl:

Top-Verdiener Wrabetz versteht Kritik nicht

ORF-Wrabetz indes betont, an den gewohnten ORF-Praktiken beim Korrespondenten-Netzwerk festhalten zu wollen. „Die 16 ORF-Korrespondentenbüros sind eine
unverzichtbare und vom Publikum hochgeschätzte Säule der
ORF-Information in Radio, Fernsehen und Online“, betont er.

An Gelegs hält Wrabetz, der zeitweise 410.000 Euro Gehalt kassiert haben soll, trotz großer öffentlicher Kritik unermüdlich fest. Unfassbar aus Sicht vieler Kritiker: Der Generaldirektor lobt den stark umstrittenen Ungarn-Korrespondenten für seine „ausgezeichnete Berichterstattung“. Deshalb habe er den Vertrag für Gelegs bis 2021 verlängert.