Leoluca Orlando
Der Bürgermeister von Palermo (zweiter von links) verfügt europaweit über gute Kontakte. Im Bild: Prof. Dr. Orlando beim Bundeskongresses des "Deutschen Altphilologenverbandes" 2008 in der alten Aula der Universität Göttingen.

Der Bürgermeister von Palermo forderte jetzt, Italien solle alle Migranten ins Land lassen. Sie sollen ohne Aufenthaltsgenehmigungen bleiben dürfen, denn diese komme einer Todesstrafe gleich, und die sei bekanntlich ja abgeschafft.

Ein Bericht von Kornelia Kirchweger

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Die Zukunft: Google und Einwanderer…

Der 70-jährige Leoluca Orlando, der sich in der Vergangenheit einen Namen als Bekämpfer der Mafia gemacht hat, will Palermo zur „Hauptstadt der Toleranz“ machen. Als kürzlich 629 illegale Migranten auf der Aquarius, ein Schiff der französischen NGO „Mediterranée“, von Hafen zu Hafen irrte, bot Orlando an, sie in Sizilien aufzunehmen. Die italienische Regierung untersagte das, die Aquarius landete in Spanien.

Orlando sieht Migranten nicht als Problem, sondern als Bereicherung. Es gebe keinen Unterschied zwischen ihnen und den Einwohnern von Palermo. Er ist auch überzeugt: „Die Zukunft hat zwei Namen – Google und Ali, der Einwanderer“. Migranten seien übrigens auch ein gutes Instrument zur Ausschaltung der italienischen Mafia, sagte der Bürgermeister.

Italien: So profitiert die Mafia vom Asylantenstrom
Die Mafia verdient an der illegalen Masseneinwanderung kräftig mit.

Einwanderer Hilfe gegen Mafia?

Diese wolle keine Einwanderer, weil sie gegen Vielfalt sei. Seit der starken Zuwanderung in Sizilien sei sie ausgelöscht. Was Orlando nicht sagte: sie wurde von der nigerianischen Mafia abgelöst, deren Netzwerke über ganz Europa bis Lateinamerika und sogar Japan reichen. Hinzu kommt: Die Mafia verdiente selbst über Jahre kräftig an der illegalen Masseneinwanderung mit, etwa durch staatliche Zuwendungen für Asyl-Unterkünfte.

Orlando ist trotzdem der Ansicht: Jeder Mensch habe das Recht hinzugehen und zu leben, wo er wolle. Diese Meinung entspricht ganz der neuen UNO-Politik, die künftig Migration und Flüchtlinge über zwei Weltverträge global regeln will („Wochenblick“ berichtete).

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Verschwiegene „EU-Rettungsoperation“

Beinahe unbemerkt ging übrigens nach der Aufnahme der Aquarius in Spanien die Landung eines anderen Schiffes mit 932 illegalen Migranten in Sizilien über die Bühne. Das Pikante dabei: es handelte sich um eine EU-Rettungsoperation.

Das italienische Küstenwachschiff „Diciotta“ war Teil von sieben Operationen, die von der EU zum Aufgriff von Migranten im Mittelmeer organisiert wurde. Die Migranten wurden in den Hafen von Catania gebracht. Sie kommen vorwiegend aus Eritrea, Sudan, Mali, Elfenbeinküste und Guinea. Darunter sind rund 200 Kinder, zumeist unbegleitet.  Ein weiteres Schiff liegt noch vor der Küste Libyens und wartet auf Anweisungen. Es gehört der stark umstrittenen deutschen NGO „Sea Watch“.