Der frühere US-Außenminister Colin Luther Powell, der erste Afro-Amerikaner in dieser Position, starb am Montag im Alter von 84 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung – obwohl er vollständig geimpft war, heißt es in einer Erklärung seiner Familie.

Von Kornelia Kirchweger

  • Colin Powell starb mit 84 Jahren an Covid-19
  • Trotz vollständiger Impfung
  • Politiker, Diplomat und Vier-Sterne-General
  • Mitglied der Republikanischen Partei
  • Konflikte mit Clinton-Regierung
  • Gegen Bosnien-Intervention

 

Realist und Republikaner

Powell war ein amerikanischer Politiker, Diplomat und Vier-Sterne-General. Er war US-Außenminister von 2001-2005 unter Präsident George W. Bush. Von 1987-1989 war er nationaler Sicherheitsberater und von 1989 bis 1993 Vorsitzender des Joint Chiefs of Staff (= höchster Vertreter des US-Militärs) unter George Bush. In dieser Position war er für 28 Krisen zuständig, inklusive der Invasion in Panama 1989 und der Operation „Wüstensturm“ im Golfkrieg gegen den Irak 1990-1991. Er formulierte die Powell-Doktrin, die amerikanische Militäraktionen nur dann zuließ, wenn sie im Interesse der nationalen Sicherheit der USA sind und öffentliche Unterstützung haben. Ex-US-Präsident Donald Trump setzte dieses Prinzip fort, in seiner Amtszeit führte die USA keine Kriege. Von 1995-2021 war Powell Mitglied der Republikanischen Partei.

Wenig Sympathie für Clinton-Politik

Als Außenminister verstrickte er sich in widersprüchliche Aussagen, bei der Rechtfertigung für den US-Krieg im Irak, 2003. Nach der Wiederwahl von Bush, musste er 2004 zurücktreten. Als höchster Vertreter des US-Militärs diente Powell auch unter US-Präsident Clinton. In einer Regierung, die vor allem aus liberalen Internationalisten bestand, fühlte er sich als erklärter „Realist“ nicht mehr sehr wohl. So lehnte er u.a. das Motto der Clinton-Regierung ab „Nicht fragen, nichts sagen“, das Homosexuellen die Aufnahme in den Militärdienst ermöglichte. 

Gegen Bosnien-Intervention

Es kam auch zu Konflikten mit der US-Botschafterin bei der UNO, Madeleine Albright – etwa wegen der Bosnien-Krise. Powell war gegen eine Intervention, da sie nicht unmittelbar nationale US-Interessen betraf. Powell verstand sich auch nicht besonders mit dem von Bill Clinton (Demokraten) ernannten Verteidigungsminister Leslie Aspin. U.a. gab es Uneinigkeit bei der Vorbereitung zur Operation Gothic Serpent (Schlacht von Mogadishu/Somalia). Collin Powell trat u.a. deshalb 1993 von seiner Position als Vorsitzender des Joint Chiefs of Staff zurück. Sein Nachfolger, David E. Jeremiah, startete nur wenige Tage später die Operation in Mogadishu, u.a. mit dem Ziel, den Warlord Mohammad Farrah Aidid auszuschalten.

Powell-Warnungen ignoriert

Die Operation endete in einem totalen Desaster, 19 US-Soldaten starben, zwei US-Black Hawk Helikopter stürzten ab, ein US-Pilot wurde von der Somalischen Miliz gefangen genommen. Man lastete das Fiasko Verteidigungsminister Aspin und der Clinton-Regierung an: denn die Forderung Powells nach mehr Panzern, bewaffneten Fahrzeugen und verstärkter Luftwaffe waren abgelehnt worden. Verteidigungsminister Aspin musste 1994 deshalb zurücktreten. Das Mogadishu-Desaster war Thema im Film „Black Hawk Down“. 

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