Tschechien gilt als Vorreiter harter Corona-Regeln, erließ als erstes Land eine Maskenpflicht im Freien und ist mit kurzer Unterbrechung seit Oktober erneut im totalen Lockdown.

Ein Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Dennoch hat man eine der höchsten 7-Tages-Inzidenzen der westlichen Welt. Es scheint sogar so, als wären zu scharfe Regeln mitverantwortlich: Denn 75 Prozent der Tschechen stellen der Regierung ein schlechtes Zeugnis aus, nicht einmal die Hälfte will sich an die Maßnahmen halten.

Volk mit überschießenden Regeln drangsaliert

Anstatt die Strategie als gescheitert anzuerkennen und es mit mehr Eigenverantwortung zu probieren, schärft man dort erneut nach: Seit einer Woche darf man nur mehr mit Passierschein zur Arbeit in anderen Bezirken, Spaziergänge sind nur in der eigenen Gemeinde erlaubt, Verwandtenbesuche auch dort tabu. Sogar Liebespaare müssen sich entscheiden, wo sie die kommenden drei Wochen wohnen – oder können sich derweil nicht sehen.

Wann stehen Tschechehen gegen Corona-Diktatur auf?

Um diese totalitären Maßnahmen zu kontrollieren, patrouillieren rund um die Uhr 26.000 Polizisten und 5.000 Soldaten überall im Land. Etwas mehr als dreißig Jahre nach dem Ende des Kommunismus gleicht das Land mehr einem Gefängnis als einer freien Demokratie. In Österreich – immerhin ein Nachbarland – hört man in Mainstream-Medien kein Sterbenswörtchen davon.

Aber die Mächtigen sollten auf der Hut sein: Das stolze tschechische Volk warf in seiner Geschichte schon öfter ungeliebte Despoten aus dem Fenster, und das wünscht man ja keinem…