Dem Innenminister von Tschechien riss jetzt der Geduldsfaden: nach monatelangem Tauziehen bezüglich der Aufnahme minderjähriger Flüchtlinge aus den überfüllten, griechischen Lagern lehnte er das jetzt kategorisch ab. Grund dafür: Athen verweigert, trotz mehrmaliger Aufforderung, eine Liste mit den Herkunftsländern der „Umzusiedelnden“ – nach dem Motto „friss oder stirb“.

Ein Bericht von Kornelia Kirchweger

Innenminister: Sicherheitsrisiko

Tschechien war ursprünglich bereit, syrische Waisenkinder aufzunehmen, statt dessen wollte Griechenland aber jugendliche Afghanen und Pakistaner schicken. Innenminister Jan Hamáček lehnte das als Sicherheitsrisiko ab. Er sehe keinen Sinn darin, 17Jährige ohne legalen Asylstatus in Europa zu verteilen. Diese seien keine Waisenkinder, sondern unbegleitete Minderjährige, die Eltern oder Verwandte haben. Zudem erhalte Griechenland von der EU Milliarden Euro für die EU-Grenzen und die Abwicklung von Asylverfahren. Tschechien habe 270 Experten zur Verfügung gestellt.

Statt syrischer Waisenkinder Afghanen und Pakistaner

Hintergrund zu dem absurden Hin und Her: vergangenen September forderte Griechenland die EU-Innenminister dringend auf, unbegleitete Minderjährige aus griechischen Flüchtlingszentren aufzunehmen. Tschechien war bereit, seinen Beitrag zu leisten: 50 syrische Waisenkinder sollten in tschechische Familien kommen, die bereits ihr Einverständnis gegeben hatten. Kinder seien aber nicht „verfügbar“, hieß es aus Griechenland. Diese werden alle in Integrationsprogrammen betreut. Statt dessen könne Tschechien doch 16-18jährige Afghanen und Pakistaner nehmen. Diese können aber nicht in Familien untergebracht werden, sondern benötigen spezielle Betreuungseinrichtungen, war die Vorgabe.

Empörte Mütter

Im November schrieben empörte Mütter an Hamáček, er solle doch endlich Menschlichkeit zeigen und Waisenkinder aus griechischen Lagern aufnehmen. Jetzt klärte der Innenminister die Öffentlichkeit in einem Radio-Interview über den Hintergrund seiner aktuellen Entscheidung auf. Als Beobachter ist man ziemlich erstaunt über das Vorgehen Griechenlands. Es sollte doch selbstverständlich sein, eine Regierung über die Herkunft von aufzunehmenden Migranten zu informieren. Denn immerhin müssen die Bürger dann mit ihnen zusammenleben und als Steuerzahler auch für sie aufkommen.