Knalleffekt in unserem Nachbarland: Der Gesundheitsminister Adam Vojtech wirft das Handtuch, um Platz für jemanden zu schaffen, der die Corona-Pandemie bewältigt. Der praktische Nutzen der Maskenpflicht ist international stark umstritten.

Eigentlich galt Tschechien lange als Vorreiter beiden Corona-Maßnahmen. Im März erließ das Land äußerst strenge Ein- und Ausreisebestimmungen.  Am 18. März entschied man sich als erste Nation in Europa für eine weitreichende Maskenpflicht. Auch mit seinen Lockerungen war das Land relativ langsam, das Gebot zum Mund-Nasen-Schutz wurde – außer in Prag – erst am 1. Juli aufgehoben.

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Vojtech-Nachfolger kokettiert mit nationalem Notstand

Und plötzlich, keine drei Monate später, ist aus dem ehemaligen „Musterschüler“ eines der größten Sorgenkinder geworden. Mit 193 neuen Fällen auf 100.000 Einwohner ist man im 14-Tage-Schnitt an zweiter Stelle in der EU – nur Spanien ist noch stärker betroffen. Alleine am Sonntag verzeichnete man über 2.000 positive Tests, wohl aber auch wegen der am Wochenende geringeren Testungen. Am Donnerstag waren es über 3.000 neue Fälle.

Daraufhin war Premier Andrej Babis in die Kritik geraten – nun zog stattdessen aber sein Gesundheitsminister die persönliche Reißleine. Der Regierungschef bedankte sich ihm für seinen Einsatz. Ihm folgt der Regierungsberater und Epidemiologe Roman Prymula nach, der am Dienstag angelobt werden soll. Damit kann sich Tschechien auf eine massive Verschärfung der Maßnahmen einstellen, denn dieser forderte zuletzt die Ausrufung des landesweiten Notstandes.

Half Rückkehr der Maskenpflicht Tschechien überhaupt?

Dass sich keine Entspannung bei der Corona-Lage im Land einstellt, wirft allerdings auch Fragen auf. Denn das Land verschärfte eigentlich längst jene Maßnahmen, die auch in Österreich als Allheilmittel gelten. Nach der Sommerpause galt ab 1. September eine teilweise Maskenpflicht. Seit dem 10. September gilt diese nun gar in fast allen öffentlichen Innenräumen.

Damit ist in Tschechien bereits seit elf Tagen Usus, was in Österreich erst seit dem heutigen Montag wieder gilt. Trotzdem stellt sich noch keine Entspannung ein. Angesichts der üblichen Inkubationszeit zwischen etwa fünf und zehn Tagen ist dies ein interessanter Befund. Dies könnte durchaus Wasser auf den Mühlen der Maskenpflicht-Kritiker sein – denn spätestens damit wäre zumindest empirisch ein gewisser Zweifel an der Wirksamkeit legitim.

Maßnahmen-Kaiser stark betroffen, aber Schweden stabil

Auffällig ist zudem, dass teilweise ausgerechnet jene Länder, welche im Frühjahr besonders früh und schnell mit harten Maßnahmen reagierten, nun größere Probleme haben als jene, die einen gemächlicheren Zugang wählten. Dies gilt für Israel, das einen zweiten Lockdown einführte ebenso wie für Österreich und nun eben Tschechien.

Auf der anderen Seite findet sich Schweden, das auf einen Lockdown verzichtete und seine Maßnahmen feiner auf die jeweilige Situation einstellte. Zeitweise der Prügelknabe der Öffentlichkeit für seinen Alleingang, steht es mit unter 15 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern plötzlich im Vergleich mit am besten da

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