Sie war über Monate, wenn nicht länger, in Wien und Linz aktiv: die tschetschenische Scharia-Polizei. Sie tyrannisierte und bedrohte tschetschenische Frauen die sich im vermeintlich freien, westlichen Österreich nicht islamkonform verhielten. Die Polizei wühlte über mehrere Wochen in Bildern, Videos und Chatprotokollen der Scharia-Polizei und konnte nun weitere Täter ermitteln.

Bereits Anfang August wurden sechs Tschetschenen  im Alter von 19 bis 37 Jahren festgenommen. Sie sollen der Kern der hierarchisch organisierten Bande sein. Unter ihnen befand sich auch eine Frau. Am 13. August informierte die Polizei erstmals über die Ermittlungen, die bereits seit Februar diesen Jahres laufen. Die Organisation war hierarchisch strukturiert und in geheimen Chatgruppen organisiert.

Nur zehn Frauen namentlich bekannt

Die Gruppierung beobachtete und dokumentierte das Verhalten tschetschenischstämmiger Frauen im Internet und auch im öffentlichen Raum. Wurde ein „Fehlverhalten“ einer Frau festgestellt, leitete man Maßnahmen ein, wie etwa „Belehrungen“, prangermäßiges Aushängen von Fotos (auch vor Moscheen), Verfolgung oder auch körperliche Misshandlungen wegen der Nichtbefolgung der islamistisch-konservativ beeinflussten Parallelnormen. Bisher sind der Polizei zehn Frauen namentlich bekannt, die in Linz und Wien Opfer der Scharia-Polizei wurden.

Fünf weitere verdächtige Sittenwächter

Mittlerweile konnte die Polizei fünf weitere Verdächtige ausforschen. Unter den mittlerweile elf tschetschenischen Sittenwächtern befindet sich auch eine Frau. Vier der Tatverdächtigen befinden sich in Untersuchungshaft.

Polizei geht von hoher Dunkelziffer aus

Den elf Beschuldigten werden die Gründung einer kriminellen Vereinigung, die Gründung eines verbrecherischen Komplotts und Nötigung vorgeworfen. Die Polizei vermutet, dass die Dunkelziffer groß ist und es wesentlich mehr Täter gibt, die derzeit noch unbekannt sind und der kriminellen Struktur in verschiedensten Formen zugearbeitet haben könnten.

Datenauswertung dauerte mehrere Wochen

Im Zuge von Hausdurchsuchungen wurden erhebliche Mengen an  Chatprotokollen, Bildern und Videos sichergestellt. Die Sichtung und Auswertung dieser Daten dauerte mehrere Wochen.

Videos zeigen körperliche Misshandlung

Auf einem Laptop fanden die Beamten eine Datenbank, wo akribisch die Online-Aktivitäten hunderter junger Frauen gesammelt wurden. Lediglich zehn der Opfer sind der Polizei namentlich bekannt. Auf einigen Videos ist zu sehen, wie unbekannte Personen körperlich misshandelt werden.

Waffenhandel, Auto-Diebstahl

Die Polizei fand auf dem sichergestellten Material auch Verdachtsmomente für Waffenhandel, Freiheitsentziehung, schwere Körperverletzung und Auto-Diebstahl.

Die Ermittlungen der Polizei laufen weiter.