Türkische Behörden evakuierten in der Nacht auf Freitag 5.800 Migranten, die an der Grenze zu Griechenland immer wieder den Durchbruch in die EU versuchten. Laut griechischen Medien sollen zwei Migranten mit Corona infiziert sein

Alle Evakuierten kamen in Quarantänezentren im Landesinneren. Der türkische Innenminister, Suleyman Soylu, bestätigte die Evakuierung. Das ändere aber nichts an der Politik der Türkei – wenn die Pandemie vorbei sei, können die Migranten – wenn sie wollen – wieder zurückkehren, sagte er.

Migranten Camps verbrannt und desinfiziert

Laut staatlicher Presseagentur Anadolu, wurden die Grenzbelagerer aus ihren provisorischen Camps an der Grenze in Bussen weggebracht. Manche Migranten wollten nicht freiwillig mitkommen und mussten erst „überzeugt“ werden, hieß es.

Die griechischen Behörden teilten ein nächtliches Video, das ein brennendes Waldgebiet zeigt, in dem türkische Behörden die von den abreisenden Migranten zurückgelassenen Zelte verbrannten. Ein in Edirne ansässiger, türkischer Journalist bestätigte, mehrere Busse hätten das Grenzgebiet verlassen und die Behörden hätten später das Gebiet desinfiziert, in dem die Migranten campiert hatten.

Die Migranten werden auf Gästehäuser in neun Provinzen verteilt, bleiben dort in Quarantäne und werden danach in andere Teile der Türkei gebracht, teilte Innenminister Soylu dem privaten NTV-Fernsehen mit.

Stand Freitag gab es in der Türkei 92 Tote als Folge einer Infektion mit dem Corona-Virus.

Griechenland: der Kampf wird weitergehen

Griechenland begrüßte diese Entwicklung als „wichtigen Schritt für unser Land und Europa“. Premierminister Kyriakos Mitsotakis gab aber zu bedenken, dass dieses Kapitel zwar beendet sei, der Kampf aber zweifellos weitergehen werde.

Erdogan hatte die Migranten, die zum Großteil aus Afghanistan stammen und oft schon jahrelang in Istanbul lebten, als „Waffe“ an die griechische Grenze bringen lassen, um Europa mit einer neuen Migrationswelle erpressen zu können.

Zwischen den Migranten und den griechischen Grenzbehörden kam es fast täglich zu gewaltsamen Zusammenstößen, um sie zurückzudrängen. Einsatzkräfte aus Polen, Österreich und Zypern unterstützten die griechischen Soldaten bei der Grenzverteidigung.