Die christliche Kathedrale, Hagia Sophia, ist ab jetzt offiziell eine Moschee. Sie wurde vom türkischen Präsidenten, Recep Tayyip Erdogan, am Freitag feierlich eröffnet. Auf der offiziellen Einladungsliste der Ehrengäste stand auch Papst Franziskus. Die christlichen Fresken und Mosaike werden künftig für die Freitags-Gebete verhängt. Das nunmehrige islamische Gebetshaus bleibt aber auch künftig für Besucher aus aller Welt offen.

von Kornelia Kirchweger

Schweigen des Papstes verstört Christen

Der Vatikan kommentierte die Einladung an Papst Franziskus nach Istanbul nicht. Kritiker bezeichnen die Geste Erdogans als „Provokation“. Natürlich könne der Papst nicht teilnehmen, da er sonst Millionen Christen, Katholiken und nicht-Katholiken vor den Kopf stoßen würde. Viele davon fragen sich ohnehin schon, warum Franziskus nicht gleichermaßen für das Christentum eintritt, wie er das regelmäßig für den Islam tue. Christliche Gläubige hofften auch, der Papst würde der Entscheidung Erdogans heftig und unmissverständlich entgegentreten. Darauf warteten sie vergeblich. Alles, was Franziskus zu sagen hatte: seine Gedanken gehen nach Istanbul. Er denke an die Hagia Sophia und sei sehr traurig.

Griechische Präsidentin kämpfte bis zuletzt

Die griechische Präsidentin, Katerina Sakellaropoulou, versuchte bis zuletzt, die Entscheidung Erdogans zu blockieren und appellierte in einem Telefonat mit Papst Franziskus dagegen aufzustehen. „Ich habe den Papst ersucht, seinen Einfluss zu nutzen, um die internationale Gemeinschaft über die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee zu sensibilisieren. Ich betonte, dass diese Entscheidung der Türkei die Grundlagen der Toleranz untergräbt und die Kluft zwischen den Kulturen und Religionen vertieft.“, twitterte Sakellaropoulou. Franziskus habe zugesichert, alles zu tun, was in seiner Macht stehe, sagte sie. Es dürfte ihm nicht gelungen sein.

Norbert Hofer: Wahnsinn der Islamisierung

Außenminister Moritz Schallenberg bezeichnete die Umwidmung als „das jüngste Glied in einer Kette von Provokationen“ und forderte erneut den Abbruch der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Auch FPÖ-Chef Norbert Hofer nahm Stellung und betonte die kulturelle Bedeutung der Re-Islamisierung der ehemaligen Kirche: „Einst Kirche, später Moschee, dann Museum – und in Zukunft wieder Moschee: Der Wahnsinn in der Türkei nimmt immer mehr zu, die Islamisierung wird gnadenlos fortgesetzt. Die Diskussion um einen möglichen türkischen EU-Beitritt ist sofort zu beenden!“