In Schrems im Bezirk Gmünd (NÖ) ist ein neuer Corona-Cluster bekannt geworden. Am 12. September fand eine türkische Hochzeit mit rund 700 Hochzeitsgästen statt. Bezirkshauptmann Stefan Grusch fühlt sich an der Nase herumgeführt.

Bis vor wenigen Tagen hatte der Bezirk Gmünd noch stark unterdurchschnittliche Corona-Zahlen. Durch die türkische Hochzeit sind sie von 28 auf 43 angestiegen. Für die Behörden gestaltet sich die Nachverfolgung schwierig. „Wir wurden eine Woche lang hinsichtlich der Kontakte angelogen. Uns wurde kostbare Zeit genommen, um eine Streuung des Virus einzudämmen!“, ärgert sich der Bezirkshauptmann.

War die Hochzeit illegal?

Aufgrund der strengen Corona-Regeln waren nach gültiger Gesetzeslage zum Zeitpunkt der Hochzeit derartige Großveranstaltungen streng verboten. Eine Ausnahme könnte sich nur durch namentlich gekennzeichnete, zugewiesene Sitzplätze für die Gäste, oder durch eine Sondergenehmigung durch die Bezirkshauptmannschaft ergeben, vorausgesetzt dieser wurde ein umfangreiches Präventivkonzept übermittelt.

Zumal den Behörden aber aber bis heute keine Gästelisten vorliegen sollen und die Bezirkshauptmannschaft lange nichts von der Veranstaltung wusste, wird die Klärung dieser Frage spannend. Wochenblick hat entsprechende Anfragen an die Bezirkshauptmannschaft und die Landespolizeidirektion gerichtet.

Sie heiraten groß

Türkische Hochzeiten fallen in der Regel besonders groß aus. Die Hochzeit stellt für die Türken das wichtigste Ereignis in ihrem Leben dar. Die Braut trägt bei den Türken traditionell rot. Viele Migranten aus dem türkischen, aber auch dem Balkanraum wollen gerade diesen Tag auch in der neuen Heimat besonders groß mit ihrer Community und Familie begehen.

Erst kürzlich wurde dieses Video einer türkischen Hochzeit in Hohenems auf Youtube veröffentlicht:

Sprachbarrieren und kaum Kooperation

Die Türken würden sich kaum kooperativ zeigen und wollten die Gästeliste der Hochzeit, an der 700 Personen teilgenommen haben sollen, nicht herausgeben, schildert Bezirkshauptmann Stefan Grusch in den Niederösterreichischen Nachrichten.

Grusch beschreibt, wie die Nachverfolgung der Kontaktpersonen in Zusammenarbeit mit den Türken zur Herkulesaufgabe wird: „Die Aufarbeitung der Kontakte gestaltet sich extrem mühsam, wir verfügen nicht einmal über eine vollständige Besucherliste der Feier. Auch die Sprachbarriere erschwert das Contact Tracing teilweise“.

Geringe Aufklärungsbereitschaft: Virus wird weiter gestreut

Grusch sorgt sich, dass durch die geringe Aufklärungsbereitschaft der türkischen Familien zu weiteren Infektionen führt: „So verstreicht Zeit, in der sich weitere Kontakte ergeben und das Virus munter weiter streuen kann. Je zeitnäher wir Infizierte und Risikokontakte absondern können, umso besser sind aber unsere Chancen.“