Rotterdam im Kriegszustand: Nach den niederländischen Entscheidungen, türkische Politiker nicht einreisen zu lassen und auszuweisen, legten türkischstämmige Demonstranten die Innenstadt lahm, hinterließen eine Spur der Verwüstung. Nun befürchten manche Wiener auf Facebook, der Bundeshauptstadt könne dasselbe drohen.

Chaos in Rotterdam

Nachdem der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu nicht einreisen durfte und die türkische Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya sogar ausgewiesen wurde, krachte es in Rotterdam so richtig. Bis zu 2.000 türkischstämmige Demonstranten demonstrierten und rasteten aus – doch die Polizei wehrte sich: Mit Pferden, Hunden, Wasserwerfern und Schlagstöcken. Sogar Helikopter kreisten über der Stadt, Beobachter sprachen von einem „kriegsähnlichen“ Zustand. Ministerpräsident Mark Rutte sagte sogar: „Ein Wunder, dass es nur Verletzte gab und keine Toten.“ Montagfrüh teilte die Polizei mit, dass sie sechs Personen verhaftet hat.

Was droht Wien?

Welches Mobilisierungspotenzial türkischer AKP-Sympathisanten in Wien steckt, zeigte sich 2014: Bei einem Auftrtitt Erdoğans in der Wiener Albert-Schultz-Halle feierten 13.000 Anhänger den türkischen Premier wie einen Popstar. Auch bei der kürzlich erfolgten Demonstration gegen das Vollverschleierungsverbot, das von den Veranstaltern als Berufsverbot gegen Muslime verkauft wurde, fanden sich schnell 2.000 Personen, die ihren Unmut auf die Straße trugen.

Beobachter fürchten nun: In Wien könnte es im Ernstfall zu ähnlichen Ausschreitungen kommen wie in Rotterdam. Bereits im vergangenen Jahr kam es bei Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Türken u.a. in Wien und Oberösterreich zu heftigen SzenenMitte August wurde eine Kurden-Demo am zentralen Wiener Stephansplatz angegriffen, der Ruf „Allahu Akbar“ fiel. „Die Menschen sind um ihr Leben gerannt“, erinnert sich Sonja Prousek, die Chefin der ansässigen Konditorei-Kette „Aida“.

Linz: Keine Türken-Demo für AKP

In Linz wurde der für vergangenen Samstag geplante Auftritt des türkischen AKP-Politikers Muhammet Müfit Aydin kurzfristig abgesagt. Die Vermieter der Räumlichkeiten hatten ihre Zusage für die Räumlichkeiten zurückzogen.

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