Für die ÖVP ist Bundeskanzler Sebastian Kurz noch immer der Messias. Doch während er am Parteitag gefeiert und als ÖVP-Chef wiedergewählt wurde – auch wenn es zunächst Zweifel am Ergebnis gab – ist die Bevölkerung zunehmend unzufrieden mit dem Kanzler und seiner türkis-schwarzen Truppe.

Kaum war Sebastian Kurz in St. Pölten auf dem ÖVP-Parteitag mit 99,4 Prozent zum ÖVP-Chef wiedergewählt worden – bei seiner ersten Wahl 2017 waren es 98,7 Prozent – regten sich in Kommentarspalten und sozialen Medien Zweifel an dem Ergebnis. Hatten doch zunächst viele Zeitungen von 600 Delegierten und 533 Stimmen für den Kanzler geschrieben. Somit wären es 88,8 Prozent gewesen, weshalb vermutet wurde, dass Finanzminister Blümel, der bereits seine Schwäche für Nullen offenbart hatte, an der Auszählung und Berechnung beteiligt war. Später wurde dann jedoch relativiert, von 614 möglichen Delegierten seien nur 537 dabei gewesen und davon stimmten 533 für die türkise Lichtgestalt, also 99,4 Prozent und alles in Ordnung. Nun mag es sich wirklich um ein Versehen gehandelt haben, aber das sofortige Misstrauen offenbart, dass sich einige ein derartiges Ergebnis nicht vorstellen konnten. Es entspricht auch nicht dem derzeitigen Trend.

Kurz im Volk zunehmend unbeliebt

Schwebte der Kanzler in Umfragewerten noch vor einem Jahr im Dauerhoch, ist inzwischen der Lack ab. Dem neuesten Politikbarometer ist etwa zu entnehmen, dass die Mehrheit der Österreicher den Kanzler inzwischen negativ beurteilt. Lediglich 24 Prozent war er in den letzten 14 Tagen „positiv aufgefallen“. Für den Sonnenkanzler ein herber Rückschlag. Aber auch bei seiner Sommertour lief nicht alles rund. In Mils in Tirol bekam er am 24. August den Zorn des Volkes zu spüren. Besonders die Kinderimpfungen, aber auch der Fall der 13-jährigen Leonie, die von Asylwerbern zu Tode vergewaltigt wurde, ließen die Volksseele kochen. Während Kurz auf der Veranstaltung mit der Tiroler ÖVP Hände schüttelte, skandierte ein Pulk Einheimischer: „Du Mörder!“, „Ohrwaschl!“. Ein Mann fragte: „Die Leonie hat immer noch keine Gerechtigkeit [erhalten]! Warum bist du nicht in U-Haft?“ Auch Rufe „Kurz muss weg“ oder „Finger weg von unseren Kindern“ zeigten die Unzufriedenheit mit des Kanzlers Corona- und Impfpolitik. Aber während der Rückhalt im Volk verloren geht, verehren die abhängigen Parteisoldaten ihn weiterhin, man ist halt eine Familie – egal ob schwarz oder türkis.

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