Frau Claudia Wild leitet das Ludwig Boltzmann Institut für die Bewertung von Gesundheitstechnologien. Seit 2011 ist sie Mitglied im Nationalen Onkologie-Beirat zur Erarbeitung eines nationalen Krebsplanes und vielen anderen prominenten Komitees im Gesundheitsbereich.

Ein Kommentar von Willi Huber

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Krasse Aussage gegenüber Journalisten

Umso überraschender ist ihre Aussage gegenüber den Journalisten von Addendum, die am 4. Februar unter dem Titel „Krebs und Gerechtigkeit“ publiziert wurde:
„Es wird hier mit öffentlichen Geldern gehandhabt und deshalb will ich wissen, als Bürgerin, wofür unser Geld ausgegeben wird und warum zum Beispiel für eine Therapie für ein türkisches adipöses Kind kein Geld da ist, während für den onkologischen Patienten mit blauen Augen und blonden Haaren, das drei Wochen Lebensverlängerung bringt, dafür 130.000 Euro ausgeben werden?“

Türkische Kinder mehr wert als Einheimische?

Übersetzt man die medizinischen Fachbegriffe, bedeutet diese Aussage, dass die sogenannte Krebsspezialistin die Ansicht vertritt, dass einheimische krebskranke Patienten oder gar Kinder weniger oder zumindest den gleichen Anspruch auf Geld des Gesundheitssystems hätten, als fettleibige türkische Kinder. Die menschenverachtende Qualität dieser Wortmeldung wird sich jedem Menschen erschließen, deren Angehörige oder gar das eigene Kind mit der schrecklichen Krebsdiagnose leben müssen.
Die Aussage ist umso überraschender, weil sie ohne Notwendigkeit zur Erwähnung rassischer Merkmale getätigt wurde. Es ging in der Reportage um die Qualität und die Kosten der allgemeinen Krebstherapie in Österreich. Derart deutlich ist rassistisch motivierter, linksgerichteter Hass gegen die eigenen Mitmenschen von einer Person aus gehobener Position selten zu vernehmen.

Medialer Aufschrei bleibt von linker Seite aus

Welche Folgen diese unfassbare Äußerung haben wird, welche mutmaßlich die zentrale Geisteshaltung von Frau Wild widerspiegelt, darf abgewartet werden. Man stelle sich vor, jemand hätte geäußert, dass türkische krebskranke Kinder zugunsten fettleibiger blonder, blauäugiger Patienten benachteiligt werden sollen – die einschlägigen Zeitungen wären wochenlang voll davon. Parlamentarische Anfragen und Demonstrationen der Grünen und SPÖ inklusive. Doch im aktuellen politisch-medialen Klima Österreichs verlieren nur Personen ihre Arbeitsstelle, welche dieselben fünf Wörter aneinanderreihen, die bereits vor 80 Jahren irgendein Nazi geäußert hatte. Linker Hass hat hingegen niemals Folgen.
Frau Wild verfügt übrigens über keinen Abschluss als Dr. der Medizin. Sie ist Dr. der Philosophie zu einem Themenkreis der „Sozialmedizin“.

Stellungnahme

Indes erreichte die „Wochenblick“-Redaktion eine Stellungnahme der Geschäftsführung der Ludwig Boltzmann Gesellschaft:

Wir sind der Frage nachgegangen und haben uns mit dem Sachverhalt vertraut gemacht. Der Addendum-Beitrag, auf den Sie Bezug nehmen, beschäftigt sich unter anderem mit der Frage der Ressourcen-Verteilung im Gesundheitswesen – speziell im Bereich der Onkologie.  Zu Wort kommen eine ganze Reihe von Ärzten, Wissenschaftlern und Experten, die hier auch Kritik am Status-Quo üben – etwa der Linzer Onkologe Ansgar Weltermann. Ob das von Frau Wild verwendete und von Ihnen kritisierte Beispiel in seiner Zuspitzung besonders glücklich war, sei dahingestellt. Ihre Reaktion jedenfalls zeigt, dass es zumindest eine missverständliche Formulierung war. Sofern Wissenschaftler unserer Institute unter dem Namen unserer Institute auftreten, erwarten wir jedenfalls fakten- und forschungsbasierte Stellungnahmen und keine persönlichen Einschätzungen. Dies wurde mit Frau Dr. Wild auch so besprochen.

Dessen ungeachtet fühlen wir uns verpflichtet, ihrer Uminterpretation der Aussagen von Frau Dr. Wild in einem wesentlichen Punkt entgegen zu treten und dem Rassismus-Vorwurf zu widersprechen: Frau Dr. Wild hat eine angenommene ungleiche Mittelverteilung zwischen einem türkischen Kind, das an Adipositas leidet einerseits und einem älteren einheimischen Krebspatienten andererseits in den Raum gestellt. Hinterfragen kann man möglicherweise, ob diese Behauptung lediglich eine persönliche Wahrnehmung ist oder sich auf Studien und Untersuchungen stützt. Demgegenüber ist Erwartung, dass Menschen ohne Ansehen ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion behandelt werden, derart fest in der humanistischen Tradition Österreichs und Europas verankert, dass jemand der hierfür eintritt wohl kaum der Vorwurf des Rassismus gemacht werden kann.