Der unlängst aus seinem Amt enthobene Sonnenkanzler zeigte seine hübsche Verlobte oft genau dann her, wenn es dafür politische Pluspunkte gab oder es darum ging, schnell eine Blendgranate zu zünden. So verkündete Kurz ausgerechnet zum Höhepunkt der mit homoerotischen Details garnierten „Beidlgate“-Affäre rund um seinen Intimus Thomas Schmid, dass seine Freundin in freudiger Baby-Erwartung sei. Gleichzeitig streuten regierungsnahe Medien Gerüchte über leise schallende baldige Hochzeitsglocken. Das ist diesmal nicht möglich: Denn er kann bestenfalls die schützende Hand über sie legen – sie war nämlich bei der Schaltung fragwürdiger Inserate offenbar mittendrin statt nur dabei.

  • Thier arbeitete für einen der Hauptbeschuldigten in der Inseraten-Affäre
  • Ausgerechnet Deals zu Fellner-Werbebuchungen gingen über ihren Schreibtisch – was wusste sie?
  • ÖVP-Berater/Mitarbeiter rasten nach Berichterstattung in sozialen Medien völlig aus

Kurz-Freundin arbeitete für Beschuldigten

Denn, was viele Österreicher nicht ständig auf dem Radar hatten: Die Kurz-Verlobte Susanne Thier ist nicht irgendeine beliebige Trophäenfreundin, die man als Politiker mit einem Ruf der Selbstverliebtheit ab und zu mal herzeigen kann. Sie ist studierte Wirtschaftspädagogin und arbeitete zum Zeitpunkt der Vorwürfe selbst im Finanz-Ressort. Und zwar nicht irgendwo, sondern als Mitarbeiterin der Abteilung von Johannes Pasquali, einem der Beschuldigten in der Inseraten-Affäre. Dieser ist bekanntlich derzeit für unbestimmte Zeit auf Urlaub.

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Sie war dort eine von über 20 Mitarbeitern für Öffentlichkeitsarbeit. Besonders pikant sind dabei Enthüllungen, dass einige der maßgeblichen Inseraten-Deals direkt über ihren Schreibtisch wanderten. Im Jahr 2017, ausgerechnet in der Wahlkampf-Zeit, beauftragte Thier mehrere nebulöse Inserate in der Zeitung „Österreich“ von Wolfgang Fellner. Es ist allerdings unklar, ob sie über die mutmaßlichen schattenwirtschaftlichen Tätigkeiten rund um ihren Arbeitsplatz überhaupt Bescheid wusste. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Türkise reagieren allergisch auf Thier-Berichterstattung

Brisant ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, weshalb Thier – immerhin Lebensgefährtin eines zentralen Beschuldigten und Mitarbeiterin eines anderen – bislang nicht als zentrale Person des politisch brisanten Komplexes zählt, obwohl ihr Name in den Ermittlungen auftaucht. Wie Zackzack berichtet, soll sie als „wichtige Beraterin ihres Freundes“ fungieren. Viele Bürger dürften sich nun fragen, wieso zwar gegen zehn Personen ermittelt wird, nicht aber gegen Thier. Auch der Standard thematisierte ihre mutmaßliche mittelbare Involvierung in die Causa.

Bei den Türkisen kam dies gar nicht gut an. Ein längjähriger Medienexperte und Social-Media-Beauftragter aus dem ÖVP-Umfeld schrieb auf Twitter etwa: „Habt’s ihr denn überhaupt keinen Genierer mehr?“ Ein Mitarbeiter des ÖVP-Parlamentsklubs ging einen Schritt weiter. Er unterstellte den Journalisten „mediale Menschenhatz“ und thematisierte den Umstand, dass Thier gerade schwanger sei. In einem Folgetweet schrieb er davon, dass auf deren „Menschenrechten herumgetrampelt“ werde. Hat die ÖVP etwa Angst vor neuen Enthüllungen?

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