Ein Prüfbericht eines internen Gremiums der österreichischen Wirtschaftskammer für das Jahr 2019 birgt politischen Sprengstoff. Der FPÖ-Wirtschaftssprecher Erwin Angerer wittert gar einen Skandal. Mitgliedschaften in Golf- und Yachtklubs, horrende Schulgelder für Kämmerer-Kinder und Unsummen an Beraterkosten sollen mit den Zwangsgebühren der ÖVP-dominierten WKO finanziert worden sein.

Wieder einmal ist es eine ÖVP-nahe Organisation, diesmal die Wirtschaftskammer, deren finanzielles Gebaren für Aufsehen sorgt. Mehr als 1,34 Mio. Euro an Schulgeldern für Kinder von Kammer-Bediensteten sollen von 2010 bis 2019 ausgegeben worden sein. Auch ein Personalpool, in dem oft teure Mitarbeiter jahrelang untätig „geparkt“ wurden, soll für sieben beispielhafte Fälle in Summe rund 620.000 Euro an Kosten verursacht haben.

Loch im Pensionsfonds, aber hohe Ausgaben für Berater und Luxus-Mitgliedschaften

Mitgliedschaften in Golf- und Yachtklubs, sowie die von 3,5 Mio. Euro (2018) auf 4,3 Mio. Euro gestiegenen Beratungskosten im Jahr 2019 wurden ebenfalls kritisiert. Der Pensionsfonds sei allerdings mit einem Deckungsgrad von 69 Prozent unterdotiert, so der Bericht.

Wieder ein Schlag ins Gesicht für Kleinunternehmer

„In Zeiten wie diesen, in denen gerade Kleinst- und Kleinunternehmen sowie mittelständische Betriebe nach Lockdowns in Endlosschleife ums wirtschaftliche Überleben kämpfen (…), stünde es der Wirtschaftskammer gut an, die Wirtschaftstreibenden und ihre Familien aus den millionenschweren Kammerrücklagen heraus zu unterstützen“, forderte daher der Nationalratsabgeordnete Erwin Angerer (FPÖ).

Er spricht von einem Privilegienstadl in der Wirtschaftskammer, der auszumisten sei. Die WKO „offenbart sich einmal mehr als Selbstbedienungsladen für ÖVP-Günstlinge. Und das Ganze noch finanziert aus Zwangskammerbeiträgen der Zwangsmitglieder“, meinte Angerer und forderte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) auf, hier tätig zu werden.

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