Weil der Tullner Bürgermeister Peter Eisenschenk (ÖVP) mit einer beantragten einstweiligen Verfügung gegen den „Wochenblick“ abblitzte, zeigt er jetzt unentwegt alle Nutzer an, die auf Facebook unter den betreffenden Artikeln kritisch sein Verhalten kommentierten.

Der „Wochenblick“ hatte ohne Scheuklappen über die Rolle Eisenschenks im Fall der angezeigten mutmaßlichen Vergewaltigung eines 15-jährigen Mädchens in Tulln berichtet. Der Fall war im Mai 2017 bekannt geworden – aber erst drei Wochen nach der eigentlichen Tat, die somit unter Verschluss gehalten wurde.

Freispruch für Asylwerber

Die beschuldigten Asylwerber aus Afghanistan und Somalia waren in einem Aufsehen erregendem Prozess freigesprochen worden. Die Freisprüche riefen österreichweit unglaubliche Empörung hervor, nicht zuletzt, weil die Entscheidung sehr knapp – im Zweifel für die Angekagten – ausfiel („Wochenblick“ berichtete ausführlich in Print und online).

Den Fall ummantelte beim Bekanntwerden ein Vertuschungsskandal, in den auch Eisenschenk verwickelt war. Einem mutigen Beamten, der den Maulkorberlass brach, war es zu verdanken, dass der Fall an die Öffentlichkeit kam. Ein Stadtrat konfrontierte Eisenschenk – woraufhin dieser den Vorfall zugeben musste.

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Eisenschenk im Vertuschung verwickelt

Eisenschenk versuchte nach der umfassenden Berichterstattung des „Wochenblick“ beim Landesgericht Ried im Innkreis eine einstweilige Verfügung zu erwirken, wonach der „Wochenblick“ nicht mehr behaupten dürfe, Eisenschenk sei in die Vertuschung verwickelt gewesen.

Blöd war dabei nur, dass Eisenschenk die Vertuschung in der Sachverhaltsdarstellung umfassend zugab. Natürlich blieb der Richterin nichts anderes übrig, als den Antrag rechtlich korrekt abzuweisen.

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Die von Eisenschenk beantragte einstweilige Verfügung gegen den „Wochenblick“ wurde abgewiesen.

Steuerzahler durfte Prozess bezahlen

Die Kosten für den Prozess ließ sich Eisenschenk großzügig mit Steuergeld bezahlen – mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ, Grünen und NEOS im Gemeinderat. Das Mädchen vom Vergewaltigungsprozess, das noch immer psychische Betreuung braucht und diese wegen den Freisprüchen auch selbst bezahlen muss, erhielt seitens der Stadt Tulln und Eisenschenk hingegen überhaupt keine finanzielle Hilfe.

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Der Anwalt des Opfers, Ewald Stadler, kritisiert das Urteil der zwei Schöffen entschieden.

Ist Eisenschenk ein Mimoserl?

Sichtlich sauer über die Tatsache, dass er gerichtlich nicht gegen die kritische „Wochenblick“-Berichterstattung durchdringen konnte, weil diese vollinhaltlich der Wahrheit entsprach, suchte sich der Tullner Skandal-Bürgermeister ein leichteres „Opfer“ aus: die unter den Artikeln kommentierenden Nutzer.

Jetzt erreichten den „Wochenblick“ mehrfach Nachrichten von Lesern, die über Einvernahmen durch die Polizei und Post von der Justiz berichten.

So etwa ein Leser, der von der Staatsanwaltschaft Steyr Post bekam. Er hatte Eisenschenk schlicht als „Gauner“ bezeichnet. Der Mann musste knapp 1.000 Euro bezahlen, um einen Prozess zu verhindern!

„Man darf nicht mehr die Wahrheit sagen“

Ein anderer Leser schrieb der Redaktion ganz aktuell, berichtet von einer Einvernahme durch die Polizei vor einem Monat. Jetzt wartet er auf einen möglichen Prozess.

Dem „Wochenblick“ gegenüber sagt der sichtlich betroffene Leser: „Allgemein finde ich es schon schlimm, dass nicht mehr die Wahrheit geschrieben werden darf und die Gemeindearbeit in Tulln weniger wichtig ist, als die Meinungsfreiheit anzufechten.“

Weiters meint der kritische Mann, dass Eisenschenk als Politiker für die ÖVP untragbar sei und Ähnlichkeiten mit Angela Merkel hätte, demnach einfach zu links für seine Partei sei.

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Sehr viele Netz-Nutzer empörten sich über den Freispruch für die Asylwerber.

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