Einmal mehr wettert mit Rainald Becker ein Moderator der ARD-Tagesthemen über Kritiker an der offiziellen Route der Mächtigen. Diesmal betraf es die Lockerungen nach der Coronakrise. 

In seinem etwa zweiminütigen Kommentar macht ARD-Chefredakteur Rainald Becker keinen Hehl daraus, welche Sichtweise er bevorzugt: Lockerungen müssten langsam geschehen – und was auch immer Merkel und die Ihrigen machen, sei die absolut richtig Route.

Kritische Stimmen für Becker „Wirrköpfe“ und „Spinner“

Becker kritisiert bereits eingangs den „Lockerungswettlauf, der viele Politiker in diesem Land erfasst hat“. Dabei scheine bei manchem die „Schnelligkeit über den Verstand gesiegt zu haben“. Der Wunsch einer Rückkehr zur „alten Normalität“ sei „vielen Wirrköpfen im Netz“ ein Herzensanliegen, so der Moderator über kritische Stimmen.

Weiter: „All diesen Spinnern und Corona-Kritikern sei gesagt: Es wird keine Normalität mehr geben wie vorher.“ Er verweist dabei auf einen Aufruf von „Madonna, Robert de Niro und 200 anderen Künstlern und Wissenschaftlern“. Diese hätten „zurecht“ gefordert, Lebensstil, Konsumverhalten und Wirtschaft „grundlegend zu verändern“.

Radikales Umdenken gefordert

Diese „weltweite Pandemie“, so das öffentlich-rechtliche Urgestein Becker pathetisch, müsse seines Erachtens nach „zu etwas Neuem führen“. Und zwar mehr Wertschätzung für das Gesundheitswesen, mehr Nachhaltigkeit „und ja, auch zu einem sorgsameren Umgang mit der Natur und uns Menschen“.

So weit, so gut – mit diesen Stichworten dürften sich ja tatsächlich Personen quer durch das politische Spektrum anfreunden können. In der Folge reitet er dann aber zur Verteidigung nicht nur des Förderalismus, sondern der Regierenden aus: „Die Länderchefs nehmen ihre Rolle wahr“.

Lobeshymnen auf Merkel

Besonderes Lob hat er zudem für Langzeitkanzlerin Angela Merkel (CDU) übrig. Wer aus dem Agieren der Ministerpräsidenten „eine Schwäche der Kanzlerin“ ableite, liege falsch. Denn: „Im Gegenteil. Dieses Land ist bisher gut, deutlich besser als andere, durch die Coronakrise gekommen, gerade weil Angela Merkel Kanzlerin ist.“

Man könne hingegen „froh sein, dass Hasardeure wie Trump, Johnson oder Bolsonaro hier nichts zu melden haben“. Außerdem sei es gut wenn „Typen solchen Charakters in diesem Land hoffentlich nie gewählt werden“.

Im Vorjahr: Wüste Restle-Tirade gegen AfD

Nicht zum ersten Mal wird in den Tagesthemen über kritische Stimmen außerhalb des Mainstreams ordentlich vom Stapel gelassen. Der aus einschlägig linkem Milieu stammende WDR-Journalist Georg Restle im Vorjahr die Verfassungsschutz-Beobachtung der Identitären etwa als Anlass für einen Generalangriff auf die AfD.

Restle faselte von einem „Nazi-Netzwerk“, das man nur schwächen könne, wenn man der Partei „keinen Raum, keine Bühne und erst recht keine Stimme“ gebe. Die Betroffenen sahen sich folglich an den „Schwarzen Kanal“ der DDR erinnert. Der mediale Mainstream betreibe „kein Journalismus mehr, sondern die Vorbereitung einer totalitären Diktatur“, so der sächsische AfD-Abgeordete Ronny Kumpf damals.