Eine ziemliche Entgleisung leistete sich die neue Innenressort-Leiterin bei der „Kleinen Zeitung“, Veronika Dolna. Die gebürtige Wienerin befindet sich erst seit knapp vier Wochen in dieser Position und teilt bereits gegen politische Bewerber aus. Dabei suchte sie sich mit der FPÖ eine Partei aus, die in jüngerer Vergangenheit besonders scharfe Kritik an den Corona-Maßnahmen der türkis-grünen Regierung übte. Die „Kleine Zeitung“ wiederum gilt als tendenziell ÖVP-nah. 

Von Alfons Kluibenschädel

Dolna nutzte am Osterwochenende die Gelegenheit, um den schweren Corona-Verlauf von FPOÖ-Chef Manfred Haimbuchner für politisches Kleingeld zu nutzen. Der beliebte Landeshauptmann-Stellvertreter befand sich zeitweise sogar auf der Intensivstation und meldete sich bekanntlich vor wenigen Tagen zurück. Wie Wochenblick berichtete, stellte er daraufhin unmissverständlich klar, dass für ihn sein Bekenntnis dazu, dass Sicherheit und Freiheit in unserer Gesellschaft zugleich möglich sein müssten, unverändert bleibe. Für einige Mainstream-Schreiberlinge offenbar ein Wermutstropfen.

Dolna: Haimbuchner soll „Parteikollegen therapieren“

Denn mehr oder minder seit der Hospitalisierung des Politikers hatten einige Akteure auf eine 180-Grad-Wende bei der Corona-Politik in Richtung Regierungskurs gehofft und einen möglichen Richtungsstreit bei den Freiheitlichen herbei erträumt. Dass manche sich von diesen opportunistischen Gedankenspielen immer noch nicht verabschiedet haben, zeigte Dolna in ihrem Kommentar.

Sie ist der Meinung: nun, da der blaue Landeshauptmann-Vize den schweren Verlauf überlebte, müsse man auch „politische Schlüsse“ daraus ziehen. Das „vermeintlich Private“ sei „in diesem Fall sehr politisch“. Und in welche Richtung diese ihrer Ansicht nach gehen sollen, stellt Dolna bereits in der Überschrift klar: „Jetzt muss Manfred Haimbuchner seine Parteikollegen therapieren.“

Hafenecker sauer über „Niveau übelster Sorte“

Diese Wortwahl sorgte bei Vertretern der FPÖ für helle Aufregung. Mediensprecher Christian Hafenecker befand, dass sich das Blatt mit der Aussage seiner neuen Innenpolitik-Co-Chefin, dass „FPÖ-Mitglieder krank seien und geheilt werden müssten, auf ein Niveau übelster Sorte“ begebe. Dafür missbrauche sie den Krankheitsverlauf von Haimbuchner „in hämischer Art und Weise“.

Ihn wundere es daher nicht, dass „Journalisten von unserer Bevölkerung nicht mehr ernst genommen werden“. Es herrsche nämlich des Weiteren eine „allgegenwärtige Kurz’sche Hofberichterstattung“ vor, die ein „unappetitliches Sittenbild unserer Medienlandschaft“ zeichne. Von Frau Dolna erwartet er sich eine „postwendende“ Entschuldigung bei allen freiheitlichen Wählern, Mitgliedern und Sympathisanten.

Jenewein: „Zeichen autoritärer Strukturierung“

Schon zuvor hatte sich die FPÖ Steiermark auf Twitter über die Darstellung geärgert, die „geradezu beschämend und eine unfassbare Entgleisung“ sei. Dolna bezeichne damit „hunderttausende Österreicher über eine bemühte Ferndiagnose indirekt als ‚krank‘.“ Das erweise obendrein tatsächlich an Krankheiten laborierenden Bürgern einen „Bärendienst“.

Auch der frühere FPÖ-Mediensprecher Hans-Jörg Jenewein fand klare Worte der Verurteilug für den bodenlosen Kommentar. Ihn erinnerte ein derartiger Wortgebrauch an dunkle Zeiten. Die Bezeichnung von Andersdenkenden als „krank“ sei ein „Zeichen autoritärer Strukturierung“, die es „in diesem Land schon einmal gegeben“ hätte.

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