Man hätte es nicht mehr für möglich gehalten – doch in Tirol, wo man bislang doch „alles richtig gemacht“ haben will, ist es nun passiert. Nach dem Bekanntwerden eines Vergabe-Skandals rund um die umstrittenen PCR-Tests könnte die stümperhafte Corona-Politik der Regierungsparteien erstmals zu namhaften personellen Konsequenzen in einem Bundesland geführt haben.

Die Causa beschäftigt die heimischen Medienlandschaft schon seit ein paar Tagen. Denn in Tirol wurde eine große Lizenz für die Auswertung von PCR-Tests an einen Bewerber verteilt, der dafür gar nicht die Voraussetzungen besaß. Acht Millionen Euro schwer war der Auftrag, den ein Wiener Urologe vom Land Tirol ohne vorherige Ausschreibung bekam. Nun wurde bekannt, dass für die Befundung gar kein qualifizierter Labormediziner zuständig war. Vor einer größeren Menge falsch-positiver Tests also kein Pappenstiel.

Doppel-Rücktritt: Platter dementiert Zusammenhang

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch begann in der Folge das große Köpfe-Rollen im „heiligen Land Tirol“. Sowohl Gesundheits-Landesrat Bernhard Tilg als auch Wirtschafts-Landesrätin Patricia Frischer-Zollauf (beide ÖVP) nahmen noch am Abend den Hut. Selbst ihre engsten Vertrauten sollen teilweise nicht vorab in deren Absichten eingeweiht sein gewesen sein.

Landeshauptmann Günther Platter (ebenfalls ÖVP) bestritt am Mittwoch freilich jeglichen Zusammenhang mit der Affäre. Vielmehr habe man eine solche personelle Rochade schon vor Monaten anvisiert. Ihre Nachfolger sind der Landtagsvizepräsident Anton Mattle im Wirtschafts- und die Geschäftsführerin des Sanatoriums Kettenbrücke in Innsbruck Annette Leja im Gesundheitsressort (ebenfalls beide ÖVP).

Verwunderung auch beim politischen Mitbewerber

Dennoch hören die Spekulationen nicht auf. Denn mit Zoller-Frischauf und Tilg zogen sich plötzlich zwei absolute Urgesteine im Platter-Team auf einen Schlag zurück. Beide waren bereits seit 2008 im Amt und standen durch alle Prüfungen fest an der Seite ihres Parteifreundes. Um Stabilität bemüht, beteuerte Platter, dass es bis zur Landtagswahl – die planmäßig erst 2023 stattfinden soll – keine Personalwechsel mehr geben soll.

Der politische Mitbewerber hat allerdings längst den Braten gerochen, dass die hastigen Rücktritten womöglich eine Flucht nach vorn bedeuten. Bereits mehrfach war Tirol für sein Corona-Management in der nationalen und internationalen Kritik. FPÖ-Landeschef Markus Abwerzger twitterte noch am Dienstabend über die überraschende Personalrochade. Schon zuvor hatte er Zusammenhänge mit der Test-Affäre „nicht ausgeschlossen“. 

Tirol wegen falscher Zahlen im „Corona-Knast“?

Neben der undurchsichtigen Vergabe sorgt noch ein weiterer Aspekt für Wirbel. Denn wie der Standard berichtet, hatte das Labor gerade bei den Mutationsproben offenbar große Schwierigkeiten. Im Zeitraum von sieben Wochen zwischen 8. März bis 24. April gab es mindestens 24 Falschanalysen. Die AGES spricht sogar von 50 falsch-positiven Resultaten in diesem Zusammenhang.

Dieser Umstand ist auch deshalb pikant, weil das angebliche Auftreten neuer Mutanten in Tirol die Grundlage dafür bot, das Bundesland wochenlang in den „Corona-Knast“ zu schicken. Seit Februar kam es in zwei Tranchen zu Ausreise-Testpflichten aus dem Bundesland.

Nach der Enthüllung über die Falschanalysen – eine hohe Dunkelziffer ist nicht auszuschließen – stellt sich die Frage, inwieweit diese beim Erlass dieser Sperre eine Rolle spielten! Denn im Ernstfall könnten sogar bis zu 100.000 Tests von einer fehlerhaften Auswertug betroffen sein. Wochenblick identifizierte bereits im Februar falsche Zahlen als maßgeblichen Hintergrund der Ausreisesperre.

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