„Weg mit verpflichtenden Eintrittstestungen für körpernahe Dienstleitungen, aber auch für den Präsenzunterricht in Schulen“, fordert die Wiener Unternehmerin Ulrike Wieser und lässt dafür auch Unterschriften sammeln. In nur einer Woche hat sie auf Anhieb 27.000 Unterstützer um sich geschart.

Von Kurt Guggenblichler

Wegen des großen Erfolges wurde die Unterschriftensammlung nun bis zum 2. März prolongiert. „Ich hoffe, auf mindestens 100.000 Unterstützungserklärungen zu kommen“, sagt die Kosmetikprodukte-Großhändlerin Wieser, die in der Wiener Innung der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure (FKM) die parteilose „Liste L“ (loyal/liberal/lebensfroh) repräsentiert. Die Liste wurde im Herbst 2019 aus einem Gefühl der Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen gegründet und erzielte bei den WKO-Wahlen im Februar 2020 auf Anhieb ein Mandat. Das sei zwar nicht viel, aber ein Anfang, betont Ulrike, die selbst gelernte Kosmetikerin ist und die Probleme der Branche bestens kennt. Die sind noch größer geworden, seitdem die Regierung mit ihren Corona-Bekämpfungsmaßnahmen begonnen hat, die nicht nur unverhältnismäßig sind, wie Wieser befindet, sondern auch nicht nachvollziehbar.

Termin-Schlamassel

Warum, so fragt sie sich, müsse ein Zwangsgetesteter, der nicht infektiös ist, bei der Fußpflege- oder Massage-Behandlung eine Maske tragen?
Nicht nur für viele der Kunden seien Eintrittstest und Maskenzwang eine Zumutung, sondern auch für die betroffenen Unternehmen, deren Terminplanungen mittlerweile ein logistischer Spießrutenlauf sind. Auch deren Klientel vermag die Tests kaum noch zeitgerecht abzuwickeln, weshalb die 48-Stunden-Frist vielfach nicht eingehalten werden kann.

„Terminabsagen sind in diesen Branchen daher an der Tagesordnung, was für viele Unternehmen enorme Umsatzeinbußen bedeutet“, erläutert Wieser und konstatiert: „Damit wird das Grundrecht der Erwerbstätigkeit klar eingeschränkt – warum muss man sich als gesunder Mensch überhaupt testen lassen, um Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu können?“

Auch für Schüler

Die verpflichtende Eintrittstestung für Nutzer körpernaher Dienstleitungen müsse daher weg, fordert Wieser, und hat dabei auch die Schulkinder im Blick, die ein Recht auf Bildung und damit auch auf den Präsenzunterricht hätten. Denn wenn die Mädchen und Buben noch länger im „Homeschooling“ verblieben, würden nicht nur die Bildungsdefizite, sondern auch die psychischen Beeinträchtigungen größer werden. Die Schüler bei Testverweigerung weiterhin zu Hause sich selbst und dem Online-Unterricht zu überlassen, verstößt nach Ulrikes Ansicht gegen den Gleichheitsgrundsatz.

„Ich bin kein Corona-Leugner“, sagt Wieser, die sich sowohl für ihre Branche als auch für die Schüler einen Test auf freiwilliger Basis vorstellen könnte. Mit den von ihrer „Liste L“ gesammelten Unterschriften will sie dann auch ihr Anliegen, das von vielen Menschen geteilt wird, im Parlament behandelt wissen.