Die Lockdowns würden die Virusausbreitung verlangsamen: Das war die Begründung für deren Zwangsverordnung. Eine Überlastung des Gesundheitssystems würde dadurch verhindert. Ein aktueller Bericht im ORF versucht nun, die Verantwortung der Regierung für Kollateralschäden durch Lockdowns herunterzuspielen. Die Maßnahmen allein hätten nicht mehr Schaden angerichtet als Corona selbst. Man beruft sich hierbei auf einen Kommentar im British Medical Journal (BMJ), der sich wiederum auf eine Studie zur Übersterblichkeit stützt, die noch nicht begutachtet („peer-reviewed“) wurde. Bereits veröffentlichte und begutachtete wissenschaftliche Arbeiten, wie eine Studie rund um den Epidemiologen John Ioannidis, kamen hingegen zum Schluss, dass das Einsperren keinen Nutzen hätte, dafür aber Kollateralschäden verursachen würde.

  • Regierungsverantwortung an Schäden durch Lockdowns heruntergespielt
  • Rückgang der Behandlungen aufgrund von Angst behauptet
  • Lockdowns hätten keine Übersterblichkeit erzeugt
  • Kollateralschäden werden heruntergespielt
  • Angstmache ohne Belege – teils bezahlt von Pharmaindustrie und Gates-Umfeld
  • Offensichtliches Ziel: Maßnahmen-Kritiker wie Ioannidis entkräften

Die negativen Auswirkungen der Lockdowns würden die Gefahren des Virus „nicht überschatten“, meint der Epidemiologe des Imperial College London, Samir Bhatt, laut dem Bericht. Weder auf wirtschaftlicher, gesundheitlicher noch sozialer Ebene sei dies nachweisbar. Dies habe man anhand der Daten zur kurzfristigen Übersterblichkeit herausgefunden. Pikantes Detail am Rande: Einige seiner Autorenkollegen erhielten Gelder von einschlägigen Akteuren – etwa von der Bill & Melinda Gates-Stiftung oder aus einem Forschungspreis des Pharmakonzerns Novo Nordisk, der zwar derzeit keinen Corona-Impfstoff am Markt hat, aber sich hinter die weltweiten Impf-Kampagnen stellt. Auch Bhatt forschte bereits mit Geldern der „Bill & Melinda Gates“-Stiftung an Viren, denen man ein pandemisches Potenzial andichtete.

Behauptungen werden einfach in den Raum gestellt

Die Übersterblichkeit gibt an, wie viele Personen mehr verstorben sind als zu erwarten war. Wie man aufgrund solcher Todeszahlen wirtschaftliche und soziale Auswirkungen feststellen kann, darauf wird freilich nicht näher eingegangen. Es wird die Behauptung einfach in den Raum gestellt.

Die Lockdowns sollten die Ausbreitung des Virus eindämmen und so eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindern. Wie eine Arbeit von Prof. Isaac Ben-Israel zeigte, hatte das Einsperren allerdings keinen Einfluss auf die Virusausbreitung: „Es stellt sich heraus, dass ein ähnliches Muster – schneller Anstieg der Infektionen, der in der sechsten Woche einen Höhepunkt erreicht und ab der achten Woche wieder abnimmt – allen Ländern, in denen die Krankheit entdeckt wurde, gemeinsam ist, unabhängig von ihrer Reaktionspolitik“. Und dass durch die Lockdowns keine Leben in Westeuropa gerettet wurden, ist das Fazit einer Studie von Thomas Meunier.

Rückgang der Behandlungen aufgrund von Angst

Die Gesundheitssysteme seien in der Corona-Krise an ihre Grenzen gestoßen, wird behauptet. Der Rückgang bei Eingriffen und Behandlungen, die nichts mit Corona zu tun hatten, sei darauf zurückzuführen, „dass viele Personen aus Angst vor einer Ansteckung Krankenhäuser mieden“ und nicht auf die Lockdowns.

Der Chirurg und Sachverständige Dr. Dietmar Hager führte den Rückgang von Behandlungen hingegen gegenüber dem Wochenblick auf ein Freihalten von Ressourcen für Covid-Patienten zurück und nicht auf Angst. Wie viele Kollateralschäden durch verschobene oder nicht durchgeführte Operationen und Behandlungen entstanden sind, bleibt im Dunkeln, doch allein in Europa wurden fast eine Million Krebsfälle aufgrund von COVID-19 übersehen, wie eine Studie aus dem Mai zeigt. Laut den von der Europäischen Krebsorganisation (E.C.O.) veröffentlichten Daten werden Diagnosen aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht durchgeführt, berichtet Peter F. Mayer auf seinem tkp-Blog. Das National Institute for Health Research (NIHR) hat im Mai vorigen Jahres errechnet, dass über 28 Millionen Operationen weltweit verschoben wurden, um Betten freizuhalten (Wochenblick berichtete).

Dann wird im Bericht die Überlastung der Intensivstationen angeführt, über die selbst Kanzler Kurz unlängst sagte, dass Österreich „meilenweit“ von einer solchen Überlastung entfernt gewesen ist. Überlastet sind hingegen die Psychiatrien, wie Wochenblick (u.a. hier und hier) berichtete.

Lockdowns haben keine Übersterblichkeit erzeugt

Die Analyse der Übersterblichkeit in mehreren Ländern mit unterschiedlich harten Restriktionen habe gezeigt, „dass die Maßnahmen der Regierung allein zu keinem Anstieg der Todesfälle führen„, erklärt Bhatt.

In Österreich wurde allerdings eine Übersterblichkeit jeweils zu Beginn der Lockdowns im März und November des Vorjahres verzeichnet, wie Peter F. Mayer zeigt. In Schweden wurde ganz ohne Lockdown im Vergleichzeitraum hingegen keine Übersterblichkeit festgestellt. In ihrer Analyse der Auswirkungen der Maßnahmen auf die Sterblichkeit in zehn Ländern, darunter Südkorea und Schweden, die weitgehend auf Lockdowns verzichteten, fanden Ioannidis und seine Stanford-Kollegen „keinen klaren positiven Effekt strenger Maßnahmen auf die Entwicklung der Fallzahlen in irgendeinem dieser Länder.“ Also auch ohne Lockdowns gab es keine Überlastung des Gesundheitssystems und daraus resultierende Leichenberge. Dass der Weg Schwedens der richtige sei, befand auch der bekannte Epidemiologe Sucharit Bhakdi und der Vergleich der Corona-Zahlen von Schweden und Deutschland untermauert das.

Unterbrechungen von Gesundheitsprogrammen keine Folge der Lockdowns?

Auch weltweite Gesundheitsprogramme habe man analysiert, um die Auswirkungen auf die Bekämpfung von AIDS oder Tuberkulose herauszufinden. Bei den HIV-Programmen seien in 80% und bei Tuberkulose in 75% der Fälle Unterbrechungen festzustellen gewesen. Doch: „Auch hier kann aber nicht grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass diese Unterbrechungen nur aufgrund von zum Beispiel Ausgangssperren auftreten“, lautet das Fazit von Bhatt. Ioannidis hat hingegen herausgefunden, dass über die nächsten fünf Jahre allein 1,4 Millionen Tuberkulosepatienten aufgrund dieser Unterbrechungen sterben könnten. Auch eine weitere Ausbreitung dieser Krankheit hält er für möglich.

Angstmache mit Pharmageld, aber ohne Belege

Bei den psychischen Folgen bedient man sich im ORF-Bericht dann einfach der üblichen Propaganda-Methoden. Den Anstieg der psychischen Belastungen könne man nicht einfach auf die Maßnahmen zurückführen. Es sei schwer nachzuweisen, ob dieser Anstieg nicht „auf die generellen Auswirkungen der Pandemie zurückzuführen sei.“ „Die Schule zu verpassen und seine Freunde nicht zu sehen, hat natürlich negative Auswirkungen auf die Psyche von Kindern – ein Familienmitglied aufgrund einer Coronavirus-Infektion zu verlieren, aber sicherlich auch“, wird die übliche Angst-Propaganda weiter geschürt.

Es würde naheliegen, dass längere Perioden der Isolation problematisch für die Psyche sind. Psychische Schäden könnten durch Lockdowns, aber auch generell durch die Folgen der Pandemie selbst ausgelöst werden. Das Thema sei „zu komplex, um zu behaupten, der Anstieg psychischer Probleme sei nur auf die Maßnahmen der Regierungen zurückzuführen„, versucht Bhatt die Lockdowns zu legitimieren.

Ziel: Maßnahmen-Kritiker wie Ioannidis entkräften

Es wäre interessant zu wissen, was mit den generellen Auswirkungen der Pandemie eigentlich ganz genau gemeint sein soll. Entlarvend ist dann das letzte Zitat des Berichtes: „Uns war es in unserer Arbeit einfach wichtig zu zeigen, dass diejenigen, die behaupten, Regierungsmaßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus seien unnötig und würden zu mehr Problemen als die Pandemie selbst führen, falsch liegen. Die Gefährlichkeit, die von dem Virus ausgeht, wird mit solchen Aussagen leider verharmlost“, so Bhatt.

Damit stellt er indirekt klar, dass es bei dieser Studie nur darum ging, die Ergebnisse u.a. der Studien von und mit John Ioannidis zum Thema möglichst zu entkräften. Denn diese zeigten auch, dass die Corona-Sterblichkeit mit einer Fallsterblichkeit von 0,15% im Bereich einer normalen Grippe liegt. Und neue Untersuchungen zur angeblich so tödlichen Delta-Variante zeigen, dass diese noch einmal um das 10-Fache weniger tödlich ist.

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