Eine neue Gallup-Umfrage belegt, dass die Österreicher zunehmend am Corona-Krisenmanagement der Regierung zweifeln. Viele befürchten auch schwere wirtschaftliche Schäden.

Am Mittwoch präsentierte das Gallup-Institut eine neue Studie, die zusammen mit dem Medienhaus Wien erstellt wurde. Dafür wurden 1.000 Personen zwischen 5. und 10. November online befragt und die Studie ist repräsentativ für die webaktive Bevölkerung ab 16 Jahren. Dabei kam einiges über die Meinung der Österreicher zutage. Erstmals war eine Mehrheit der Befragten – 51 Prozent – der Meinung, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus mehr Schaden verursachen als das Virus selbst. Und 56 Prozent waren der Ansicht, dass die Freiheitsbeschränkungen und die soziale Isolation zu mehr gesundheitlichen Schäden führen als das Virus. Gestiegen ist aber auch die Angst vor einer Ansteckung. 57 Prozent gaben an, mittlerweile Angst vor einer Ansteckung zu haben. Und rund 80 Prozent wären bereit, zur Bekämpfung des Virus vorübergehend Freiheitsrechte aufzugeben.

Schlechte wirtschaftliche Aussichten befürchtet

Auch in die Zukunft blicken die Österreicher inzwischen vermehrt mit Sorge. So vermuten 63 Prozent, dass die wirtschaftlichen Folgen der Maßnahmen das Leben von mehr Menschen zerstören werden als das Corona-Virus. 60 Prozent gaben allerdings auch an, dass es den Menschen in Österreich in der Krise besser gehe als den Menschen in anderen EU-Ländern. „Wir haben in allen Fragen eine Hinwendung zum Negativen“, so die Leiterin des Gallup-Instituts, Andrea Fronaschütz, bei der Präsentation der Studie. Denn nur 42 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Österreich bei der Bewältigung der Coronavirus-Krise mehr Erfolg als andere habe. Und nur 39 Prozent der Befragten finden, dass die österreichische Regierung eine bessere Strategie als andere EU-Länder verfolge.

Politische Visionen für die Zukunft notwendig

Mit Bezug auf die Studie mahnte der oberösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreter und stellvertretende Bundesparteiobmann der FPÖ, Manfred Haimbuchner, zu mehr Weitblick in der Diskussion rund um COVID-19. Denn für Haimbuchner macht das Ergebnis der Umfrage deutlich, dass viele Menschen zwar Verständnis für die Notwendigkeit von freiheitseinschneidenden Maßnahmen zeigten, zugleich jedoch auch starke Angst vor den wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Isolation hätten. Deshalb seien nun Visionen nötig, die über die Bekämpfung von Corona hinausgehen, denn bisher hätte die Bundesregierung das Land in der Krise widersprüchlich, zögerlich und ohne Perspektiven regiert, nicht geführt. „Das hat einerseits zu einer starken Polarisierung und andererseits zu einer Orientierungslosigkeit in der Bevölkerung geführt. Ich will dieses Land nicht weiter spalten, ich will den Menschen helfen, ihre Zuversicht wiederzuerlangen. Ich werde der unangenehmen Gegenwart eine sichere Zukunft entgegenstellen“, so Haimbuchner, der zugleich eine starke starke Industrie- und Wirtschaftspolitik fordert – verbunden mit steuerlichen Entlastungen für Unternehmen. Auch eine Senkung der Einkommenssteuer hält der Landeshauptmann-Stellvertreter für notwendig: „Viele kleine Betriebe sind als Einzelunternehmen schließlich einfache Einkommenssteuerzahler“.