Dass der ORF in der Corona-Krise nicht zu jenen Medien zählt, die durch eine besondere Kritik an den Regierungs-Maßnahmen auffällt, ist keine Neuigkeit. Nachdem diese bislang allerdings keine Entspannung beim Infektionsgeschehen liefern konnten, sucht man beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk nach Sündenböcken.

Dass man dies ganz wortwörtlich tut, offenbarte Günther Mayr aus der ZiB-Wissenschafts-Redaktion am Donnerstag in einem Interview in der „ZiB 1“ – also zur besten Sendezeit um 19.30 Uhr. Zwar beginnt er seine Einschätzung zur Situation gerade im Hinblick auf Alters- und Pflegeheime wohl damit, hinzuweisen, dass man es in den Sommermonaten verabsäumt hätte Strukturen zur Nachverfolgung von Kontakten zu schaffen. Wem er den schwarzen Peter zuschiebt, dürfte aber einige Zusehr ratlos zurückgelassen haben.

ORF-Mayr schimpft über Herdenmentalität im Netz

Dass sich das Corona-Virus nun gerade bei älteren Menschen – für die es als Risikogruppe tatsächlich weitaus gefährlicher sein dürfte als bei jungen Menschen, die häufig relativ milde Verläufe haben – ausbreitet, sieht Mayr aber nicht vordergründig als Versäumnis der türkis-grünen Regierung. Vielmehr stehe die Politik vor einem Dilemma zwischen der Einsamkeit älterer Menschen und dem Infektionsschutz der Bevölkerung.

Es gelte kompromisslos vorzugehen, die Theorie eines Herdenschutzes über junge Leute sei „einmal mehr eindeutig widerlegt“. Eine solche Herdenimmunität bestehe „allenfalls bei Herden und Horden im Internet und auf anderen Informationsschrottplätzen die jetzt von gefälschten Spitalsziffern faseln.“ Diese folgten „geistigen Leithammeln“, die immer noch „blöken, das Ganze sei eine Weltverschwörung“.

Übrigens: Die Moderatorin rügte ihn nicht für seinen gewagten Vergleich – sondern lobte seine Einschätzung als „gewohnt eindrückliche“ Stellungnahme!

Gegen Info-„Wildwuchs“: Lob für System-Mediziner

Welche Informationsangebote er damit meinte, stellt er nicht heraus. Es ist daher unklar, ob er lediglich tatsächlich verschwörungstheoretische Seiten meinte – oder auch solche, die kritisch, aber stets unter Wahrung journalistischer Grundsätze faktengetreu über die Maßnahmen berichten und unangenehme Wahrheiten aufdecken. Dies tun in dieser Krise vor allem freie Medien wie „Wochenblick“ oder auch unabhängige Privatsender wie „Servus TV“.

Klar ist hingegen, dass er das freie Internet nicht erst seit Donnerstag kritisch sieht. Bereits im Oktober erklärte er dem ÖVP-nahen Volksblatt, dass er dieses für einen „Informationsschrottplatz“ hält. Lob hat er hingegen für die „unheimlich tollen“ Wissenschaftler der Berliner Charité (u.a. Drosten, Anm. d. Red.) und des Robert-Koch-Instituts. Es gelte, ein vermeintliches „Korrektiv“ zum „Wildwuchs“ an Info im Internet zu sein…