Der Moderator des "heute journals" des ZDF wollt von der Politikberaterin Julia Ebner wissen, ob sie auch die Corona-Lage als Tatmotiv für möglich halte.

Am Montagabend rätselte die mediale Öffentlichkeit noch über das Motiv hinter dem Terroranschlag von Wien, während sich die Indizien bereits häuften, dass Islamisten am Werk waren. Das hielt das ZDF nicht ab, in alle Richtungen zu spekulieren.

Im „heute journal“ interviewte der Moderator die Politikberaterin Julia Ebner. Die in London lebende gebürtige Wienerin ist einem breiteren Publikum bekannt, weil sie ein Buch publizierte, dessen Küchenzuruf es ist, dass Islamisten und angebliche Rechtsextremisten zwei Kehrseiten derselben Medaille seien. Im Zuge der Befragung lenkte der Journalist dann die Diskussion auf die Frage, ob auch Lockdown-Gegner für den tödlichen Anschlag verantwortlich sein könnten.

ZDF: Corona-Lage als Tatmotiv ins Spiel gebracht

Er berief sich dabei auf eine Korrespondentin, die darauf hingewiesen haben, dass es der letzte Tag vor einem großen Lockdown war. Daraufhin die Frage: „Ist das zu viel Spekulation, zu glauben, es könnte, mit einem Teil-Lockdown zusammenhängen oder überhaupt mit der Corona-Lage?“ Immerhin wisse man ja offiziell „überhaupt nicht“, aus welcher politischen Richtung der Anschlag käme. Daher wollte er wissen, ob Ebner die Corona-Maßnahmen als Auslöser sähe.

Auch über „andere ideologische Richtungen“ spekuliert

Die weit links stehende „Expertin“ stieg darauf ein und wollte den Islamismus nicht als zwingend angeben. Denn: „Es ist sehr schwierig zu sagen, aus welcher ideologischen Richtung es kommt, weil natürlich alle extremistischen Gruppen einen Abend wie heute ausnützen würden“. Zwar hält sie einen Trittbrettfahrer zu den islamistischen Anschlägen in Frankreich für möglich – allerdings auch „andere ideologische Richtungen“. Es sei „gefährlich, so früh zu spekulieren“ und sich auf Islamismus festzulegen.

Hoffte man in Deutschland auf rechten Täter?

In welche Richtung diese Spekulationen auch deuteten, zeigte die ORF-Korrespondentin Birgit Schwarz aus Berlin. Diese sprach zunächst in der nächtlichen Livesendung mit Moderator Tarek Leitner von einem Anschlag im Vorjahr „in einer Synagoge in Hanau“, an welchen man in Deutschland erinnert werde. Leitner wiederholte dies. Einen solchen Anschlag gab es freilich nie. In Hanau ermordete im Februar dieses Jahres ein geistig beeinträchtigter Mann zehn Personen in Döner-Imbissen und Shisha-Bars. Der Attentäter von Hanau wird vom deutschen Mainstream als rechtsextrem bezeichnet.

Korrespondentin Schwarz wies auch noch am heutigen Dienstag, als das islamistische Motiv längst bekannt war, darauf hin, dass es in Deutschland nicht nur Erfahrungen mit dschihadistischem Terror gebe. Inzwischen war auch beim ORF bekannt, dass der Anschlagsversuch auf eine Synagoge tatsächlich am Oktober des Vorjahres in Halle stattfand – durch einen mutmaßlich rechtsextremen Einzeltäter. Brisant: Laut Schwarz habe man habe sich im deutschen Bundeskanzleramt aber mit einer Reaktion Zeit gelassen, weil man abwarten wollte, ob der Anschlag einen rechtsradikalen Hintergrund hat.