Seit Mittwoch ist in Ungarn ein Impfstoff der chinesischen Sinopharm, gegen Covid-19 im Einsatz. Es ist das erste EU-Land, das „BBIBP-CorV“ verwendet, auch Regierungschef Viktor Orban will sich damit impfen lassen.

Von Kornelia Kirchweger

Die EU sei nicht in der Lage, Impfstoffe zügig bereitzustellen, das könne Leben kosten, sagte er. Deshalb wird parallel dazu auch mit dem russischen Sputnik V geimpft. Bis Ende Mai oder Anfang Juni könnten 6,8 Millionen der insgesamt 10 Mio Ungarn geimpft sein. Damit könnte Ungarn sogar Israel überholen.

Auch Orban nimmt die China-Impfung

Orban setzt auch persönlich auf eine BBIBP-CorV-Impfung: „Ich denke, die Chinesen kennen dieses Virus am längsten und sie kennen es wahrscheinlich am besten“, sagte er. Die Wirksamkeit soll bei knapp 80 % liegen.

BBIBP-CorV ist einer von zwei Covid-19-Impfstoffen, die bei Sinopharm auf Basis inaktivierter Viren entwickelt wurden – eine traditionelle Herstellungsmethode, die schon lange im Einsatz und erprobt ist. Ganz im Gegensatz zu den, landläufig als DNA-Impfung bezeichneten, Materialien von Pfizer/BioNTech oder Moderna, die bisher noch nie an Menschen zugelassen wurden.

Vorrangig in Asien, Afrika und Lateinamerika

Nach eigenen Angaben, könnte Sinopharm in diesem Jahr 1 Mrd. Dosen seines Impfstoffes herstellen. Wegen der unkomplizierten Lagerung, ohne Extremkühlung wie bei DNA-Impfstoffe, wird BBIBP-CorV hauptsächlich in Afrika, Asien und Südamerika eingesetzt.

Mit Stand Februar wurden bisher 43 Mio Dosen von BBIBP-CorV verimpft, ein Großteil davon in China. BBIBP-CorV wird auch in Ungarns Nicht-EU-Nachbarn Serbien eingesetzt, wo bereits rund eine halbe Million Menschen, darunter auch ethnische Ungarn, geimpft wurden.

Gestraffte Zulassungsverfahren

Durch ein Regierungsdekret wurde in Ungarn das Zulassungsverfahren für Impfstoffe gestrafft: der Einsatz von Impfmaterial, das mindestens einer Million Menschen weltweit verabreicht wurde, darf ohne Überprüfung durch die Arzneimittelbehörde des Landes gestattet werden.

Der China-Impfstoff erhielt in Ungarn am 29. Jänner eine „Notfallzulassung“. Gekauft wurden fünf Mio Dosen, die für eine Impfung von 2,5 Mio Menschen im Land ausreichen. Ungarn war auch das erste EU-Land, das sich den russischen Impfstoff Sputnik V holte, der allerdings in die Kategorie „DNA-Impfung“ fällt (Adeonovirus Virale Vektorimpfung). Laut Abkommen zwischen Budapest und Moskau werden zwei Mio Dosen bezogen, genug für eine Mio Menschen.

Beide Impfstoffe wurden von der EU-Arzneimittelbehörde noch nicht zugelassen. Hausärzte sind jetzt für den „Roll-out“ (großflächige Anwendung) zuständig.

Brüssel versagt bei Impfstoff-Koordination

Ungarn kritisierte die EU für ihre schief gelaufene EU-Gesamtkoordination von Impfstoffen für die Mitgliedstaaten: „Wenn Impfstoffe nicht aus Brüssel kommen, müssen wir sie von woanders beziehen … Man kann nicht zulassen, dass Ungarn sterben, nur weil Brüssel bei der Beschaffung von Impfstoffen zu langsam ist“, sagte Orban im letzten Monat.

Die EU hat mit europäischen und US-Pharmaunternehmen Tarifverträge über mehr als zwei Milliarden Dosen Covid-19-Impfstoffe unterzeichnet. Die Mitgliedstaaten dürfen aber auch, außerhalb dieser Vereinbarung ihre eigenen Geschäfte abschließen.