Die ehemals christlich-byzantinische Kathedrale, die Hagia Sophia in Istanbul, wird am kommenden Freitag feierlich, im Beisein des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, als Moschee eröffnet. Mosaike und Fresken werden während der Gebetszeiten mit Vorhängen verdeckt, weil Muslime nicht vor Abbildungen von Menschen beten dürfen.

Von Kornelia Kirchweger

Auch künftig für Besucher offen

Gegen die Umwandlung des weltweit einzigartigen Bauwerks zum muslimischen Gebetshaus gab es sowohl Kritik als auch Befürwortung – insbesondere seitens konservativer Muslime und muslimischer Staaten (Wochenblick berichtete). Kritiker befürchten, dass Erdogan die wertvollen Mosaike und Fresken übermalen lassen könnte und Besucher ausgesperrt werden. Präsidenten-Sprecher Ibrahim Kalin zerstreute jetzt in einem TV-Interview diese Bedenken. Das werde nicht geschehen und die Hagia Sophia werde für alle offen bleiben.

Bewegte Geschichte

Die Hagia Sophia („Göttliche Weisheit“) wurde von 532 bis 537 n. Chr., während der Herrschaft des byzantinischen Kaisers, Justinian des Großen, als Reichskirche des griechisch-orthodoxen Kaiserreichs Byzanz erbaut. Sie war die größte Kirche des Christentums. Nach der Eroberung Konstantinopels, des heutigen Istanbul, durch die türkischen Osmanen, wurde sie 1453 zur Moschee und mit Minaretten versehen. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk wurde sie 1935 in ein Museum umgewandelt. Erdogan hatte schon im Vorjahr angekündigt, aus der bisher als Museum genutzten Hagia Sophia, eine Moschee machen zu wollen. Im Juli d.J. entschied das oberste Verwaltungsgericht der Türkei in diesem Sinn. Auf Anordnung von Erdogan wurde nun das erste islamische Gebet für kommenden Freitag festgelegt.