Die Webseite Healtheurope.eu veröffentlichte Anfang Jänner die Information, dass Forscher an einem „intelligenten“ COVID-19-Impfstoffpflaster arbeiten, das den Impfstoff direkt verabreichen und gleichzeitig dessen Wirksamkeit messen kann. Science-Fiction? Offenbar nicht.

Das Team des Swansea University Institute für innovative Materialien, Verarbeitung und numerische Technologien (IMPACT) arbeitet an einem intelligenten Impfstoffpflaster COVID-19 unter Verwendung von Mikronadeln (MNs), das den Impfstoff abgeben kann und auch die Entzündungsreaktionen auf die Impfung durch Überwachung mittels Biomarker in der Haut messen kann.

Das Projekt trägt den Titel „Intelligente Impfstoffe“ und ist für die Zufuhr der COVID-19-Impfstoffe geplant. Die IMPACT-Operation wird durch europäische Fonds für regionale Entwicklung über die walisische Regierung und die Swansea University mitfinanziert.

Impfstoffe aus der Mikronadel

Das Pflaster verwendet winzige Mikronadeln, die die Haut durchdringen und Medikamente direkt verabreichen sollen. Das Design ermöglicht niedrigere Dosen des Impfstoffs, was angeblich zu einer kostengünstigeren Herstellung und einer einfacheren Verteilung und Verabreichung beiträgt. Die Forscher sagen, dass die Art des Designs eine individuell abgestimmte Impfung ermöglichen würde.

Der Projektleiter Dr. Sanjiv Sharma von der Swansea University sagte: „Die Messung der Impfstoffwirksamkeit ist äußerst wichtig, da sie die schützenden Wirkungen der Impfung auf eine Person über das Ausmaß der Verringerung des Infektionsrisikos bei einer geimpften Person im Vergleich zu der einer nicht geimpften Person anzeigt. Dieses Maß für die Wirksamkeit der Impfung bietet damit einen innovativen Ansatz für die Impfstoffentwicklung.“

Die Hautimpfung mit Mikronadeln kann scheinbar auch die bei einer Schwangerschaft beobachtete Immuntoleranz überwinden und somit wäre in der Theorie der Weg zum Impfen auch für Schwangere frei.

Alles in „Echtzeit“

Das Hauptziel des Projekts ist die Erstellung eines Prototyps eines intelligenten Impfstoffabgabegeräts, mit dem der COVID-19-Impfstoff nicht nur verabreicht, sondern auch auf Wirksamkeit in Echtzeit überwacht werden kann. Das Impfpflaster könnte je nach Einstellung dann selbstständig „nachimpfen“. Die neue Methode hätte zudem Auswirkungen auf die Art und Weise der Erstellung von Studien über Wirksamkeit von Impfstoffen, bei der bisher statistische Bewertungen statt wissenschaftliche Messungen der Entzündungsreaktion des Patienten auf die Impfung zugrunde liegen.

Die Echtzeitnatur des intelligenten Impfpflasters soll für schnelle Ergebnisse und schnelles Impfen sorgen und ein schnellere Eindämmung des COVID-19-Virus ermöglichen. Das Pflaster zur Verabreichung von Impfstoffen gewährleistet laut den Forschern eine sichere Rückkehr zur Normalität und hilft beim Management weiterer Viren-Ausbrüche. Über das Coronavirus hinaus könnte das Projekt auf andere Infektionskrankheiten ausgedehnt werden, da die Art der Verabreichung von Pharmamitteln mittels Pflaster eine schnelle Anpassung an verschiedene Infektionskrankheiten ermöglicht.

Die Forscher bereiten derzeit eine Plattform vor und hoffen alsbald Versuche am Menschen durchführen zu können, um den endgültigen Einsatz des Impfpflasters schnell voran zu bringen.

Sharma fügte hinzu: „Wir wollen den ersten Prototyp bis zum Ende des Projekts im März 2021 herausbringen. Wir werden uns dann mit klinischen Studien am Menschen befassen.“ (AA)