Die Migration afrikanischer Jugendlicher nach Europa wird weitergehen, prophezeit die UNO. Es werden weiterhin meistens Wirtschaftsmigranten sein, die hier ein besseres Leben suchen. Schuld daran sei Europa selbst: Die EU behandle Afrika unfair und schaffe Ungleichheit.

von Kornelia Kirchweger

Die UNO stützt sich bei dieser Einschätzung auf ihren Vorjahres-Bericht „Stimmen irregulärer Migranten, die nach Europa gingen“. Zusammengestellt hat ihn die UNO-Entwicklungsorganisation UNDP.

Darin werden die Schilderungen von fast 2.000 Migranten aus 39 afrikanischen Ländern in 13 europäischen Ländern analysiert. Die Befragten sind ausschließlich Wirtschaftsflüchtlinge, die illegal eingewandert sind, weil sie auf ein besseres Leben in Europa hofften.

Der Großteil war bei Abreise zwischen 20 und 29 Jahren, soll aus urbanen Gebieten kommen und überdurchschnittlich gut ausgebildet sein. 71 Prozent kamen aus Westafrika, vor allem aus Nigeria und Senegal. 58 Prozent waren in ihren Heimatländern erwerbstätig und erhielten dabei Löhne, die über dem nationalen Durchschnitt lagen, oder sie waren in Ausbildung.

Problemkontinent Afrika

Doch was für Afrika eine gute Ausbildung ist, reicht im harten Wettbewerb von Europa nicht. Diese Migranten sind deshalb auch hier, wenn überhaupt, vor allem im Niedriglohnsektor als Erntehelfer, Abwäscher, in Schlachthöfen, in der Mülltrennung oder im Reinigungssektor tätig.

Die traurige Erkenntnis: Reich wird man dabei nicht. Die UNO ist überzeugt, Europa habe die Migration aus Afrika selbst verschuldet, wegen ungleicher Handelsbeziehungen und der Beschränkung des Austausches auf Entwicklungshilfe.

Afrikanische Länder beklagen, die von der EU angebotenen Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwingen die Länder zur Öffnung ihrer Märkte, ermöglichen aber nicht den Aufbau eigener, lokaler Industrien. Hier stellt sich die Frage: Warum stimmt Afrika solchen Abkommen zu?

Werden diese Länder gar über die Entwicklungshilfe erpresst? In solchen Abkommen wird auch Kontingenten junger Afrikaner eine Schul- oder Berufsausbildung in Europa zugesichert.

Wer wählt diese – und nach welchen Kriterien – aus? In vielen afrikanischen Ländern bestimmen immer noch Korruption und das Clanwesen Politik und Wirtschaft. Posten, Jobs und Vorteile werden dementsprechend verschachert.

Das gute China

Trotzdem ist Europa an allem schuld, diese These wird von UNO und der EU regelrecht getrommelt. In diesem Anschuldigungsstakkato wird allerdings China mit keinem Wort erwähnt. Peking hat sich massiv in Afrika „eingekauft“, besetzt landwirtschaftliche Flächen, beherrscht Industrien, baut eigene auf und beutet lokale Ressourcen aus.

Doch China schafft kaum Jobs, denn es bringt eigene Arbeitskräfte ins Land, die bereit sind, alles zu tun – und der lokalen Bevölkerung die Arbeit wegnehmen. Junge Afrikaner haben also wenig von der Präsenz Chinas in ihren Ländern.

Die UNO räumt aber ein: Nur, wenn Afrika es als gesamter Kontinent ein Jahrzehnt lang schafft, ein Wachstum von 10–11 Prozent zu erreichen, kann sich die Lage ändern. Das wird so schnell nicht passieren, ist auch sie überzeugt.

Schlussfolgerung: Europa müsse also weiterhin Menschen aufnehmen, und man solle sich nicht beklagen, denn auch afrikanische Länder nähmen Millionen Flüchtlinge auf. Etwa Äthiopien, Uganda oder Kenia. Dagegen seien die Zahlen in Europa nichts.

Was die UNO nicht sagt: Innerafrikanische Flüchtlinge werden von ihr und anderen NGOs zum guten Teil mit Steuergeld aus Europa versorgt. Afrika stellt das Land für die Camps bereit, diese sind auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die umliegenden Regionen.

Anders als in Europa haben Flüchtlinge in Afrika aber keinen Anspruch auf Mindestsicherung, Rundum-Versicherung, Wohnung oder Spitzenausbildung.

Absurde Vergleiche

Auch gegen die Abneigung gegenüber illegaler Einwanderung hat die UNO eine probate Lösung: Man müsse legale Wege schaffen, den Migranten Papiere geben, das verbessere ihr Image, glaubt sie.

Doch die Bürger wissen, dass ihr Steuergeld zunehmend in die Versorgung der illegal ins Land Gekommenen fließt. Abgesehen von all den anderen Problemen, die das Aneinanderprallen fremder Kulturen im täglichen Leben mit sich bringt. Die UNO ignoriert das.

Warum die UNO derart abstruse Analysen veröffentlicht, verwundert aber nicht. Taktgeber sind arme oder Entwicklungsländer, die einen Großteil der UNO-Mitglieder ausmachen.

Dagegen sind die wohlhabenden 27 EU-Staaten ein winziges Grüppchen. Alle Forderungen konzentrieren sich auf sie. Linke Politiker unterstützen das und erklären Europa zum Einwanderungskontinent. Mit den bekannten Folgen.