Fast unbemerkt von einer größeren Öffentlichkeit hat die heute 60-jährige Anna Pimminger in den letzten 30 Jahren zwei dicke Heimatbücher über ihren Wohnort Grünau geschrieben, wofür ihr nun – spät aber doch – auch die Gemeinde mit der Verleihung der goldenen Ehrennadel dankte.

Ein Porträt von Kurt Guggenbichler

Die ihr kürzlich im Grünauer Wildtierpark zuteil gewordene Auszeichnung nahm Anna mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits freute sie sich darüber, dass man sich zehn Jahre nach Erscheinen ihres letzten Bandes endlich auch offiziell dazu aufraffen konnte, ihre uneigennützige Aufarbeitung der Grünauer Geschichte zur Kenntnis zu nehmen, andererseits aber habe sie nicht die geringste Unterstützung durch die Gemeinde erfahren.

„Die haben mir am Gemeindeamt weder Auskünfte zur Ortsgeschichte gegeben, noch haben sie mich Dokumente kopieren lassen“, sinniert Pimminger bitter, wenn sie an die vielen Mühen denkt, die sie hatte, um die Grünauer „Ereignisse aus längst vergangenen Tagen“ zu recherchieren und zu Papier zu bringen.

Vater wäre stolz

Zwei dicke, jeweils rund 400 Seiten starke, informative und reich bebilderte Wälzer sind es geworden, die Anna auch noch auf eigene Kosten hat drucken lassen. An die 40.000 Euro soll sie die ganze Aktion gekostet haben, doch die Arbeit habe sich gelohnt, weil es Ähnliches zuvor noch nicht gab.

Pimminger ist Hobby-Heimatforscherin und darin sieht sie auch den Grund für die nicht erfolgte Unterstützung ihrer freiberuflichen Tätigkeit. „Die haben mir das nicht zugetraut“, sagt die gelernte Köchin und Kellnerin, die diese Berufe einst im Grünauer „Zaunerhof“ erlernte. Die letzten Jahre war sie als Reinigungskraft in der örtlichen Schule tätig.

Der „Zaunerhof“, den es heute nicht mehr gibt, wurde damals von ihren Eltern Frieda und August Pimminger betrieben. „Mein Vater hat auch den ersten Stangenlift am Grünauer Gamsberg gebaut“, sagt sie nicht ohne Stolz. Dass dessen Tochter den Grünauern nun zu ihrer ersten umfassenden Chronik verhalf, hätte dem Herrn Papa gewiss viel Freude gemacht.

Aber woher kam bei Anna das große Interesse für die Ortsgeschichte? „Ich war um die Dreißig“, erzählt sie, „als ich zufällig die alte Orts- chronik von Josef Mayerhofer, der von 1779 bis 1837 als Schulleiter in der Grünau wirkte, in die Hände bekam. Von da an habe ich Feuer gefangen und mich für alles interessiert, was mit der Entwicklung des Ortes zu tun hatte.“

Noch genug Material

In der Folge hat Anna in ihrer Freizeit mit Leuten darüber geredet, Erinnerungen aufgeschrieben, Archive durchstöbert und alte Bilder gesammelt. Die Ergebnisse füllen zwischen 40 und 50 Büroordner „und ich bin noch lange nicht am Ende“, betont Pimminger.

Es gebe noch genug Material, das aufzuarbeiten wäre, doch einen dritten Band werde es wohl nicht geben, sagt sie und schaut dabei auf einen imaginären Punkt in der Ferne. „Ich habe keine Kraft mehr.“ Das Herz sage zwar ja, das Hirn aber kategorisch nein. Es stecke viel Arbeit in einer solchen Unternehmung, weshalb die Freude auch sehr groß war, als 2007 ihr erster Band und 2009 der zweite Band ihrer Ortsgeschichte erschien.

Tägliche Strampeltour

Künftig möchte sie nämlich auch noch etwas für ihre Gesundheit tun, weshalb sich Anna, die früher viel geraucht hat, nun auch täglich auf ihr Elektro-Mountain-Bike schwingt und mindestens drei Stunden täglich die Berge und Wälder in der Umgebung erstrampelt.

Andererseits: Man wisse nie, was die Zukunft noch bringe. Ihre Bücher stoßen auf reges Interesse! Von Band I, der in einer Auflage von 1000 Stück aufgelegt wurde, gebe es nur noch 200 Exemplare, freut sich Pimminger.